OMV: Geld von der Börse für türkische Petrol Ofisi

(c) APA (Hans Klaus Techt)
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Aktien: Der Mineralölkonzern plant eine Kapitalerhöhung im Volumen von 800 Mio. Euro.

wien (ker). Der österreichische Mineralölkonzern OMV plant, sich über eine Kapitalerhöhung 800 Mio. Euro zu holen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Sie beruft sich dabei auf drei involvierte Personen. Laut Bloomberg soll die OMV bereits mit der Großbank JP Morgan Chase gesprochen haben. Die Bank könnte die Kapitalerhöhung begleiten und junge OMV-Aktien im Mark platzieren.

Die OMV dementiert den Bericht zumindest nicht. „Wir kommentieren keine Gerüchte“, sagt OMV-Sprecher Sven Pusswald auf Anfrage der „Presse“. Auch das Londoner Büro von JP Morgan gab keinen Kommentar ab.

Einiges spricht für Kapitalerhöhung

Es gibt jedoch einige Umstände, die eine Kapitalerhöhung für wahrscheinlich erachten lassen:
•Bei der Hauptversammlung haben die Aktionäre dem Vorstand die Zustimmung erteilt, eine Kapitalerhöhung durchführen zu dürfen. „Das ist aber ein branchenüblicher Vorgang. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, so Pusswald.
•Die OMV hat kürzlich bekannt gegeben, dass sie die Mehrheit des türkischen Tankstellenbetreibers Petrol Ofisi übernehmen könnte. Die OMV ist bereits in Verhandlungen mit der türkischen Dogan Holding, die mit knapp 55 Prozent die Mehrheit an Petrol Ofisi hält. Die OMV besitzt derzeit 42Prozent der türkischen Firma, die 3200 Tankstellen betreibt und Marktführer in ihrem Land ist.

Mit dem Zukauf will das österreichische Unternehmen in der Türkei an der starken Ölnachfrage mitnaschen. Der Ölkonsum stieg im vergangenen Jahr um 5,8Prozent, während er in Österreich leicht zurückging.

An der Börse in Istanbul wird der Anteil von Dogan mit 1,4Mrd. Dollar (970Mrd. Euro) bewertet. Analysten gehen davon aus, dass die türkischen Investoren einen Preis von umgerechnet 1,8 Mrd. Euro verlangen werden. Die OMV müsste daher einen stattlichen Geldbetrag überweisen. Eine Kapitalerhöhung könnte zur Refinanzierung des Zukaufs dienen.

Was macht die ÖIAG?

Die Republik Österreich hält über die Staatsholding ÖIAG einen Anteil von 31,5 Prozent an der OMV. Interessant ist, ob die ÖIAG bei einer Kapitalerhöhung mitmachen und junge Aktien kaufen würde.

Wenn ja, müsste sie sich die Zustimmung der Bundesregierung holen, da sie nicht befugt ist, Aktien zu kaufen, sondern nur zu verkaufen. Erst einmal hat es eine Ausnahme gegeben. Vor fünf Jahren zog sie bei der Kapitalerhöhung des Technologiekonzerns VA Tech mit.

Geht die ÖIAG bei der OMV-Kapitalerhöhung nicht mit, würde ihr Anteil verwässert. Eine ÖIAG-Sprecherin wollte auf Anfrage der „Presse“ nicht Stellung nehmen.

Die Aktie der OMV zeigte am Donnerstag keine klare Tendenz.

AUF EINEN BLICK

Der Mineralölkonzern OMV soll laut der Nachrichtenagentur Bloomberg eine Kapitalerhöhung von 800 Mio. Euro planen. Das Unternehmen nahm dazu nicht Stellung.

Einiges spricht für eine Kapitalerhöhung. Die OMV plant derzeit, die Mehrheit an der türkischen Petrol Ofisi zu übernehmen. Dafür müsste sie mindestens 1,4 Mrd. Euro zahlen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2009)

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