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Koller nach ÖFB-Auftaktpleite: "Kopf hoch und Vollgas"

Enttäuschte Österreicher
Enttäuschte ÖsterreicherREUTERS
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Marcel Koller vermisste beim 0:2 gegen Ungarn Ruhe und Ballsicherheit und zweifelte erstmals an der Alaba-Rolle. Nun ist rasche Aufarbeitung gefragt.

Fußball-Österreich ist gleich zum Auftakt der EM wieder auf den harten Boden der Realität geholt worden. Die Enttäuschung nach dem 0:2 gegen Ungarn war nicht nur bei den Fans, sondern auch im ÖFB-Lager groß. "Es war sehr ruhig in der Kabine. Aber wir haben eine gute Gruppe, jeder muss den anderen mitreißen und ich werde vorangehen", versprach Teamchef Marcel Koller.

Die Gründe für die bittere Auftaktpleite waren für den Schweizer rasch ausgemacht. "Wir waren zu nervös", analysierte Koller. "Wir hatten zu viele Ballverluste, die ich so nicht kannte, und wir konnten nie über mehrere Stationen unser Kombinationsspiel aufziehen. Wir hätten mehr Ruhe in unseren Aktionen gebraucht." Warum sich bei seinen international erfahrenen Kickern auf einmal Nervosität breitmachte, war dem 55-Jährigen selbst ein Rätsel.

Schließlich war der Traumstart mit dem Stangenschuss von David Alaba nach 31 Sekunden zum Greifen nah. "Wenn wir da das Tor schießen, sieht vielleicht alles anders aus", vermutete Koller und ergänzte: "Auch danach sind wir noch das eine oder andere Mal gut vor das gegnerische Tor gekommen." Selbst der Start in die zweite Hälfte verlief laut dem Nationaltrainer noch vielversprechend. "Aber dann haben wir das 0:1 und Gelb-Rot kassiert."

Den Blick nach vorn richten

Noch in der Nacht auf Mittwoch kehrten die Österreicher ins Teamquartier nach Mallemort zurück. Dort steht nun in den kommenden Tagen Aufarbeitung und Vorbereitung auf Portugal auf dem Programm. "Wir haben nicht ein paar Wochen Zeit, um das zu verkraften. In drei Tagen geht es weiter, da heißt es Kopf hoch, abwischen und Vollgas geben", erklärte Koller, der den Blick schon wieder auf die nächste Partie gegen Portugal gerichtet. "Wir müssen versuchen, zu punkten. Schön wäre es, wenn wir drei Punkte holen."

Ähnlich sah es Christian Fuchs, der vor dem ersten Gegentreffer das Abseits aufgehoben hatte. "Der Kopf wird nicht in den Sand gesteckt", betonte der ÖFB-Kapitän. "Es war das erste Spiel. Es sind noch zwei, da werden wir alles probieren." Gegen die Ungarn sei vieles zusammengekommen. "Aber ich bin ein Verfechter davon, dass wir jetzt nicht alles schlecht reden. Wir haben eine engagierte Leistung gebracht. Deswegen müssen wir uns auf das nächste Spiel fokussieren und mit neuem Mut gegen Portugal antreten."

Auch Julian Baumgartlinger, gegen Ungarn der beste ÖFB-Spieler, erwartet gegen Portugal eine Reaktion der Mannschaft. "Mentalität ist immer gefragt, gerade bei Großereignissen, wo es in der Gruppenphase nur drei Spiele gibt", erklärte der Mittelfeldspieler. "Ich bin ehrlich gesagt auch ein bisschen sauer und möchte das wieder gut machen." Das sei man auch den Fans, die am Wochenende erneut zu Tausenden nach Paris reisen werden, schuldig.

 

Umstellungen gegen Portugal

Gegen Portugal ist eine Steigerung dringend nötig. Die Herausforderung wird ohne den gesperrten Dragovic nicht einfacher, auch der am Knöchel angeschlagene Junuzovic droht nicht rechtzeitig fit zu werden. Erste Untersuchungen ergaben zwar keine Bänderverletzung, der Bremen-Legionär kann derzeit aber nicht auftreten und klagt über starke Schmerzen. Weitere Umstellungen sind nicht ausgeschlossen, da sich so mancher Stammspieler in einem hartnäckigen Formtief befindet. "Aber man kann nicht auf einen Knopf drücken und sagen, jetzt spielen wir auf Top-Niveau", betonte Koller.

Vielen Akteuren gelang das gegen die Ungarn nicht. "Wir sind nicht zufrieden mit unserer Leistung. Wir haben als Mannschaft nicht gezeigt, was wir schon gezeigt haben", sagte Offensivspieler Martin Harnik, der sich nicht in Szene setzen konnte. "Ich habe nicht so ins Spiel gefunden, wie ich es mir vorgestellt habe, habe aber auch wenige Bälle bekommen, vor allem in die Tiefe."

Keine Sorgen um den Verlust seines Fixleiberls muss sich Alaba machen. "Man hat gesehen, dass er ein Spieler mit einer unglaublicher Technik und Spielverständnis ist", sagte der Teamchef. Allerdings gab Koller auch zu, dass der Positionswechsel seines Stars im Vergleich zum FC Bayern nicht ideal ist. "Vielleicht ist das ein kleines Problem."

Almer: "Müssen anderes Gesicht zeigen"

Nach einer ersten Regenerationsphase begann noch am Mittwoch die Vorbereitung auf das Duell im Pariser Prinzenpark. "Wir sind alle enttäuscht, aber gerade jetzt ist es wichtig, die Köpfe wieder nach oben zu bringen", meinte ÖFB-Torhüter Robert Almer. Möglicherweise habe in Bordeaux die "cleverere Mannschaft" gewonnen. Almer: "In den nächsten beiden Spielen werden wir ein anderes Gesicht zeigen müssen."

(APA)