VW greift mit Kapitalspritze nach der Weltspitze

ARCHIV - Ein Porsche- Logo ist am 18. Mai 2009 an einem Porschezentrum in Frankfurt am Main neben ein
ARCHIV - Ein Porsche- Logo ist am 18. Mai 2009 an einem Porschezentrum in Frankfurt am Main neben ein(c) AP (Michael Probst)
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Die Salzburger Porsche Holding, Europas größter Autohändler, wird voll in den VW-Konzern eingebracht. Durch den Zusammenschluss mit Porsche hofft VW auf drei Milliarden Euro Synergieeffekte und greift Toyota als größten Autohersteller der Welt an.

Der neue VW/Porsche-Konzern strebt mit Macht an die Weltspitze in der Automobilindustrie. "Der Konzern hat sicher das Zeug dazu, die Nummer Eins zu werden", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Freitag in Wolfsburg. Der Konzern habe eine beispiellose Modellpalette, globale Präsenz und höchste Technologiekompetenz. Der weltgrößte Autobauer ist bisher Toyota.

Volkswagen will für die Übernahme von Porsche frisches Kapital aufnehmen. Der Konzern plane eine Kapitalerhöhung von vier Milliarden Euro zur Finanzierung des Zukaufs, sagte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch am Freitag in Wolfsburg. Die Zustimmung der Aktionäre will sich das Unternehmen demnach Ende dieses Jahres auf einer außerordentlichen Hauptversammlung holen.

Porsche Holding voll in Konzern

Die Salzburger Porsche Holding, einer der größten Autohändler Europas und einer der größten privaten Arbeitgeber der Alpenrepublik, wird ab 2011 in den VW-Konzern eingebracht. Mit dem Verkaufserlös wollen die Eigentümerfamilien Porsche und Piech eine nötig werdende massive Kapitalerhöhung für den Gesamtkonzern finanzieren. Die Salzburger glauben, in einem großen integrierten Konzern mehr Chancen zu haben, ohne an Unabhängigkeit einzubüßen.

Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer spricht in den "Salzburger Nachrichten" (Freitagausgabe) u.a. davon, dass die Österreicher "sicher nicht mehr isoliert in der VW-Welt laufen" werden. Wahrscheinlich werde künftig das Vertriebsnetz der Salzburger anders ausgerichtet, Wolfsburg könnte das bisher den Salzburgern vorbehaltene Osteuropageschäft an sich ziehen.

Eigenständigkeit soll gewahrt bleiben

"Hier irrt Dudenhöffer", glaubt Hermann Becker, Porsche-Österreich Sprecher dagegen. Porsche Österreich sei ein "Benchmark" unter den VW-Händlern, ihr Erfolgsgeheimnis sei das dezentrale Agieren auf den Märkten, "eine Konzentration wäre genau der falsche Weg", so Becker gegenüber der APA. Auch nach der Übertragung 2011 würden Vertreter der bisherigen direkten Eigentümerfamilien im Aufsichtsrat sitzen. In dem neuen Konzern gäbe es zudem weitere Länder, die übertragen werden könnten und Porsche Holding-Mitarbeiter hätten es künftig wohl leichter, Karriere im Konzern zu machen.

Die Salzburger Porsche Holding ist seit den 1950er-Jahren eng mit dem Zuffenhausener Sportwagenbauer, aber auch Wolfsburg verbunden. Die historischen "Schnittstellen" laufen beim Großvater Ferdinand Piechs, dem Gründer der Dynastie, Ferdinand Porsche zusammen. Dieser ist der Konstrukteur des VW-Käfer und Ahnherr der Eigentümerfamilien Porsche und Piech, die das Salzburger Autohaus noch unumschränkt kontrollieren.

Die Einbringung der Salzburger in den Konzern wird den beiden Familien, die die Salzburger Porsche Holding GmbH jeweils zur Hälfte kontrollieren, 3,55 Mrd. Euro bringen. Dieser Verkaufserlös soll ihren Anteil an der anstehenden großen Kapitalerhöhung finanzieren. Dies ist unbedingt notwendig, um gegenüber den neuen Partnern Niedersachsen und (voraussichtlich) Katar nicht ins Hintertreffen zu geraten und die Mehrheit an dem neuen Konzern zu behalten.

(Ag.)

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2011 soll es soweit sein: Porsche und VW verschmelzen zu einem Konzern. Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat einer entsprechenden Grundsatzvereinbarung zugestimmt. VW-Chef Winterkorn dürfte auch die Porsche Holding führen.

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