Theater-Herbst: Warten auf das "neue" Burgtheater

Das Burgtheater von Innen
Das Burgtheater von Innen(c) Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

Der neue Burgtheater-Direktor startet mit einem "Faust"-Doppel in die kommende Saison. Film-Adaptierungen stehen im Volkstheater und in der Josefstadt am Programm. Die Highlights im Überblick.

"Faust", "Alles über meine Mutter" und "Der Blaue Engel": Der österreichische Theaterherbst wird interessant. Im Fokus der Aufmerksamkeit steht der neue Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann. Die Highlights des Theaterherbsts im Überblick:

Burgtheater/Akademietheater/Kasino:

Mit neuen Werbesujets - darunter "Hart/Burg/Mann" - stellt sich der Nachfolger von Klaus Bachler am 4. September mit der Inszenierung beider Teile von Goethes "Faust" dem Wiener Publikum vor. Eigentlich sollte die "Faust"-Inszenierung von Jürgen Gosch Teil des glanzvollen Abschieds von Klaus Bachler sein, die Produktion unter der Leitung des im Juni diesen Jahres verstorbenen deutschen Regiemeisters musste jedoch damals aus Krankheitsgründen abgesagt werden. Nun übernimmt Hartmann als neuer Hausherr am Ring das Großprojekt mit Tobias Moretti als Faust und Gert Voss als Mephisto.

An den zwei folgenden Tagen eröffnet auch das Akademietheater glanzvoll: Auf dem Programm steht mit "Der goldene Drache" eine Uraufführung von Roland Schimmelpfennig (5.9.), tags darauf die Österreichische Erstaufführung von "Adam Geist" (6.9., Regie: David Bösch) von Dea Loher, die 2008 zur Dramatikerin des Jahres gekürt wurde. Am 7. September folgt im Kasino die Uraufführung von "Life and Times" des Nature Theatre of Oklahoma, das im Vorjahr den "Young Directors Award" der Salzburger Festspiele erhielt.

Am 9. September steht im Burgtheater "Struwwelpeter", eine "Junk Opera" nach Motiven von Heinrich Hoffmann, in der Regie von Stefan Pucher im Burgtheater auf dem Plan. Birgit Minichmayr kann darin abermals beweisen, dass sie nicht nur spielen, sondern auch singen kann.

Nach dieser offensiven Start-Woche gibt Hartmann der Einblicke in seine bisherigen Arbeiten: Aus Zürich stammen zwei Hartmann-Inszenierungen: Am 19. September feiert Thomas Bernhards "Immanuel Kant" an der Burg Premiere, am 27. September folgt die Zürcher "Amphitryon"-Inszenierung im Akademietheater. Aus Hartmanns Zeit in Bochum stammen "1979" nach Christian Kracht, Becketts "Warten auf Godot" (beide Premieren im November im Burgtheater) und Jon Fosses "Todesvariationen" (Jänner 2010).

Der neue Hausregisseur Alvis Hermanis zeigt im Oktober im Akademietheater die Österreichische Erstaufführung von "Eine Familie" von Tracy Letts. Shakespeare steht abermals am Programm: Den Beginn machen Pucher - ehemaliger Hausregisseur in Zürich - mit "Antonius und Cleopatra" und Jan Bosse mit "Othello" im Dezember.

Im Oktober kommt auch ein barockes Drama, nämlich Alfred de Mussets "Lorenzaccio" auf die Bühne, Regie wird wie auch bei Horvaths "Geschichten aus dem Wienerwald" (Premiere im April 2010) Stefan Bachmann führen.

Im Kasino steht im November die Uraufführung von "Harmonia Caelestis" nach Peter Esterhazy (Regie: David Marton) auf dem Plan. Als "Artist in Residence" bespielen heuer Jan Lauwers & die Needcompany das Burgtheater, "Isabella's Room" ist ab 23. September zu sehen.

Volkstheater:

"So voller Wahnsinn ist die Raserei, die Liebe heißt" lautet das von Shakespeare entlehnte Motto für die Spielzeit 2009/10 im Volkstheater. Mit der Inszenierung der Bühnenversion des Films "Alles über meine Mutter" von Pedro Almodovar setzt Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg auf Erfolgsregisseur Antoine Uitdehaag, der dem Haus in Vergangenheit Inszenierungen wie "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" oder zuletzt Yasmina Rezas "Ein spanisches Stück" bescherte. Premiere ist am 11. September. Mit Woody Allens "Purple Rose Of Cairo" gelangt am 11. Dezember eine weitere Film-Vorlage auf die Bühne.

"Eine Riesen-Hetz" verspricht Direktor Michael Schottenberg mit seiner Nestroy-Insznierung, an der auch Andreas Vitasek mitwirken wird: Premiere der dreiaktigen Posse "Umsonst" ist am 13. November. Mit Molieres "Don Juan" (2. Oktober) widmet sich Regisseur Stephan Müller, der 2008 Goethes "Clavigo" am Volkstheater inszenierte, der Weltliteratur.

Josefstadt/Kammerspiele:

Das Theater in der Josefstadt startet am 17. September mit "Der blaue Engel", für den sich Peter Turrini nicht nur an Heinrich Manns Roman, sondern auch an Josef von Sternbergs Film orientiert hat. Direktor Herbert Föttinger inszeniert diese Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen (dortige Premiere am 19. August), Katharina Straßer spielt die Varietekünstlerin Lola, Erwin Steinhauer den Professor Unrat.

Am 10. September, hat an den Kammerspielen eine weitere Film-Adaption mit prominenter weiblicher Hauptrolle Premiere: Mirjam Weichselbraun spielt die "Sugar" im Musical "Sugar - Manche mögen's heiß" von Peter Stone nach Billy Wilders "Some Like It Hot". Regisseur Werner Sobotka, Choreograph Ramesh Nair und der musikalische Leiter Christian Frank bilden das Leading Team der Produktion.

Henrik Ibsens "Gespenster" stehen ab 22. Oktober in der Regie von Janusz Kica, der heuer im Jänner Peter Turrinis Goldoni-Bearbeitung "Die Wirtin" auf die Bühne brachte, auf dem Programm. Die letzte Premiere des Jahres 2009 in der Josefstadt bildet das Auftragswerk an den für das Drehbuch von "Gefährliche Liebschaften" mit einem Oscar ausgezeichneten Christopher Hampton, der Horvaths "Jugend ohne Gott" bearbeitet hat (Premiere 26. November).

In den Kammerspielen gibt Andre Pohl mit "Komödie im Dunkeln" von Peter Shaffer ab 5. November sein Regiedebüt (es spielen u.a. Oliver Baier, Marianne Nentwich und Andreas Steppan). Auf der neuen Probebühne wird ab 3. Oktober das Zwei-Personen-Stück "Total glücklich" von Silke Hassler (Regie: Anna-Sophie von Gayl) mit Hilde Dalik und Martin Hemmer uraufgeführt.

Rabenhof-Theater:

Im Wiener Rabenhof bildet die Lesung von Thomas Glavinic, der sein neues Buch "Das Leben der Wünsche" am 7. September im Rahmen der Reihe "Literatursalon im Gemeindebau" präsentiert, eines der ersten Highlights. Weiters auf dem Programm stehen im Herbst noch Wolf Biermann mit seinem Gedichtband "Berlin, du deutsche deutsche Frau" (20.9.), Klaus Nüchtern und Tex Rubinowitz mit "ok ist eh ok & Der Bremsenflüsterer" (21.9.), Christian Y. Schmidt ("Briefe von drüben, der China-Crashkurs", 2.10.), David Schalko ("Weiße Nacht", 6.10.) und die Titanic Boygroup (30.10.).

Ab 15. September tritt die neue Puppenregierung mit "Bei Faymann" an und löst damit "Beim Gusenbauer" ab, weiter geht es auch mit Standards wie dem "Big Brother Award" (25.10.) oder der "Langen Nacht der Kolumnisten" (29.11.). Herr Hermes gibt am 16. Oktober mit seiner ersten abendfüllenden Bühnenshow "Die unteren Zehntausend" sein Rabenhof-Debüt.

Das Schauspielhaus Wienpräsentiert sein Programm erst am 24. September.

(APA/Red.)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Edgar Degas: Zwei Tänzerinnen, um 1905
Bühne

Ausstellungs-Herbst: Impressionismus, Boeckl und Munch

Die Albertina zeigt Impessionismus, das Kunsthistorische Museum Karl den Kühnen und das Leopold Museum widmet sich dem "Unheimlichen" mit Edvard Munch.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.