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Francesca Habsburg bleibt – vorerst

Francesca HABSBURG
(c) imago/SKATA (imago stock&people)
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Die Kunstsammlerin konstatiert noch immer überschaubares Interesse von Stadt und Land, will aber in und aus Wien weiter künstlerisch tätig sein – und durchaus politisch.

Es waren harte Worte. „Österreich ist doch nicht meins. Ich bin dort nicht zu Hause“, sagte Francesca Habsburg und kündigte an, eine Übersiedlung ihrer Kunstsammlung und ihres Zentrums vieler kultureller und gesellschaftspolitischer Aktivitäten nach Zürich – oder Venedig – zu prüfen. Das war im November 2015.

Im Frühsommer 2016 klingt Francesca Habsburg anders. „Ja, wir bleiben. Vorerst und mit anderen Ideen, Plänen“, sagt sie im Gespräch mit der „Presse“. Und klingt dabei sehr kämpferisch. Es sind auch die politischen Entwicklungen der vergangenen Wochen, die Habsburg zum Bleiben bewegen: Gerade wenn ein FPÖ-Kandidat bei einer Wahl die Hälfte aller Stimme erreiche, wolle sie das Land nicht verlassen, sondern als kosmopolitisch denkende Europäerin dagegenhalten, vor Ort für Toleranz und Offenheit werben. Dies wird sie in Zukunft noch stärker betonen und in ihrer künstlerischen Arbeit thematisieren: ihre gesellschaftspolitische Verantwortung. Die sieht sie in ihrer klaren Ablehnung von Fremdenfeindlichkeit, ihrem Engagement für Flüchtlinge, vor allem aber in ihrem globalen Kampf gegen Umweltzerstörung, gegen die Verschmutzung und kommerzielle Ausbeutung der Meere sowie den Klimawandel.

Die Entscheidung, im positiven wie negativen Nukleus Europas (Habsburg) zu bleiben, heißt nicht, dass alles eitel Sonnenschein sei. Sie fühle sich in Wien nach wie vor in gewisser Weise „isoliert“, wie sie sagt. Während die Museen mit ihren wechselnden Schauen Publikum und Subventionen lukrieren, bleibe sie als private Kunstsammlerin häufig unberücksichtigt, sagt Habsburg. Andere Großstädte würden dies anders praktizieren, in Wien hätten Bawag und Generali ihre öffentlich zugänglichen Sammlungen schließen müssen. Sie komme sich ein wenig wie die „last woman standing“ vor.

 

„Das ist das Wiener System“

„Vielleicht ist es einfacher, wenn du ein Russe bist und eine Kunstmesse abhalten möchtest; oder ein Chef eines Auktionshauses, das er groß herausbringen will“, meint Habsburg. „Dann gehst du ins Rathaus und kannst um Unterstützung für einige Wochen bitten. Das ist das Wiener System. Für philanthropische Projekte, die nachhaltig einen diskursiven Ansatz verfolgen, gibt es weniger Verständnis.“ Aber: Es habe zuletzt auch mehrere positive Signale gegeben, etwa vom neuen Kulturminister, Thomas Drozda.

Sie stehe natürlich auch weiterhin zu ihrem Juwel im Augarten, das langsam, aber immer besser beim sehr lokalen Publikum ankomme. Aber auch das sei eine Besonderheit Wiens im Vergleich zu anderen Städten: Standorte außerhalb der Innenstadt haben es immer schwerer. Die endgültige Entscheidung hänge auch von der Vertragsverlängerung für den Standort Augarten Ende kommenden Jahres ab, meint Habsburg. „Es wäre sehr schade, wenn die gesamte Aufbauarbeit umsonst gewesen wäre.“

Geradezu faszinierend empfindet sie das Desinteresse an internationalen Aktionen und Tätigkeiten: Als sie vor wenigen Wochen mit ihrer Stiftung Thyssen-Bornemisza Art Contemporary von Österreich unbeachtet in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá im Museo de Arte Moderno die große Schau „Atopia“ über Migration und Raumlosigkeit eröffnete, kam ein paar Tage später und rein zufällig eine große Wirtschafts- und Kulturdelegation mit Bundespräsident Heinz Fischer an der Spitze nach Kolumbien. Meist gestellte Frage im Wiener Idiom an Habsburg, die zum Staatsempfang stieß: „Was machst du hier?“ An eine mögliche Kooperation zwischen den Österreichern und Habsburg hatte offenbar keiner gedacht . . .

Interessanterweise rede in Wien fast jeder in Gesprächen über die Notwendigkeit, auf internationalem Niveau mitzuspielen und dessen wenige Künstler nach Wien zu holen. Nun gelte es, dies endlich wahr zu machen, dafür stelle sie ihre Kontakte gern zur Verfügung, verspricht sie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2016)