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Erneut Station geschlossen

FEATURE: OTTO WAGNER SPITAL
(c) APA (GUENTER R. ARTINGER)
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In der Orthopädie im Otto-Wagner-Spital wurde eine Station geschlossen. Bereits zuvor wurde eine Station in eine Wochenklinik umgewandelt.

Wien. Nach der Schließung der I. Medizinischen Station der Internen Abteilung im Krankenhaus Floridsdorf („Die Presse“ berichtete) ist auch die Orthopädie im Otto-Wagner-Spital von Reduktionen betroffen. Die Station C mit 25 Betten wurde mit Ende Mai komplett geschlossen, die Station D war bereits zuvor in eine Wochenklinik umgewandelt worden – sie ist nur noch unter der Woche geöffnet. Damit ist die bisher zweitgrößte Orthopädie Wiens (nach dem Orthopädisches Spital Speising in Hietzing) mit ursprünglich 120 Betten zur kleinsten geworden und beherbergt an den Wochenenden nur noch 50 und sonst rund 75 Betten.

Da die Orthopädie im Otto-Wagner-Spital konsiliarisch auch für das Wilhelminenspital, das Krankenhaus Hietzing und das Kaiser-Franz-Josef-Spital zuständig ist – also immer wieder Patienten von diesen Spitälern mit speziellen Beschwerden wie etwa Rheuma überwiesen werden –, ist sie ständig überfüllt. Die Folge sind extrem lange Wartezeiten auf Knie- und Hüftoperationen – knapp ein Jahr müssen Patienten beispielsweise auf eine künstliche Hüfte warten.

„Das Kalkül des Krankenanstaltenverbundes ist eindeutig“, meint eine Ärztin, die anonym bleiben will. „Zuerst werden Betten reduziert, dann die Zahl der Ärzte – mit dem Argument, dass für weniger Betten weniger Ärzte benötigt werden. Bereits im Oktober 2015 wurde ein Nachtdienstrad gestrichen.“ Die Stimmung unter der Ärzteschaft sei sehr schlecht, Widerstand gegen die Kürzungen sei bisher nur aus Angst vor Repressalien ausgeblieben. „Hinzu kommt, dass dieses Spiel auch im Orthopädischen Krankenhaus Gersthof gespielt wird“, sagt die Medizinerin. „Auch dort wurden die Betten in den vergangenen Monaten nach und nach von 120 auf rund 75 Betten reduziert, was zu noch längeren Wartezeiten und Versorgungsengpässen führen wird.“

Scharfe Kritik an der Schließung kommt auch von Ingrid Korosec, Gesundheitssprecherin der ÖVP Wien, die von „Chaos pur“ spricht. Sowohl aus Patienten- als auch aus kaufmännischer Sicht seien diese Reduktionen nicht zu verstehen, denn ausbleibende Operationen würden auch zu weniger Einnahmen für das Krankenhaus führen. Der Krankenanstaltenverbund weist die Kritik zurück, es handle sich bei der Schließung nicht um eine Sparmaßnahme, sondern um eine Umstrukturierung. Man werde die OP-Zahlen der vergangenen Jahre halten.

 

Regierung verhandelt Ärzte-Anstellung

 

Am Donnerstag beschäftigte sich die Regierung unterdessen mit der langjährigen Forderung der Ärztekammer, dass Ärzte andere Ärzte anstellen dürfen. Im Rahmen der geplanten Primärversorgung verhandle man mit der Ärztekammer einige Punkte, darunter auch diese Frage, sagte Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) im Nationalrat. Die Verhandlungen über das vom Gesundheitsministerium geplante Gesetz für die neue Primärversorgung ziehen sich. Strittig ist vor allem die Vertragsgestaltung. In der Fragestunde im Plenum gab sich die Ministerin zuversichtlich, dass man demnächst in die härteren Verhandlungen bei der Vertragsgestaltung kommen werde. Es solle einen ärztlichen Gesamtvertrag geben, aber auch Einzelverträge, denn die Anforderungen an ein Primärversorgungszentrum würden regional unterschiedlich sein. (kb)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2016)