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Bawag kündigt Konten aller Sparvereine

Bawag kündigt Konten aller Sparvereine
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Die Bank argumentiert, dass sie nicht über die erforderlichen Daten der Sparvereinsmitglieder verfüge, um alle Meldepflichten erfüllen zu können.

Die Bawag P.S.K. gibt das Geschäft mit Sparvereinen auf. Sie hat dieser Tage die Konten all ihrer 1300 österreichischen Sparvereine per 30. September gekündigt. Bei den Wirten ist die Aufregung groß, bringen doch Sparvereine Gasthäusern guten Mehrumsatz. Die Bawag begründet ihren Schritt mit neuen gesetzlichen Bestimmungen. Andere Banken halten indes an Sparvereinen fest.

Die Bawag bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Kleinen Zeitung" und verwies auf die Novelle des Kontodatenregisters. "Hier müssen bestimmte Daten vom Sparverein und von allen Sparern gemeldet werden. Bei größeren Kapitalabflüssen gibt es ebenso eine Meldepflicht wie auch eine Meldepflichten gemäß dem 'Gemeinsamer Meldestandard Gesetz' (GSMG)."

Die Bank verfüge nicht über die erforderlichen Daten der Sparvereinsmitglieder, um alle Meldepflichten erfüllen zu können. "Die fehlenden Daten müssten erst über die Sparvereinsobleute erhoben werden, was eine Arbeitsbelastung größeren Ausmaßes für diese darstellen würde."

Außerdem zahlt sich das Geschäft mit Sparvereinen für die Bawag nicht mehr aus: "Alleine in den letzten drei Jahren hat sich das in Sparvereinen veranlagte Volumen mehr als halbiert."

Erste Bank und Sparkassen denken nicht an Kündigung

Andere Banken denken nicht daran, ihren Sparvereinen zu kündigen. Bei Erste Bank und Sparkassen ist das kein Thema, sagte ein Sprecher. Auch die Raiffeisenlandesbanken (RLB) Oberösterreich und Steiermark sehen keine Veranlassung, etwas zu ändern. Die Bank Austria unterdessen hat gar kein Geschäft mit Sparvereinen, wie ein Sprecher erklärte.

In Österreich gibt es rund 15.000 Sparvereine. Im Jahr 2014 gab es wegen der strengeren internationalen Geldwäscherichtlinien schon einmal große Aufregung. Alle Sparvereinsmitglieder - mehrere hunderttausend - hätten laut der neuen Regelung identifiziert und legitimiert werden müssen. Weil das wegen des dräuenden bürokratischen Aufwands das Aus für viele Sparvereine bedeutet hätte, wurde eine Sonderregelung eingeführt. Der Sparvereinverordnung zufolge dürfen Mitglieder von Sparvereinen bis zu 1500 Euro im Jahr einzahlen, ohne sich bei der Bank, die den Verein verwaltet, legitimieren zu müssen.

Laut Wirtschaftskammer bringt ein Sparverein mit einer durchschnittlichen Größe von 150 Mitgliedern einem Wirtshaus einen Zusatzumsatz von 35.000 bis 50.000 Euro im Jahr.

(APA)