Englands eben gestartete Premier League ist die umsatzstärkste Liga der Welt. Doch der scheinbare Reichtum der Klubs gefährdet das System. Absteiger fallen regelmäßig in ein finanzielles Loch.
LONDON (ag./mhk). Für die Topmannschaften der englischen Premier League verlief der Liga-Auftakt wie erwartet glatt: Die „Gunners“ von Arsenal London schossen Everton gleich mit 6:1 ab, die dank arabischer Petro-Dollars aufgerüstete Manchester-City-Truppe besiegte Blackburn 2:0. Chelsea hingegen mühte sich gegen Hull zu einem 2:1, während Rapids Europa-League-Gegner Aston Villa gegen Wigan mit Paul Scharner eine 0:2-Heimniederlage kassierte.
Eine längere Anlaufzeit benötigte Meister Manchester United gegen Aufsteiger Birmingham City. Erst nach 34 Minuten erzielte Wayne Rooney das 1:0, die einzige Ausbeute für die überlegenen „Red Devils“.
ManUs Manager Sir Alex Ferguson hatte sich vor dem Spiel Ärger mit italienischen Klubs und möglicherweise mit der Uefa zugezogen. Die Engländer hatten ein juristisches Schlupfloch genutzt und den U16-Kapitän von Fiorentina, Michele Fornasier, und zuvor den 17-jährigen Federico Macheda von Lazio Rom abgeworben. Die Italiener schäumen vor Wut und wollen die Uefa einschalten.
Englands Liga lassen solche Ankündigungen kalt. Denn das Geschäft boomt und die Marketingmaschinerie hinter der Liga arbeitet trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation auf Hochtouren. Die Premier League setzte in der vergangenen Saison 2,2 Milliarden Euro um. Damit hängt sie alle ab: Die spanische Primera Division bringt es auf 1,6 Milliarden Euro, die deutsche Bundesliga auf 1,5, errechnete der Unternehmensberater Deloitte.
Basketball trifft Fußball
Diese Zahlen machten eine andere Sportliga hellhörig, die nordamerikanische Basketballserie NBA. Briten und Amerikaner überlegten bei einem Treffen vor dem Ligastart in England, wie Synergien und die Wachstumspotenziale in Asien und im Nahen Osten optimal zu nutzen sind.
Den europäischen Konkurrenzligen wird das wenig gefallen. Dabei ist hinter den Kulissen der scheinbar heilen englischen Fußballwelt nicht alles eitel Wonne, ist doch die Entwicklung einer Zweiklassengesellschaft in den höchsten Spielklassen des Landes unübersehbar. So schöpft zwar die Premier League rund 1,9 Milliarden Euro an Fernsehgeldern ab, von der zweiten Liga abwärts aber krankt das System. Aufsteiger können ohne Investor in der höchsten Spielklasse kaum überleben, Absteiger fallen regelmäßig in ein finanzielles Loch. Selbst einige Oberhaus-Klubs haben Schulden. Manchester United etwa, oder auch Liverpool.
Unter den Reichsten der Reichen
Dabei ist die Liga in sportlicher Hinsicht überragend, und glaubt man der Deloitte Money Liga, auch in finanzieller Hinsicht top. Sieben der weltweit 20 einkommensstärksten Klubs kommen aus England. Hinter Spitzenreiter Real Madrid mit Einnahmen in Höhe von 365,8 Millionen Euro rangieren Manchester United (324,8 Millionen Euro), Chelsea (268,9), Arsenal (264,4) und Liverpool (210,9) liegen auf den Rängen fünf bis sieben. Unter den Top 20 sind weiters Tottenham, Newcastle und Manchester City gelistet.
Während sich die Klubs zum Teil sehr schwer tun, an Großsponsoren heranzukommen, haben sie auch noch an einer anderen Front zu kämpfen. Die Kartenpreise sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Das wirkt sich auf die Altersstruktur der Zuseher aus: Das Durchschnittsalter der männlichen Fans ist auf über 40 Jahre angestiegen.
England, 1. Runde: Manchester United – Birmingham City 1:0, Aston Villa – Wigan Athletic (Paul Scharner spielte durch) 0:2, Blackburn Rovers – Manchester City 0:2, Bolton Wanderers – Sunderland 0:1, Portsmouth – Fulham 0:1, Stoke City – Burnley 2:0, Wolverhampton Wanderers – West Ham United 0:2, Chelsea FC – Hull City 2:1, Everton – Arsenal 1:6.
Schottland, 1. Runde: Aberdeen – Celtic Glasgow 1:3, HEdinburgh – St. Mirren 2:1, Glasgow Rangers – Falkirk (Robert Olejnik spielte durch) 4:1, Kilmarnock – Hamilton 3:0, St. Johnstone – Motherwell 2:2.
AUF EINEN BLICK
■Englands Premier League ist die umsatzstärkste Fußballliga der Welt. Doch der Reichtum der Klubs, die zum Großteil im Eigentum ausländischer Investoren stehen, birgt auch Risken für das englische Fußballsystem: Aufsteiger können ohne fremdes Kapital in der höchsten Spielklasse kaum überleben, Absteiger fallen regelmäßig in ein finanzielles Loch. Selbst einige Oberhaus-Klubs haben mit Schulden zu kämpfen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2009)