Bootsunglück in Russland: Hektische Suche nach Verantwortlichen

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In der nordwestlichen Seenregion Karelien sind 14 Kinder bei einem Bootsunglück ertrunken. Warum sie sich trotz starken Windes aufs Wasser wagten, ist noch unklar.

Bei gutem Wetter sieht der Sjamosero-See im Nordwesten Russlands idyllisch aus: Dichter Nadelwald umrahmt die Sandstrände, das Wasser glitzert blau. Am Samstag, als sich eine Gruppe bestehend aus 47 Kindern und vier Betreuern zu einem Bootsausflug aufmachte, wehte ein sehr starker Wind. Warum sich die Teilnehmer eines Ferienlagers am späten Nachmittag trotz des schlechten Wetters auf drei Boote wagten, ist eines der Rätsel, das die Tragödie auf dem See in der Teilrepublik Karelien aufgibt.

Denn die Boote gerieten in Seenot und kenterten. Einigen Kinder gelang es trotz starken Windes und des kalten Wassers – etwa 15 Grad Celsius – ans Ufer zu schwimmen und die Rettung zu verständigen. Die Öffentlichkeit erfuhr erst am Sonntag von dem Unglück, als bereits 150 Helfer an der Rettungsaktion teilnahmen. 14 Kinder konnten nur noch tot geborgen werden. 36 Menschen wurden gerettet. Für den Montag hat der Gouverneur Kareliens, Alexander Hudilainen, einen Trauertag ausgerufen.

Am Sonntag suchten die russischen Behörden hektisch nach den Verantwortlichen des Unglücks. Das Katastrophenschutzministerium organisierte eine Live-Schaltung in die Region, die im Fernsehen übertragen wurde. Die geretteten Kinder wurden evakuiert und medizinisch und psychologisch versorgt. Wladimir Markin, Mitarbeiter des russischen Ermittlungskomitees, gab am Montag die Festnahme von insgesamt fünf Verdächtigen, darunter zwei Betreuer, bekannt. Markin sprach von einer „Dummheit der Erwachsenen“, die dazu geführt habe, dass so viele Kinder sterben mussten. Man eruiere, ob die Betreuer überhaupt eine entsprechende pädagogische Ausbildung hätten.

Schwimmwesten für alle?

Unklar ist zudem, ob alle Kinder mit Schwimmwesten ausgestattet waren. Eine Duma-Abgeordnete forderte die Schließung des Lagers, über das es in den vergangenen Jahren laut Berichten lokaler Medien bereits zahlreiche Beschwerden gegeben habe. Die Stadt Moskau kündigte den Hinterbliebenen Entschädigungszahlungen an.

Noch in Erklärungsnot könnte der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin kommen. Denn die Abteilung für Arbeit und sozialen Schutz der Moskauer Stadtregierung hat die Veranstalter des Ferienlagers finanziell unterstützt. Die teilnehmenden Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren sind Waisen oder stammen aus sozial schwachen Familien aus der Hauptstadt. Kinder- und Jugendlager sind in Russland, wo die Sommerferien bereits begonnen haben, traditionell weit verbreitet. Doch immer wieder ist es in der vergangenen Jahren zu Skandalen gekommen, was die Qualität der Betreuung und Unterbringung betrifft. Neben den Betreuern, die die Kinder ins Unglück führten, müssen sich wohl auch die Moskauer Behörden die Frage gefallen lassen, ob sie die Qualität des Veranstalters in ausreichendem Maße überprüft haben.

(red.)

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