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Kroatien: Mesic legt sich mit Kirche an

Mesic
(c) AP (Shizuo Kambayashi)
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Kirche und Staat müssten klarer getrennt werden, forderte der scheidende Staatspräsident. Kruzifixe hätten in öffentlichen Gebäuden, in den Schulen und in der Armee nichts zu suchen.

Zagreb/Belgrad(rath/ros.). Eindringlich läuten die Glocken der Kirche Sturm, immer wieder. Der Priester versucht so, die lichten Reihen der Gläubigen zu füllen. Mit Lautsprechern werden seit Jahren seine Messen über das ganze Dorf verbreitet. Auch Andersgläubige sollen seinen Worten nicht entkommen können. Der „kleine Taliban“, wie die Leute ihn hinter vorgehaltener Hand nennen, will mit aller Macht seine Schäfchen zusammenhalten.

Und mit altbekannten Mechanismen: Ihm ergebene Mitglieder der Gemeinde tragen ihm Informationen über die Kritiker zu. Und diese Informationen werden in den Predigten aufgegriffen. Wer nicht nach seiner Pfeife tanzt, wird angeklagt. Was in diesem dalmatinischen Dorf im Kleinen passiert, beklagte der scheidende Staatspräsident Stipe Mesic kürzlich für die gesamtstaatlichen Ebene: Kirche und Staat müssten klarer getrennt werden, forderte er. Kruzifixe hätten in öffentlichen Gebäuden, in den Schulen und in der Armee nichts zu suchen, denn dort gebe es nicht nur Katholiken, sondern auch Andersgläubige und Atheisten. Zudem fließe zu viel Staatsgeld in den Bau von Kirchen. Womit er einen Sturm der Entrüstung bei den Katholiken auslöste.

Die Initiative erinnere ihn an Maßnahmen Stalins, erregt sich der Theologe Adalbert Rebi?: „Das Kreuz ist nicht nur ein religiöses Symbol, sondern ein Symbol der westlichen Kultur.“ Natürlich sei Kroatien ein weltlicher Staat, doch das könne nicht bedeuten, dass man die Kruzifixe aus den Büros entfernen müsse, sagt Andrija Hebrang, Präsidentschaftskandidat der konservativen HDZ. Schließlich seien Land und Armee im Krieg der 90er-Jahre ja im Zeichen des Kreuzes geschaffen worden: „Das Kreuz half mir und allen kroatischen Brüdern, den Vaterländischen Krieg erfolgreich zu beenden.“

 

Warnung vor „Talibanisierung“

Mit den nationalistisch angehauchten Kreisen lebt Mesi? ohnehin auf Kriegsfuß: Acht verurteilten Kriegsverbrechern hat er im Juli die von seinem Vorgänger Tudjman vergebenen Orden aberkannt und alle Kriegsverbrechen an der serbischen Minderheit verurteilt. Mesi? sei ein „Volksverräter“, schreibt „Glas Koncila“, das Blatt der Erzdiözese. Der Gescholtene schießt ohne staatsmännische Zurückhaltung zurück: Offenbar strebten manche Kirchenkreise die „Talibanisierung“ Kroatiens und die Herrschaft der Geistlichkeit über den Staat an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2009)