Leichtathletik: Diskuswerfer als Lichtblick

(c) GEPA (Wolfgang Grebien)
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Mit 62,53 Metern schaffte Gerhard Mayer als Elfter bei der WM in Berlin gerade noch den Finaleinzug. Er träumt vom „optimalen Wurf“, der ÖLV-Verband hofft.

BERLIN/WIEN. Nur ein Quartett vertritt Österreich bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin. Sprinter Ryan Moseley wurde von einem Krampf gestoppt, Speerwerferin Elisabeth Pauer spielten die Nerven einen Streich und schon drohte dem Leichtathletik-Verband erneut eine Abfuhr bei einem Großereignis. Doch seit Dienstag darf sich Österreich immerhin über einen Finalteilnehmer freuen. Der Franzensdorfer Gerhard Mayer zog mit 62,53 Metern in die Runde der Top zwölf (heute, 20.10 Uhr, ARD) ein. Wer weiß, vielleicht geht heute auch dem Zehnkämpfer Roland Schwarzl der Knopf auf?

In der Weltspitze

Von den Medaillenrängen – Bestweite erzielte der Deutsche Robert Harting mit 66,81 Metern – trennen Mayer knapp vier Meter, aber eine Topplatzierung ist nicht unmöglich. Im Mai dieses Jahres warf er, Österreichs erster Diskuswerfer bei einer WM, seine Scheibe bereits auf 65,06 Meter.

Schon nach dem ersten von drei Versuchen zeigte der Sieger der Universiade 2007 allen im Berliner Olympiastadion seine Faust. Der vom ehemaligen Speerwerfer Gregor Högler betreute Athlet hatte seine Mission und sich damit seinen Traum erfüllt – das Finale. Es war der Lohn der harten, konsequenten Aufbauarbeit, die er mit Högler seit 2001 betreibt. Mayer ist am ersten, großen Ziel seiner Karriere angelangt. „Das ist das Größte, ich bin in der Weltspitze. Ich wusste, dass es für mich möglich ist. Jetzt brauche ich noch einen optimalen Wurf.“

Ansporn für den Nachwuchs

Seit dem Karriereende von 800-Meter-Läuferin Steffi Graf (2003) schaffte es kein ÖLV-Athlet mehr, sich bei einem Großereignis durchzusetzen oder für einen Endlauf zu qualifizieren. Verständlich, dass der Verband und Generalsekretär Roland Gusenbauer aufatmen konnten. Es ist ein „Achtungserfolg, ein weiterer Ansporn für den Nachwuchs“, sagt Gusenbauer, der betont wissen wollte, dass das Berlin-Team durchaus größer hätte sein können. Doch Weidlinger, Mayr und Zeller sind verletzt oder verpassten die Limits. Über den Disput mit Sprinterin Bettina Müller-Weissina (36) verlor Gusenbauer fast kein Wort, sie war trotz erbrachten Limits nicht nach Berlin entsandt worden. „Mit 11,90 Sekunden über 100 Meter? Das geht nicht.“

Für Gusenbauer ist Mayer ein Lichtblick in Österreichs Leichtathletik, im Finale habe er nichts mehr zu verlieren. „Es ist eine Sensation. Alles, was jetzt noch kommt, ist ein Gewinn.“ Und der zuvor erwähnte „wichtige Antrieb“ für Youngsters wie Lukas Weißheidinger (Diskus, Kugel), Thomas Postl (Stab) oder 200-Meter-Läufer Christian Scherübl, die beim „European Youth Olympic Festival“ im Juli im finnischen Tampere Medaillen gewonnen hatten. Gusenbauer: „Die Leichtathletik ist in Österreich eine ausgereizte Sportart. Ein paar Jahre hast wen, ein paar Jahre hast niemanden.“ Mit Gerhard Mayer habe der ÖLV zumindest bereits wieder einen Athleten, der den Anschluss an die Weltspitze geschafft hat.

Kaum Zeit fürs Privatleben

Dabei war auch der Weg des Maschinenbauingenieurs kein leichter. Mit seinem Trainer arbeitet er 24 Stunden pro Woche, viel Zeit fürs Privatleben bleibe da neben seinem Beruf nicht. Auch finanzielle Mittel müsste der vom Heeressport unterstützte Diskuswerfer gezielt investieren. Högler weiß, was sein Schützling nun bei der WM in Berlin vollbracht hat. „Er hat sich mental und auch am Gerät sehr verbessert. Jetzt soll er das Finale einfach nur genießen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2009)

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