Die jüngsten positiven Konjunktursignale sind ohne Zweifel erfreulich, aber wirklich noch kein Grund für übertriebene Euphorie.
Ein kauziger Kollege pflegte auf die Frage „Wie geht's?“ konsequent mit „Schlecht, aber gleichmäßig“ zu antworten. Und das ist eine wirklich gute Beschreibung des derzeitigen Zustands der Konjunktur: Der fürchterliche globale Absturz ist durch den Einsatz von sehr viel Staatsgeld jetzt überraschend zum Stillstand gekommen, aber die Stabilisierung ist nicht nachhaltig. Im Gegenteil: Die Vorziehkäufe durch die staatlichen „Schrottprämien“ beispielsweise, die Autoindustrie und Zulieferer vor dem Schlimmsten bewahrt haben, könnten sehr bald ein umso größeres Auftragsloch nach sich ziehen.
Die Euphorie, die jetzt allerorten ausbricht, wenn die Auftragslage nach einem 20- oder 30-prozentigen Absturz wieder um ein paar Zehntelprozent anzieht, ist verständlich, aber nicht ganz berechtigt. Da kommt noch etwas, die Krise ist noch lange nicht überstanden.
Wenigstens wissen wir jetzt aber, dass staatliche Notankurbelungsprogramme halbwegs greifen, es gibt also Lichtblicke. Die wirkliche Nagelprobe kommt aber erst, wenn es darum geht, nach der Krise die Billionen Dollar, Euro und Yen, die ohne jegliche wirtschaftliche „Deckung“ zwecks Krisenbekämpfung „gedruckt“ wurden (manche nennen das auch „staatlich legitimiertes Falschgeld“), wieder aus dem Wirtschaftskreislauf zu bekommen.
Erst wenn das gelingt – woran so manche nicht grundlos zweifeln –, ist die Wirtschaftskrise wirklich ausgestanden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2009)