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Patienten als leichtes Opfer für Diebe

Durch die unübersichtliche und schwer kontrollierbare Zahl an Personen fallen Diebe in Spitälern kaum auf.
Durch die unübersichtliche und schwer kontrollierbare Zahl an Personen fallen Diebe in Spitälern kaum auf.Bruckberger / Die Presse
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Serie Krankenhäuser in Wien werden immer wieder von Serientätern heimgesucht, die die Anonymität in den Stationen nutzen und vor allem älteren Patienten Geld und Schmuck stehlen.

Wien. Er schlug so oft zu, dass er unter den Patienten der betroffenen Spitäler schon als „Weißhemd“ bekannt war. 42 Diebstähle wurden dem 44-jährigen Arbeitslosen zur Last gelegt, als er vor Kurzem verhaftet wurde. Stets gut gekleidet mit weißem Hemd gab er sich über Monate hinweg in diversen Krankenhäusern in insgesamt sieben Wiener Bezirken als Hausarbeiter aus und zog den Leuten unbemerkt Geld aus der Tasche oder nahm ihre Geldbörsen mit.

Dabei nutzte er sehr geschickt die für Diebe „günstige“ Situation in Spitälern, um an seine Beute zu gelangen – schließlich fallen bei der unübersichtlichen und schwer kontrollierbaren Zahl an Besuchern fremde Personen den Ärzten und Pflegern kaum auf und können sich während der großzügigen Besuchszeiten, die zumeist zwischen zehn und 20 Uhr gelten, relativ frei bewegen.

Zudem müssen die Patienten wegen Untersuchungen und Behandlungen oft ihre Zimmer verlassen und lassen ihre Wertsachen zurück. Im vergangenen Jahr wurde einer 54-jährigen Wienerin sogar während einer Operation ihre Geldtasche und eine Goldkette aus dem Nachtkästchen gestohlen. Dieben ist darüber hinaus das Phänomen bekannt, dass vor allem ältere Menschen ihr Bargeld – oft sehr große Summen – oder ihren wertvollen Schmuck, den sie zu Hause bunkern, bei Krankenhausaufenthalten mitnehmen. Vor allem bei Notfällen, wenn alles schnell gehen muss.

Für Aufsehen sorgte zuletzt ein Fall in Deutschland, als eine 90-jährige Patientin 143.000 Euro in Briefumschlägen in ihrer Handtasche mithatte. Das Pflegepersonal bekam das aber mit und benachrichtigte ihre Bank, die einen Geldtransporter schickte. Nicht zuletzt ist auch die Aufklärungsquote bei Diebstählen in Spitälern nicht besonders hoch, was für Diebe eine weitere Motivation darstellt.

Genaue Zahlen über diese Delikte gibt es aber nicht, da sie von der Polizei nicht gesondert erhoben werden und auch der Krankenanstaltenverbund (KAV) bzw. das AKH keine Informationen darüber sammelt. Somit ist auch nicht zu eruieren, ob sie in den vergangenen Jahren zu- oder abgenommen haben – den Beschwerden der Patienten zufolge dürften sie in etwa gleich geblieben sein.

Immer wieder Serientäter

Auch Gerhard Klein von der Kriminalprävention Wien schätzt, dass die Zahl der Diebstähle in den vergangenen zehn Jahren, wenn überhaupt, dann nur leicht zugenommen hat. Bemerkenswert sei aber, dass in Spitälern immer wieder Serientäter beobachtet werden, die es neben den Geldbörsen und Schmuck auf Handys und Tablets abgesehen hätten. Die Polizei schule das Personal daher regelmäßig – dessen wichtigste Aufgabe sei es, fremde Personen anzusprechen und beispielsweise zu fragen, ob man ihnen helfen könne. Denn dadurch signalisiere man ihnen, dass man sie registriert habe – was den Effekt haben kann, dass ein potenzieller Dieb aus Angst davor, wiedererkannt zu werden, von seinem Vorhaben absieht.

Absperrbarer Kasten

Dem KAV zufolge werden jedenfalls grundsätzlich alle Patienten und Besucher über Aushänge in den Häusern sowie ein Informationsblatt bei der Aufnahme darüber aufgeklärt, Wertgegenstände und viel Bargeld nicht im Spital aufzubewahren. Auch wichtige Dokumente sollten in einer Kassa (entweder in den Stationen oder im hauseigenen Safe) und nicht im Nachtkästchen deponiert werden.

„Abgesehen davon werden die Patienten so gut wie möglich auch mündlich immer wieder auf die Gefahr von drohenden Diebstählen hingewiesen“, heißt es aus dem KAV und dem AKH. In den meisten Spitälern befinde sich in jedem Schrank ein absperrbarer Teil. Wird darüber hinaus ein großer Safe zur Unterbringung mehrerer Unterlagen und Schmuckstücke gewünscht, können die Patienten darum ansuchen. Sie haben dabei jederzeit die Möglichkeit, das Depot zu öffnen bzw. wieder aufzulösen. Diese Optionen würden den Patienten beim Aufnahmegespräch mitgeteilt und auch empfohlen.

 

AUF EINEN BLICK

Diebe. Genaue Zahlen über Diebstähle in Krankenhäusern gibt es nicht, da sie von der Polizei nicht gesondert erhoben werden. Somit ist auch nicht zu eruieren, ob sie in den vergangenen Jahren zugenommen haben – den Beschwerden der Patienten zufolge dürften sie gleich geblieben oder leicht gestiegen sein. Grundsätzlich bieten Spitäler Dieben wegen der unübersichtlichen Zahl an Besuchern „günstige“ Gelegenheiten, um an ihre Beute zu gelangen. Gestohlen werden zumeist Geld und Schmuck.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21. Juni 2016)