Der Opel-Mutterkonzern General Motors wird heute voraussichtlich entscheiden, ob der Autozulieferer Magna oder der Finanzinvestor RHJ den Zuschlag erhält.
In dem monatelangen Ringen um die Zukunft von Opel könnte heute Freitag eine Vorentscheidung fallen. Der Verwaltungsrat des bisherigen Mutterkonzerns General Motors (GM) will sich voraussichtlich festlegen, wer den Zuschlag erhält. Im Rennen sind der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna und der Finanzinvestor RHJ.
"Nach den letzten Gesprächen läuft es auf Magna hinaus", sagte eine mit der Situation vertraute Person am Freitag zu Reuters. Ein anderer Insider sagte, es gebe "zarte Anzeichen", dass GM sich für Magna entscheiden könnte. Eine dritte Person betonte, die Entscheidung hänge auch vom Verlauf des Treffens ab.
Es ist allerdings unklar, wann im Laufe des Tages eine Entscheidung bei General Motors in den USA fallen könnte und ob sie öffentlich mitgeteilt wird. Das letzte Wort hat dann die Opel Treuhand, in der Bund, Länder und GM sitzen.
Die deutsche Regierung fordert von GM, mehr Auflagen zu erfüllen. Der US-Autokonzern soll sich stärker an künftigen Risiken des neuen Opel-Unternehmens beteiligen und sich keine Hintertüren für einen späteren Zugriff auf "New Opel" offenhalten können.
Bund und Länder versuchten zuletzt, die Position ihres Favoriten Magna weiter zu verbessern. Deutschland zeigte sich bereit, den staatlich garantierten Kredit für Magna von 4,5 Milliarden Euro vorerst alleine zu stemmen - ohne Beteiligung der anderen europäischen Opel-Länder.
Britische Regierung warnt vor politischer Entscheidung
Die britische Regierung mahnte unterdessen zu einer Entscheidung nach objektiven Kriterien. Diese müsse "die langfristige Lebensfähigkeit sowohl von Opel als auch von Vauxhall in Großbritannien sicherstellen", erklärte Wirtschaftsminister Peter Mandelson in der Nacht auf Freitag. Die Entscheidung "sollte nicht durch politische Erwägungen in irgendeinem Land verzerrt werden", forderte er. Vauxhall mit seinen 5.000 Beschäftigten im Vereinigten Königreich ist die britische Schwestermarke der früheren GM-Tochter Opel.
Hatte das GM-Management zunächst RHJI bevorzugt, wird nun - auch wegen des politischen Drucks aus Deutschland - eine Entscheidung für Magna wahrscheinlicher. Bereits am Donnerstag gab es in den USA ein erneutes Spitzentreffen von General Motors und Magna. Dabei wollten GM-Vorstandschef Fritz Henderson, Magna-Vizechef Siegfried Wolf und erstmals auch der Vorstandschef der russischen Sberbank, German Gref, offene Fragen klären. Die Sberbank ist Partner im Magna-Konsortium.
Die GM-Manager bevorzugten bisher RHJI, weil der Investor eine enge Zusammenarbeit von Opel mit der Ex-Konzernmutter plant und ein späterer Rückverkauf an GM möglich wäre. Bund, Länder und die Opel-Belegschaft wünschen sich Magna als Opel-Käufer, weil der Autozulieferer weniger Stellen in Deutschland abbauen will und ein industrielles Konzept für Opel hat.
"General Motors kann ohne Opel nicht leben"
Ein zentraler Knackpunkt bleibt: Wie will Magna Opel von der ungeliebten Ex-Mutter General Motors abtrennen? GM muss auf Gedeih und Verderb bei "New Opel" dabeibleiben, weil der Konzern im Tagesgeschäft sehr eng mit Opel verbunden und auf die Deutschen angewiesen ist. "General Motors kann ohne Opel nicht leben", lautet das Fazit einer Studie des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer.
Denn die Rüsselsheimer entwickeln für GM alle mittelgroßen Autos. Nur Opel habe das Know-how für die Produktion sparsamer Modelle - und auf die ist GM dringend angewiesen, um auf dem hartumkämpften Markt zu bestehen. Bestes Beispiel: Das GM-Hoffnungsauto, der Chevrolet Volt mit Elektroantrieb, wurde maßgeblich von deutschen Ingenieuren entwickelt.
In Verhandlungskreisen wird gewarnt, trotz der massiven Unterstützung der deutschen Bundesregierung für Magna sei eine Zustimmung des GM-Verwaltungsrates kein Selbstläufer.
(Ag.)