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Premier League: EU-Fußballer brauchten eine Arbeitserlaubnis

SOCCER - PL, Leicester vs Everton
ÖFB-Spieler Christian Fuchs (Leicester City)(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Ch. Kelemen)
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Europas beste Fußballliga bangt im Brexit-Fall um ihre Stars – sie brauchten mehr Länderspiele.

London. David Beckham gilt in England als Role Model. Und wenn sich der Superstar offen für etwas deklariert, hat es sowohl einen hohen Preis als auch einen Hintergedanken. Die Sport- und Werbe-Ikone richtete einen flammenden Appell an seine Landsleute, er plädiert gegen Großbritanniens EU-Austritt. Die Folgen für das Mutterland des Fußballs, sollten sich beim heutigen Referendum die EU-Gegner durchsetzen, wären gravierend.

1. Welche Folgen hätte ein Brexit für den Spielbetrieb in englischen Fußballligen?

Spieler mit EU-Pass dürfen bisher ohne Einschränkung für jeden Verein aus dem Vereinigten Königreich arbeiten. Dies wäre bei einem Austritt nicht mehr der Fall. ÖFB-Spieler wie Christian Fuchs (Leicester City) würden wie Akteure aus einem Nicht-EU-Staat behandelt – und brauchten eine Arbeitserlaubnis. Die richtet sich nach der Weltranglistenposition des Nationalteams – und Länderspieleinsätzen. Ein Fußballer aus einer Top-Ten-Nation muss 30 Prozent aller möglichen Partien der vergangenen zwei Jahre bestritten haben. Fuchs hätte kein Problem, die Deutschen Emre Can (Liverpool) oder Robert Huth (Leicester) sehr wohl.

2. Wie viele Profis wären davon betroffen – verliert die Premier League viele Stars?

Vergangene Saison hätte eine große Zahl an Spielern aus EU-Ländern keine Arbeitserlaubnis erhalten, berichtet der „Telegraph“. Er kommt auf 95. Die BBC rechnet mit 100, in den obersten beiden Ligen Englands und Schottlands seien insgesamt 332 Spieler betroffen. Das Innenministerium dürfte aber die Bestimmungen erleichtern. Auch in den USA erhalten Sportprofis problemlos jederzeit die Green Card, sobald der Vertrag unterschrieben ist und der Klub für ihn bürgt.

In der Premier League sind mit Christian Fuchs, Sebastian Prödl (Watford), Marko Arnautović (Stoke) und Kevin Wimmer (Tottenham) vier ÖFB-Spieler engagiert.

3. Spielen England, Wales, Nordirland und Schottland weiterhin im Europacup?

Ja. Über die Chance zur Teilnahme an diesen Wettbewerben entscheidet einzig und allein die Mitgliedschaft in der Fußball-Union Uefa. Auch bei der EM und bei WM-Qualifikationen drohen keine Ausnahmen.

4. Wie äußern sich Englands Spieler bei
der EM in Frankreich zu diesem Thema?

Der Brexit sei nur bei einem Abendessen Thema im EM-Quartier gewesen, sagt Ryan Bertrand. Seine Präferenz verriet der Außenverteidiger nicht, es warb kein englischer Nationalspieler offen für eine Seite. Der Verband organisierte für alle Spieler und Trainer die Briefwahl.

5. Veränderten Englands, Nordirlands und Wales Einzug ins EM-Achtelfinale die EU-Haltung?

Möglich. Allerdings ist das Scheitern englischer Fußballer ein Eckpfeiler der Sportkultur. Den einzigen Titel gewann England 1966 bei der WM im eigenen Land – dank eines umstrittenen Lattenpendlers. (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2016)