Die Familie verkauft die Traditionskette nach 80 Jahren an arabischen Konzern. Die Marken Steigenberger sowie InterCityHotel und die 81 Steigenberger-Hotels sind vor allem im deutschsprachigen Raum etabliert.
Frankfurt/Wien (ag/cim). Es ist das Ende eines Traditionsunternehmens in Familienhand: Nach fast 80 Jahren gibt Familie Steigenberger ihr Hotelimperium an einen ägyptischen Investor ab. Die Marken Steigenberger sowie InterCityHotel und die 81 Steigenberger-Hotels sind vor allem im deutschsprachigen Raum etabliert und gehen nun an die Travco-Gruppe, einen der größten Touristikkonzerne im arabischen Raum.
Zu den Gründen für den Verkauf teilt die Familie mit, dass man die geplante internationale Expansion nur mit einem Partner umsetzen könne. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass bei einigen Steigenberger-Häusern in den kommenden Jahren hohe Investitionen fällig werden. Außerdem ist der Umsatz von Luxushotels im Zuge der Krise massiv gesunken. „Der Verkauf ist der Familie schwer gefallen, es ist schließlich das Erbe, es wurde lange nachgedacht“, sagte eine Sprecherin. Drei Hotels in Frankfurt und in der Schweiz bleiben im Besitz der Familie.
Schon im Herbst 2008 wurden Gerüchte laut, dass die Steigenbergers einen Verkauf überlegen. Damals hieß es, man sei mit der Ertragskraft unzufrieden. Schließlich hat die Steigenberger AG 2007 einen Umsatz von 484 Mio. Euro verbucht (2008 waren es 494,9 Mio. Euro), konnte aber nur einen Jahresüberschuss von 200.000 Euro erzielen. Als möglicher Käufer galt damals die US-Hotelkette Marriott. Bisher hat die Familie konkrete Pläne stets zurückgewiesen.
Ägypter will Global Player werden
Der Kairoer Unternehmer Hamed El Chiaty, Chef des neuen Eigentümers Travco, setzt mit den Steigenberger-Häusern einen Fuß in den deutschsprachigen Markt. Mit den neuen Hotels wolle er sich als „Global Player in der Touristik- und Hotelindustrie“ positionieren, so der Ägypter, zu dessen Konzern etwa 43 Hotels im Nahen Osten und 22 Kreuzfahrtschiffe gehören.
Für die Steigenbergers ist der Verkauf eine Zäsur. Schließlich geht die Geschichte der gleichnamigen Hotels bis ins Jahr 1930 zurück, als Albert Steigenberger mit dem „Europäischen Hof“ in Baden-Baden den Grundstein für den Konzern legte. 1958 übernahm Sohn Egon Steigenberger die Kette aus mittlerweile acht Hotels und setzte die Expansion fort: Mit Animationsprogrammen, Sport- und Gesundheitsschwerpunkten setzte er in den 1970er-Jahren auf Ideen, die heute zum internationalen Standard gehören.
Zuletzt standen vier Frauen an der Spitze des Hotelimperiums. Anne-Marie Steigenberger, der Witwe Egon Steigenbergers, sowie ihren drei Töchtern gehörten bis vergangenen Donnerstag 99,6 Prozent der Hotelkette (der Rest ist in Streubesitz). Diese besteht mittlerweile aus 50 Steigenberger-Luxushotels und 31 InterCity-Mittelklasse-Herbergen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, den Niederlanden und Ägypten.
Wie viel den vier Erbinnen nun der Verkauf des Familienunternehmens eingebracht hat, darüber wurde Stillschweigen vereinbart.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2009)