Leichtathletik: Jeder Schritt bringt Bolt 3902 Dollar

(c) EPA (Rainer Jensen)
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Usain Bolt ist mit 23 Jahren bereits eine Legende. Die WM-Erfolge bescheren dem Sprintstar aus Jamaika aber nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch viel, viel Geld. Er scheffelt Millionen.

BERLIN (mal). Aufgewachsen ist Usain Bolt in Sherwood Content. Das Dorf liegt im Nordwesten Jamaikas. Die Straßen sind schlecht, fließendes Wasser gibt es, allerdings nicht 24 Stunden am Tag. Bolts Eltern leben immer noch dort und betreiben einen Lebensmittelladen. Trotz all der Millionen, die ihr Sohn mittlerweile dank seiner unglaublichen Leistungen angehäuft hat: Drei Mal olympisches Gold in Weltrekordzeit 2008 in Peking. Zwei Mal WM-Gold in Weltrekordzeit diese Woche in Berlin.

Usain Bolt wohnt seit seinem 15. Lebensjahr in Kingston. Sein Manager Norman Peart hatte das Talent ob der besseren Trainingsbedingungen damals in die Hauptstadt der Karibikinsel geholt und so den Grundstein für eine unglaubliche Karriere gelegt. Seit etwa sieben Jahren gibt es eine weitere Konstante in Bolts Leben: Puma. 2003 nahm der deutsche Sportartikelhersteller den Nobody unter Vertrag. Auf Jugend- und Juniorenebene hatte Bolt mit WM-Gold über 200 Meter allerdings schon sein Können aufblitzen lassen. Also griff Puma zu. Dass der Konzern einmal den schnellsten Mann der Welt auf der Gehaltsliste stehen haben würde, konnten die Verantwortlichen zu diesem Zeitpunkt höchstens träumen. „Damals waren seine Persönlichkeit und er als Mensch der Grund, warum wir ihn so früh unter Vertrag genommen haben. Usain passte super zu Puma als Marke, und wir haben ein Riesentalent in ihm gesehen“, sagte Vorstandschef Jochen Zeitz in der vergangenen Woche zur Tageszeitung „Die Welt“.

Mehr als eine Million Euro soll sich Puma Bolts Gehalt jährlich kosten lassen. Eine „günstige Investition“ im Vergleich zum Werbewert des Superstars der Leichtathletik. Im Alleingang hat er mit seiner coolen, lässigen Art die Sprintdisziplinen von Verbissenheit und ständigen Dopingdebatten (vorerst) befreit. Und sein Sponsor profitiert nicht nur vom positiven Imagewandel. Allein bei den Olympischen Spielen verdankte Puma, nach Angaben von Zeitz, Bolt „einen Mediawert von 250 Millionen Euro“. Also jenen Wert, den der Konzern in klassische Werbung investieren hätte müssen, um eine vergleichbare Medienpräsenz zu erreichen. Bolts 100-Meter-Triumph im Berliner Olympiastadion bezifferte Zeitz mit einem Wert von 80 Millionen Euro für sein Unternehmen. Die Tendenz ist nach Sieg und Weltrekord über 200 Meter und vor der 4x100-Meter-Staffel heute Abend stark steigend.

Neben Sponsorgeldern freut sich Bolt auch über Erfolgsprämien. Der Internationalen Leichtathletikverband lässt in Berlin für jede Goldmedaille 60.000 Dollar, für jeden Weltrekord 100.000 Dollar springen. Das heißt für Usain Bolt: Jeder seiner 41 Schritte im 100-Meter-Finale war 3902 Dollar wert. Die offiziellen IAAF-Prämien vom Endlauf über 200 Meter dazugerechnet, hat der seit gestern, Freitag, 23-jährige Jamaikaner in fünf Tagen 320.000 Dollar verdient.

250.000 Dollar pro Start

Zu guter Letzt wird der Verdienst des Großverdieners auch noch durch „Startgelder“ mächtig aufgefettet. Nach Peking mussten Meetingveranstalter zwischen 200.000 und 250.000 Dollar bezahlen, um Bolt auf ihrer Bahn laufen zu sehen. Nach seinen WM-Erfolgen dürfte sich dieser Betrag noch in der laufenden Saison um 50.000 Dollar erhöhen.

Geht es nach dem Schweizer Boulevardblatt „Blick“, bekommt der Superstar für seinen Start beim „Weltklasse Zürich“ in knapp zwei Wochen 200.000 Dollar überwiesen. 15.000 ist ein Sieg wert, für einen neuerlichen Weltrekord würde Bolt mit einem Extrabonus von 50.000 Dollar und einem Kilo Gold belohnt werden.

Über Geld hingegen spricht Usain Bolt nie. Er erzählt lieber, dass er sich nach getaner Arbeit mit Fast Food stärkt. Oder in schnellen Autos seine Runden dreht. So wie im April 2009. Da zerlegte er in seiner Heimat einen 70.000 Euro teuren BMW M3. Bolt wird es nicht weiter stören, allein dank seiner in Berlin erlaufenen Prämien kann er sich vier neue Boliden leisten.

Gestern, an seinem Geburtstag, hatte die lukrative Rekordjagd vorerst Pause. „Ich werde lange schlafen, das ist alles, was ich tun will“, sagte Bolt nach seinem 200-Meter-Sieg gelassen. Und entsprach damit dem coolen, von Puma so geförderten Image.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2009)

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