Wie gut wäre Österreichs Sport, wenn er politisch und finanziell unabhängig wäre? Der Wirbel rund um Österreichs Olympisches Komitee zeigt, dass das System in Wahrheit schlecht ist. Es gibt zu viele Verbände und Funktionäre, aber zu wenige Topathleten.
Dass Sportfunktionäre in Österreich gerne streiten und mit allen Mitteln ihre Pfründe verteidigen, ist ein altbekanntes Spiel. Es ist ein politisches Roulette mit Intrigen und Debatten um staatliche Finanzierungsmodelle oder die korrekte Verwendung diverser Sponsorgelder. Auch persönliche Abrechnungen werden vorangetrieben, auf der Strecke bleiben in dem von Bürokratie und Eitelkeit geprägten System zumeist die Sportler.
Aufgrund der anhaltenden Diskussionen rund um das Österreichische Olympische Komitee und den zurückgetretenen Generalsekretär Heinz Jungwirth – er zahlte seine Abfertigung nicht zurück – erhält man den Eindruck, dass Österreichs Sport vorwiegend aus Funktionären besteht. Von großen sportlichen Erfolgen bis auf Mirna Jukics Bronzemedaille bei der WM in Rom war zuletzt ja keine Spur. Das nährt den Verdacht, dass Österreich zu wenige Topathleten, aber zu viele Verbände, Dachorganisationen, Präsidenten und Vorstandsmitglieder hat.
Wie gut wäre Österreichs Sport, wenn er finanziell und politisch unabhängig wäre? Was würde passieren, wenn man das verrostete System der Ehrenamtlichkeit in Vorstandsetagen durch ein von wirtschaftlichen, erfolgsorientierten Prinzipien geprägtes Modell ersetzt?
Man könnte doch – ähnlich wie in Deutschland – alle Bundessport-Organisationen unter einem Dach vereinen und mit nur einem verantwortlichen, von tatsächlichen Sportexperten unterstützten Geschäftsführer besetzen, der eine Olympiade lang dem Sportminister von seinen Aktivitäten „berichten“ muss. Alle Förder- und Sponsorgelder wären schnell an einer Stelle gebündelt, Geldflüsse transparent und Finanzierungen oder Bewerbungen für Großereignisse von persönlichen Interessen, der kultivierten „Freunderlwirtschaft“ unter Funktionären, befreit. Ist die Arbeit erfolgreich, profitiert der Sport. Gibt es Probleme oder bleiben Fortschritte und Medaillen aus, wird der Geschäftsführer neu bestellt und sämtliche Athletenförderungen werden eingestellt.
Es sind nicht Einzelpersonen und deren Motive, die Österreichs Sport Probleme bereiten. In Wahrheit ist es das System, das nach einer Strukturreform samt passender Personalentscheidung schreit.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2009)