Leichtathletik-WM: One-Man-Show

Bolt
Bolt(c) REUTERS (KAI PFAFFENBACH)
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Die Leichtathletik-WM in Berlin hinterlässt viele Eindrücke, die vor allem von den Rekorden des Jamaikaners Usain Bolt geprägt sind. Aber auch von Flops, Fixgrößen, Überraschungen und zwei Dopingfällen.

Die WM in Berlin löste dringend benötigte Impulse in der Leichtathletik aus. In Zeiten, in denen vorwiegend über Doping und die Machenschaften schleimiger Manager berichtet wird, sorgten Sportler und ihre Geschichten dafür, dass zumindest neun Tage lang wieder Leistung, Sport und Spaß im Vordergrund standen. „Die Presse am Sonntag“ blickt zurück auf ein Event, das Sportfans, sofern sie es im TV oder vor Ort sehen konnten, lange in Erinnerung bleiben wird.
Superstar. Es gab nur einen, den Jamaikaner Usain Bolt. Dieser Status ist aber auch der Art und Weise geschuldet, in der der 23-Jährige den Weltrekord im 100-Meter-Sprint verbesserte. Jetzt steht die Bestmarke bei unfassbaren 9,58 Sekunden. Für 200 Meter benötigte er 19,19 Sekunden – für die Leichtathletikszene ist das mehr als nur ein Quantensprung.


Flop. Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa fiel buchstäblich aus allen Wolken. Die zweifache Olympiasiegerin, zweifache Weltmeisterin und Weltrekordlerin verabschiedete sich ohne gültigen Versuch. Die 27-Jährige stieg bei 4,75 Meter ein und riss beim ersten Versuch. Lächelnd verzichtete sie auf weitere Versuche und scheiterte an 4,80 Metern. Zur Erinnerung: In Peking 2008 dominierte sie nach Belieben und gewann mit 5,05 Metern.


Fixgröße. In Berlin sicherte sich der Äthiopier Kenenisa Bekele zum vierten Mal in Serie den Titel über 10.000 Meter. In 26:46,31 Minuten schaffte er es sogar in der schnellsten jemals bei einer WM gelaufenen Zeit. Bekele hat nach zwei Olympiasiegen und nunmehr vier WM-Triumphen genauso viele Titel über diese Distanz gewonnen wie Laufikone Haile Gebrselassie. Bolt bräuchte im Optimalfall also noch sechs Jahre, um über 100 Meter eine ähnliche Erfolgsserie hinzulegen.

Auch die Amerikanerin Allyson Felix zählt zu den Fixgrößen. Sie sicherte sich nach Helsinki 2005 und Osaka 2007 in Berlin zum dritten Mal en suite WM-Gold über 200 Meter.


Österreich. Diskuswerfer Gerhard Mayer sorgte mit Platz acht (63,17 Meter) für das Highlight aus österreichischer Sicht. Es war die erste Finalteilnahme eines ÖLV-Athleten bei einer WM seit der 800-Meter-Läuferin Steffi Graf 2001 (Edmonton). Ryan Moseley, Roland Schwarzl (Muskelfaserriss) und Elisabeth Pauer aber erfüllten die Erwartungen bei Weitem nicht.
Fernsehen. Fernsehbilder der WM gingen in 190 Länder und erreichten rund vier Milliarden Zuschauer. Österreich war auf ARD oder Eurosport angewiesen, denn der ORF übertrug auf Sport Plus zeitgleich historische Formel-1-GP. Während das ZDF bei Bolts 100-m-Weltrekord sieben Millionen Seher registrierte, herrschte hierzulande aufgrund fehlender Gelder und Sendezeiten, so ORF-Sprecher Pius Strobl, öffentlich-rechtliche Mattscheibe.


Doping. Die Kritik, dass Kontrollen in Russland, Jamaika und Afrika Wunschdenken sind, begleitete die Wettkämpfe in Berlin. Entwarnung konnte aber bezüglich des 100-Meter-Finales gegeben werden: Beim Endlauf waren alle Starter sauber. In Summe wurden 1000 Tests, darunter 600 Blutproben, analysiert und zwei Sportler ertappt: Der Marokkaner Jamal Chatbi und die Nigerianerin Ogoegbunam.


Sextest. Wie aus dem Nichts tauchte Caster Semenya in der Weltspitze auf und krönte sich mit Jahresweltbestleistung von 1:55,45 Minuten zur Weltmeisterin über 800 Meter. Kurz vor dem Finale wurde allerdings bekannt, dass sich die 18-jährige Südafrikanerin einem Geschlechtstest unterziehen musste. Ist Semenya wirklich eine Frau? Gerüchten zufolge soll sie/er ein Zwitter sein. Das Testergebnis soll erst in einigen Wochen vorliegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2009)

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