Leberwurst, der Tomatensaft des Frühstücksbuffets

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Streichwurst aus kleinen Packungen schmiert man sich doch auch nur in Hotelbuffets auf das Gebäck.

Sie gehört zu den mittlerweile zu Tode diskutierten Mysterien der Menschheit, die Frage, warum Menschen in Flugzeugen Tomatensaft trinken, obwohl sie das mit echtem Boden unter den Füßen nie machen würden. Darum walzen wir das nicht weiter aus, sondern widmen uns dem viel weniger beachteten Phänomen der Leberstreichwurst. Die taucht nämlich regelmäßig in kleinen Packungen auf Frühstücksbuffets von Hotels auf. Nur dort. Kein Mensch isst so etwas daheim. (Sie, der Sie jetzt „Ich schon“ schreien, mögen sich bitte den Aufkleber mit „statistischer Ausreißer“ stolz an die Brust heften.) Darum ist die Streichwurst auch so magisch, wenn sie da liegt in diesen süßen Plastiktiegeln. Wurst scheibchenweise auf das Brot legen kann man daheim auch, hier streicht man sich den fleischigen Inhalt einer dieser Puppenhauspackungen fast schon spielerisch auf das Gebäck – shine on you, crazy Leberwurst.

So aufregend kann eine schnöde Extrawurst nie sein. Und doch lässt sich über diese scheinbar unspektakuläre Wurstsorte viel erzählen. Dass sie etwa in Deutschland nur als Redensart für einen Sonderwunsch existiert. Hat die Extrawurst einen höheren Anteil an Muskelfleisch und weniger Speck, darf sie sich Pariser Wurst nennen. Abgefüllt in kleine Würste spricht man von Knackwurst. In Italien gilt die Brühwurst unter dem Namen Mortadella als Spezialität. Die Franzosen kennen sie als Lyoner, nennen sie allerdings Cervelas. Und in Finnland wird sie lauantai makkara genannt, was so viel heißt wie Samstagswurst. So viel spannende Information muss man zur Leberwurst erst einmal finden. Und dann ist da noch der spielerische Aspekt – mehrere verschiedene Varianten von Extrawurst blind verkosten und schauen, ob man den Unterschied erkennt. Eine Extrawurst-Challenge ist sogar noch aufregender als Leberwurst. Die letzten Abenteuer der Menschheit.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2016)