Die „bezaubernde Jeannie“ Barbara Eden feiert am Sonntag ihren 75. Geburtstag. Nach dem Welterfolg lief es für die Mimin privat wie beruflich eher schlecht.
In der Musikbranche nennt man das Phänomen „one hit wonder“. Mit einem Song gelingt der ganz große Durchbruch. Alles, was danach folgt, wird daran gemessen – und reicht nie wieder an den einen Hit heran.
So ähnlich war das auch mir Barbara Edens Karriere als Schauspielerin. Seit den 1950er-Jahren steht Eden bis heute in diversen TV-Filmen und -Serien vor der Kamera, bisweilen sogar mit nicht ganz unbekannten Stars wie Elvis Presley. Aber mit welcher Rolle wird die Schauspielerin bis ins Pensionsalter hinein – Eden feierte gestern, Sonntag, ihren 75. Geburtstag – immer noch verbunden? Genau. Mit dem Part des charmant-chaotischen Flaschengeists in der US-Serie „Bezaubernde Jeannie“, mit der sie – ebenso wie Ko-Star Larry Hagman als NASA-Astronaut Tony Nelson – im Jahr 1965 über Nacht weltberühmt wurde.
Eden wird dank „Jeannie“ zum (braven) Sexsymbol – im prüden Amerika der 1960er-Jahre freilich darf sie als Flaschengeist trotz orientalischen Kostüms nicht einmal ihren Bauchnabel zeigen. Eden ziert zig Magazincover. „Jeannie“ kommt als Barbiepuppe auf den Markt, das Merchandising läuft erfolgreich, die Quoten ebenso – in Deutschland erreicht die Serie Ende der 60er, als sie erstmals hier läuft, einen Marktanteil von 50 Prozent. Nach fünf Jahren und 139 Folgen stellt NBC die Serie dennoch ein. Und Edens Stern verblasst – im Unterschied zu Hagmans Karriere, der später in „Dallas“ als J.R. Ewing seine eigentliche Paraderolle findet – ziemlich schnell. Depressionen sind die Folge.
Überhaupt liest sich das Leben der heute 75-Jährigen wie das Drehbuch eines Hollywood-Dramas, mit einigen Höhe- und ziemlich vielen Tiefpunkten. 1934 in Arizona geboren, zieht Eden früh nach Kalifornien, wo sie als Pinup-Girl (ja, so hieß das früher) arbeitet und zur Miss San Francisco gewählt wird. Dann zieht sie weiter nach Los Angeles, um dort Schauspielunterricht zu nehmen – und auf die große Hollywood-Karriere zu warten. Weil die – abgesehen von einigen Theaterauftritten – auf sich warten lässt, heuert Eden in einem Nachtclub an, wo sie – klassischer Fall von „American dream“ – von einem Filmproduzenten entdeckt wird. Der verschafft ihr Gastauftritte in heute längst vergessenen US-Serien. 1961 bekommt sie ihre erste große Rolle an der Seite von Elvis Presley in „Flammender Stern“. Wenig später wird sie schließlich für „I dream of Jeannie“ (so der Originaltitel) engagiert – da war sie gerade zum ersten Mal schwanger. Die ersten Folgen wurden daher sehr rasch gedreht, um einen Flaschengeist mit Babybauch zu vermeiden.
Nach dem „Jeannie“-Aus hat es Eden auch privat nicht leicht. 1971 verliert sie ihr zweites Kind, als sie im siebenten Monat schwanger ist. Zwei Ehen scheitern – und 2001 stirbt ihr Sohn Matthew nach einer Überdosis Drogen.
Beruflich bleibt Eden aktiv, steht fast ständig für TV-Serien und -Filme vor der Kamera, große Erfolge bleiben aber aus. Mehrere Versuche, den „Jeannie“-Kult wiederzubeleben, floppen – wohl auch, weil Hagman dank „Dallas“ nicht zur Verfügung steht. Auch im Alter von 75 Jahren ist Eden immer noch eine Getriebene: Heuer hat sie bereits den TV-Film „Always and Forever“ abgedreht, der im Oktober in den USA zu sehen sein wird.
ZUR PERSOn
■Barbara Eden wurde am 23. August 1934 geboren. In einem Nachtclub in L.A. wurde die frühere Miss San Francisco von einem Filmproduzenten entdeckt, es folgten Serienauftritte und einige Filme wie „Flammender Stern“ (1961) an der Seite von Elvis Presley, ehe sie 1965 mit „Bezaubernde Jeannie“ weltberühmt wurde.
Nach 139 Folgen wurde die Serie 1970 eingestellt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2009)