Wien: Neues kriminelles Phänomen Home Invasion

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

In der Bundeshauptstadt ist es heuer zum mittlerweile dritten Raubüberfall in einem Eigenheim in Döbling gekommen. Von den Tätern fehlt jede Spur.

Wien. Die Polizei spricht von einem neuen Phänomen in der Stadt. Und wohl auch die Bewohner denken bei dieser Form der Kriminalität zuerst eher an Film und Fernsehen als an etwas Reales. Die Rede ist vom sogenannten Home Invasion, also einem Raubüberfall in Eigenheimen, bei dem die Täter ihre Opfer fesseln, um diese dann in aller Ruhe auzurauben.

Freitagabend kam es in Wien Döbling erneut zu einem solchen Vorfall. Drei maskierte Täter drangen in eine Villa ein, fesselten das Ehepaar und durchsuchten danach das ganze Haus („Die Presse“ berichtete). Mindestens zwei der drei Männer waren mit Pistolen bewaffnet. Nachdem die Täter mit ihrer Beute den Tatort verlassen hatten, konnten sich die Opfer – ein Ehepaar Mitte 50 – selbst befreien und die Polizei alarmieren.

Der Überfall erinnert an zwei ähnliche Vorfälle, die sich im Februar und März ebenfalls in teuren Wohngegenden im Bezirk Döbling ereigneten. „Die Ermittlungen laufen. Einen Zusammenhang zwischen den Fällen können wir weder bestätigen noch ausschließen“, sagt dazu Polizeisprecher Patrick Maierhofer. Es gab zwar eine ähnliche Vorgangsweise, aber Unterschiede in der Ausführung. So gingen die Täter bei dem Überfall im Februar wesentlich brutaler vor als beim aktuellen Fall und auch bei jenem im März. In allen drei Fällen handelte es sich um drei Täter. Bei dem Überfall in März sprachen die Täter allerdings laut Opfer akzentfrei Deutsch, während im Februar ein Opfer, das die Sprache selbst ein wenig beherrscht, auch albanische Wörter bei den Tätern ausmachte.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich um sehr gut organisierte Tätergruppen handelt. Maierhofer rät deshalb dazu, in den betroffenen Gegenden verdächtige Dinge sofort zu melden – „lieber einmal zu viel die Polizei rufen als zu wenig“. Hinzu kommt, dass das Auftauchen der Polizei auch stark präventiv wirke. Er rät auch zu Notalarmsystemen, mit denen ein stiller Alarm ausgelöst werden kann.

Ob die Zahl solcher Vorfälle gestiegen ist, kann Maierhofer nicht beantworten. „Wir haben dazu gar keine Zahlen. Das Delikt fällt unter schweren Raub, das wird nicht gesondert ausgewiesen.“ Ihm sei aber in den vergangenen Jahren so etwas in Wien nicht untergekommen. „In Wien ist das eine relativ neue Form der Kriminalität. In den Bundesländern gibt es das schon länger“, so Maierhofer. (ks/APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2016)