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"Kümmert euch um Behinderte"

(c) Clemens Fabry
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Kluft bei Arbeitslosenrate wird immer größer: Behindertenanwalt Buchinger startet Weckruf für mehr Geld und Hilfe durch das AMS.

Wien. Frauen, Ältere, Junge, Langzeitarbeitslose, Migranten: Für diese Bevölkerungsgruppen gibt es vom Arbeitsmarktservice (AMS) Schwerpunkte und spezielle Zielvorgaben, um diese Menschen zurück ins Berufsleben zu bringen. Bei Behinderten ist das nicht der Fall. Dabei steigt die Arbeitslosenrate bei behinderten Menschen bereits im siebten Jahr in Folge stärker als die allgemeine Arbeitslosenrate. Generell nahm sie von 2014 auf 2015 um 9,9 Prozent zu, bei Menschen mit Einschränkungen bei der Vermittlung als Folge gesundheitlicher Beeinträchtigungen betrug der Zuwachs 15,7 Prozent.

Bundesbehindertenanwalt Ex-Sozialminister Erwin Buchinger nahm diese Entwicklung am Dienstag zum Anlass, Politik wie Sozialpartner wachzurütteln. Es müsse mehr Geld für diese Bevölkerungsgruppe bereitgestellt werden, notfalls durch Umschichtungen im AMS-Budget. Darüber hinaus müssten die Mittel für das Service des Sozialministeriums für Behinderte von 170 Millionen Euro – die Summe ist seit Jahren eingefroren – erhöht werden. Ein Weg wäre, die Ausgleichstaxe zu verdrei- oder vervierfachen, die derzeit Firmen pro Behinderten zahlen müssen, den sie nicht einstellen. Es sollte aber eine empfindliche Erhöhung der Taxe sein, eine moderate „bringt gar nichts“.

 

Universitäten sind säumig

Zu den negativen Beispielen gehören auch Universitäten und Fachhochschulen. Diese müssten an sich rund 1000 Menschen mehr mit Behinderung einstellen, zahlen aber ebenfalls lieber die Ausgleichstaxe.

Insgesamt haben sich im Vorjahr 1411 Menschen mit Beschwerden an den Behindertenanwalt gewandt (plus sieben Prozent). Wenn es nach Buchinger ginge, sollten es noch mehr sein, weil das Nichthinnehmen einer Diskriminierung ein Zeichen von steigendem Selbstbewusstsein sei. (ett)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2016)