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"Es menschelt": Weiter Kritik an Kompensationsprüfung

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ARCHIVBILD/THEMENBILD(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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Die Forderung nach teilzentraler Matura findet Direktorensprecher Zillner "besorgniserregend". "Die ganze zivilisierte Welt hat zentrale Prüfungen."

Wie die Lehrervertreter ist AHS-Direktorensprecher Wilhelm Zillner nicht ganz glücklich damit, dass ein Nicht Genügend bei der schriftlichen Zentralmatura bei einer mündlichen Kompensationsprüfung ausgebessert werden kann. Bei dieser Form der Prüfung "verliert man ein wenig die Objektivität, weil es menschelt". Dem Vorwurf, dass hier die Ergebnisse einer stundenlangen standardisierten Prüfung völlig auf den Kopf gestellt würden, müsse man sich auf jeden Fall widmen. Eine mögliche Lösung wäre eine Umstellung auf eine schriftliche Kompensationsprüfung.

Gleichzeitig nimmt Zillner Bildungsministerium und BIFIE in Schutz: Es sei nie deren Idee gewesen, dass Fünfer aus den Klausuren mündlich ausgebessert werden können. "Das ist genau von jenen Playern eingebracht worden, die jetzt so schimpfen."

Die Kompensationsprüfung ist der Nachfolger der früheren zusätzlichen Prüfung bei der mündlichen Matura, mit der man sich einen schriftlichen Fünfer ausbessern konnte. Sie wird an einem Extratermin abgelegt und, obwohl sie zur schriftlichen Matura gehört und die Fragen zentral vorgegeben sind, mündlich durchgeführt.

Für viele Maturanten waren die Kompensationsprüfungen dieses Jahr der Rettungsanker. Im Schnitt besserten sich in Mathematik zwei Drittel der negativen Maturanten in diesen Prüfungen Anfang Juni ihren Fünfer aus, in Englisch gelang das etwas mehr als der Hälfte, in Deutsch mehr als 80 Prozent. Die Erfolgsquoten waren je nach Bundesland sehr unterschiedlich, was zu heftiger Kritik führte.

In ganz Europa zentrale Prüfungen

Mit völligem Unverständnis hat Zillner allerdings auf die Forderung von Schülern, Eltern und Lehrern nach einer Umstellung der Reifeprüfung auf eine teilzentrale Matura reagiert. "Ich halte es für besorgniserregend, dass es in ganz Europa zentrale Abschlussprüfungen gibt und wir in Österreich halten das für unmöglich", so Zillner.

Das derzeitige System, bei dem die Klausuraufgaben zentral vom BIFIE erstellt werden, müsse sich erst einspielen. Es gebe sicher noch Nachbesserungsbedarf, "aber der Weg, der hier gewählt wurde, ist grundsätzlich sicher nicht falsch. Die ganze zivilisierte Welt hat zentrale Abschlussprüfungen." Die Schulpartner hatten zuletzt wegen der großen Streuung bei den Ergebnissen ihre Forderung wiederholt, dass nur noch Grundkompetenten zentral abgeprüft werden und der Rest der Fragen wie früher von den Klassenlehrern kommen soll.

Vorstellbar ist für Zillner hingegen, in die Maturanote auch die Leistungen des letzten Schuljahrs einfließen zu lassen, wie das etwa Bildungswissenschafter Stefan Hopmann von der Uni Wien angeregt hat. "Aber auch das stellt eine zentrale Aufgabenstellung für alle nicht infrage." Auch eine Korrektur durch externe Prüfer statt wie derzeit den Klassenlehrer wäre für ihn denkbar - allerdings wäre der Aufwand damit noch einmal höher.

Ungleichheiten machen stutzig

Mit genereller Kritik an der heurigen Prüfung hält Zillner sich zurück. Stutzig mache ihn allerdings, dass in Mathematik in mehr als hundert AHS-Klassen kein einziges Nicht Genügend geschrieben wurde und in über hundert Klassen mehr als die Hälfte der Schüler negativ waren. An seiner Schule hätten sogar zwei Klassen, die von derselben Lehrerin unterrichtet wurden, bei der Zentralmatura sehr unterschiedlich abgeschnitten. Nun müsse man die Gründe solcher Ungleichheiten herausfinden und versuchen, individuell mit den handelnden Personen am jeweiligen Standort eine Lösung zu finden.

(APA/red.)