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Die Hofburg – größer als gedacht

Teil der Ausstellung „GeschichtenOrt Hofburg“: Bis 1858 war die Innere Stadt mit einer Bastei abgeriegelt.
Teil der Ausstellung „GeschichtenOrt Hofburg“: Bis 1858 war die Innere Stadt mit einer Bastei abgeriegelt.feld72/Rebecca Sparr
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Die Schau „GeschichtenOrt Hofburg“ vermisst mit Installationen im öffentlichen Raum den historischen Schauplatz Hofburg. Und zeigt, dass diese bis zum Museumsquartier reicht.

Wien. Die Hofburg verbindet man heute wohl in erster Linie mit einer etwaigen Wiederholung der Stichwahl, vielleicht noch mit einer Tapetentür und ganz generell mit dem Amt des Bundespräsidenten. Dem einen oder anderen fällt noch die Neue Burg ein, die unter anderem die Nationalbibliothek beheimatet. Auch der Heldenplatz mag so manchen noch in den Sinn kommen. Dann ist aber wohl Schluss mit den Assoziationen.

Das Kunsthistorische Museum würde wohl niemand, genauso wenig wie das Naturhistorische Museum, als zur Hofburg zugehörig empfinden, ganz zu schweigen vom Museumsquartier. Das ist für viele fixer Bestandteil des siebten Bezirks und nicht der Innenstadt.

 

Türkische Spuren“, Heldenplatz
Türkische Spuren“, Heldenplatzfeld72 Architekten / Bueronardin

Rossballett und Turniere

Eine Ausstellung im öffentlichen Raum, die heute startet, möchte das aber ändern. „Man nimmt die Hofburg heute so nicht wahr, aber historisch ist das ein zusammenhängendes Areal, bis hin zum Museumsquartier, wo ja früher die Hofstallungen untergebracht waren“, sagt Maria Welzig. Die Kunsthistorikerin hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Ingrid Holzschuh die Ausstellung „GeschichtenOrt Hofburg“ kuratiert. Ab heute (bis 26. Oktober) sind Installationen an 20 Plätzen in dem Areal – zwischen Albertina und Volksgarten sowie Michaelerplatz bis Museumsquartier – zu sehen. Jede Station wurde mit Sitzgelegenheiten und Schautafeln ausgestattet, die die Geschichte des Ortes aufgreifen. Dabei geht es weniger um Vollständigkeit als um Aspekte, die in Vergessenheit geraten sind. Zum Beispiel, dass 1848 im Volksgarten-Café (die heutige Disco) der Erste Wiener Demokratische Frauen-Verein gegründet wurde.

Bis ins 13. Jahrhundert reicht die Geschichte der Hofburg zurück, die sich in den Jahrhunderten stets gewandelt hat. Im 18. Jahrhundert sind erst die Hofstallungen dazugekommen, 1824 folgte der Volksgarten. Dort, wo heute die Nationalbibliothek, aber auch die beiden Museen stehen, war einst die Grünfläche des Glacis. Erst mit dem Abbruch der Wiener Stadtmauer im Jahr 1858 hat sich das Areal zu dem entwickelt, was wir heute kennen. Während die Stadt mit dem Bau der Ringstraße beauftragt wurde, wollte der Kaiser mit der Erweiterung der Hofburg, etwa durch den Bau der Neuen Burg, ein Zeichen setzen. Der von ihm beauftragte Gottfried Semper hatte übrigens einen zweiten Flügel vis-à-vis der heutigen Nationalbibliothek angedacht, der aber nie gebaut wurde.
Die ältesten Anekdoten der Ausstellung reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück und thematisieren das Hofburg-Areal als Ort für Turniere, ein Rossballett (anlässlich der Vermählung Kaiser Leopolds mit seiner Nichte Margarita Teresa) und kaiserliche Schlittenfahrten. Die Installation mit der jüngsten Geschichte stammt aus der Jetztzeit und dreht sich um die Aneignung Jugendlicher des Maria-Theresien-Platzes. Die treffen sich heute nämlich gerne Zwidemu – zwischen den Museen.

 

Collage „Zugang zur Stadt“, Heldenplatz
Collage „Zugang zur Stadt“, Heldenplatzfeld72 Architekten / Bueronardin

Warten auf Genehmigungen

Die Kuratorinnen haben auch andere Parallelen zur Jetztzeit gefunden. „Die Identität der Stadt wurde stark von Auseinandersetzung mit den Osmanen geprägt. Am heutigen Volksgarten und Heldenplatz wurden bei beiden Türkenbelagerungen Kämpfe ausgetragen“, so Welzig. Allerdings hat sie bei ihrer Recherche auch festgestellt, dass „die Türkengefahr, als sie schon längst vorbei war, für politische Zwecke missbraucht wurde“.

Dass das Hofburg-Areal nicht nur ein wichtiger Ort der Geschichte des Landes ist, sondern manchmal dessen Eigenheiten widerspiegelt, zeigt eine Anekdote aus der Vorbereitung der Ausstellung. Da die Gebäude und Flächen Eigentum des Bundes sind, die Straßen und Wege allerdings der Stadt Wien gehören, hat so manche Genehmigung etwas länger gedauert.

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