Porr: Kapitalerhöhung samt neuem Investor

(c) APA (Hans Klaus Techt)
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Der österreichische Baukonzern will mit türkischem Partner in Märkte wie Libyen vorrücken. Dieser Deal geschieht im Rahmen einer „strategischen Partnerschaft“.

Wien (ker). Seit Jahren hat der börsenotierte Baukonzern Porr versucht, seine Kapitaldecke zu stärken. Die Bemühungen waren aber stets an der Uneinigkeit der Großaktionäre gescheitert. Zu den größten Anteileignern zählen die Bank Austria und der Tiroler Unternehmer Klaus Ortner.

Nach der jüngsten Hauptversammlung hat Porr aber nun das Plazet bekommen, eine Kapitalerhöhung durchführen zu dürfen. Sie wird daher knapp 660.000 junge Stammaktien ausgeben. Der maximale Bezugspreis liegt bei 160 Euro. Der endgültige Preis wird aber erst Mitte September feststehen. Gäbe Porr die Aktien zum Kurs von zuletzt 138 Euro aus, würden dem Unternehmen brutto 91 Mio. Euro zufließen.

„Im besten Fall werden wir unsere Eigenkapitalquote um fast fünf Prozentpunkte auf 24 Prozent erhöhen“, prognostiziert Porr-Finanzchef Rudolf Krumpeck vor Journalisten.

Die jungen Papiere sind aber nicht für „außenstehende“ Anleger gedacht. Den Altaktionären wird der Bezug der neuen Papiere im Verhältnis von 3:1 Aktien angeboten. Die Anteile jener, die das Angebot nicht annehmen – dazu zählt wohl die Wiener Städtische–, stehen dem türkischen Bauunternehmen Renaissance Group zur Verfügung. Es wird damit gerechnet, dass sich die Renaissance bis zu zehn Prozent sichern wird.

Dieser Deal geschieht im Rahmen einer „strategischen Partnerschaft“. Porr und Renaissance gründen nämlich eine Tochtergesellschaft, an der beide Unternehmen zu je 50 Prozent beteiligt werden.

Hoffnungsmarkt Libyen

Die Renaissance-Gruppe mit Sitz in Ankara ist hauptsächlich im Hochbau tätig und beschäftigt 12.000 Mitarbeiter. Sie ist, gemessen am Umsatz, die zweitgrößte Baugesellschaft in der Türkei. Porr will die türkische Gesellschaft als Türöffner für fremde Märkte nutzen.

Dazu zählt etwa Libyen. Die öffentliche Hand des Mittelmeerstaates wird in den nächsten Jahren massiv in die Infrastruktur investieren. Die Renaissance-Gruppe ist in Libyen bereits aktiv, braucht für ihre Projekte aber wiederum das Know-how der Porr. „Durch unseren Partner werden die Kosten für den Markteintritt deutlich geringer ausfallen“, sagt Porr-Chef Wolfgang Hesoun.

Laut Angaben des Porr-Chefs bewerben sich bereits beide Unternehmen für ein Eisenbahnprojekt in Libyen. „Wir werden sicher nicht den gesamten Auftrag bekommen, wollen aber ein Stück von diesem Riesenkuchen“, so Hesoun.

Für die Zeit nach den Konjunkturpaketen

Porr und Renaissance wollen gemeinsam in zwei Jahren Aufträge im Wert von 500 Mio. Euro lukrieren. Nicht nur in Libyen, auch in Saudiarabien oder Bahrain.

Die Österreicher denken bereits an die Zeit nach der Krise. Denn die staatlichen Infrastrukturprojekte würden irgendwann auslaufen, „daher wollen wir gerüstet sein“, so Hesoun.

AUF EINEN BLICK

Der Baukonzern Porr holt sich über die Börse frisches Geld und einen strategischen Partner aus der Türkei.

Gemeinsam mit dem türkischen Bauunternehmen Renaissance Group will Porr auf bisher fremden Märkten aktiv werden. Dazu zählen Länder wie Libyen, Saudiarabien oder Bahrain.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2009)

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