Strache: Exiljude ist "jedenfalls kein Schimpfwort"

Das Politinterview der ORF-"Sommergespräche" mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache führte die Sommergespräche diesmal mit Ingrid Thurnher und Monika Weinzettl
ORF/Milenko Badzic.

FP-Chef Strache will Aufregung um FPÖ-Rhetorik nicht verstehen. Egger habe nur herausgestrichen, dass man sich "ständige Kritik von außerhalb" verbiete.

WIEN/MARGARETHEN (red). Exiljude? Für ihn „jedenfalls kein Schimpfwort“: FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache stärkte im ORF-Sommergespräch mit der Kabarettistin Monika Weinzettl und Moderatorin Ingrid Thurnher im Steinbruch in St. Margarethen seinem Vorarlberger Parteikollegen Dieter Egger – dieser hatte den Direktor des jüdischen Museums in Hohenems als „Exiljuden aus Amerika“ bezeichnet – demonstrativ den Rücken. Egger habe nur herausgestrichen, dass man sich „ständige Kritik von außerhalb“ an der FPÖ-Kampagne verbiete.

Der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) habe mit der Ankündigung, nicht mehr mit der FPÖ koalieren zu wollen, jedenfalls „überreagiert“, sagte Strache. Egger habe für seine Aussage keine parteiinternen Konsequzenzen zu erwarten. Generell verstehe er die Aufregung über die Rhetorik der FPÖ nicht: Man könne darüber streiten, dass manche Begrifflichkeiten hart seien, aber: Das, was er er sage, dazu stehe er, „und das meine ich auch so“, sagte Strache. Dennoch, mit Extremismus will Strache nichts zu tun haben: Die FPÖ sei „eine demokratische Partei und lehnen jedweden Extremismus, gleich ob er von links oder von rechts kommt, kategorisch ab“.

Der Unterschied zu den anderen Parteien? Dass er „Authentizität lebe“ und jene politischen Realitäten anspreche, die andere „nicht ansprechen, weil sie zu feig sind“. So auch bei der Zuwanderung, bei der der FPÖ-Chef vor allem Altbekanntes wiederholte: Straffällig gewordenen Neo-Österreichern solle die Staatsbürgerschaft wieder aberkannt werden, staatliche Sozialleistungen hingegen müsse man an ebendiese koppeln. Auch gegen Minarette und Muezzins sprach er sich erneut aus.

Heftige Kritik übte Strache aber nicht nur an „Massenzuwanderung“, dem Bankenpaket und der Sozialpolitik der Bundesregierung. Auch gegen Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) zog der FPÖ-Chef – mit Blick auf die 2010 anstehende Wiener Gemeinderatswahl – in die Schlacht.

„Junge bleiben auf der Strecke“

Vor allem in Wien sei „sozialistisch das Gegenteil von sozial“, Menschen würden „sozialpolitisch im Stich gelassen“, sagte Strache und verwies auf „dramatische Entwicklungen“: „Wir haben eine Million Österreicher, die an der Armutsgrenze leben.“ Gerade junge Leute blieben auf der Strecke.
Derer will sich Strache übrigens besonders annehmen – deshalb auch seine Auftritte in Diskotheken. Bei diesen gehe es „nicht um mein Image“, meinte Strache. Vielmehr habe er Kommunikationsmethoden gefunden, für die ihn seine politischen Mitbewerber „beneiden“. Denn die würden von Jungen meist gar nicht mehr „ernst genommen“.