Schwerer Unfall von Kwjat beim Qualifying in Spielberg

FORMEL 1-GP VON OeSTERREICH: TRAINING
APA/GEORG HOCHMUTH

Der Russe krachte gegen die Leitplanken, konnte sich aber ohne gröbere Verletzungen befreien. Zuvor hatte es bereits einen rätselhaften Unfall von Nico Rosberg gegeben.

Der russische Formel-1-Pilot Daniil Kwjat hatte im Qualifying zum Großen Preis von Österreich einen schweren Unfall. Bei dem Toro-Rosso-Fahrer brach am Samstag in der letzten Kurve beim Überfahren der neuen Randsteine die Aufhängung seines rechten Hinterrades, daraufhin drehte sich der Russe in hoher Geschwindigkeit und zerstörte beim Einschlagen in die Leitplanken den Frontpart des Autos. Kwjat konnte ohne gröbere Verletzung selbst aus seinem rauchend Wagen aussteigen. Das Qualifying wurde danach kurz vor Ende des ersten Teiles gestoppt, nach rund einer Viertelstunde aber wieder aufgenommen.

Schon zuvor hat ein Unfall von Nico Rosberg nach Materialbruch am Samstag für Unruhe gesorgt. Am Mercedes des deutschen WM-Führenden brach nach Kurve zwei das linke Hinterrad ab, das Auto wurde beim folgenden Crash ziemlich beschädigt. Bestzeit erzielte Sebastian Vettel, der im Ferrari die absolute Runden-Bestmarke auf 1:07,098 Min. drückte.

Am Freitag hatte sintflutartiger Regen vor dem Grand Prix von Österreich für turbulente Szenen gesorgt und waren heftige Diskussionen wegen der überhöhten neuen Randsteine aufgekommen. Der Red Bull Ring ist wegen der bevorstehenden Motorrad-WM nicht nur neu asphaltiert und "geglättet" worden, man musste deshalb für die Formel 1 auch zusätzliche "Kerbs" anbringen, um die Autos in den Kurven am Verlassen der Strecke zu hindern.

Das hatte Max Verstappen am Freitag schon zwei Frontflügel gekostet und ebenfalls zu einem Defekt an einer Radaufhängung geführt. Dennoch hatte man in Spielberg von einer Demontage der erhöhten Randsteine Abstand genommen.

Pilot bliebt unverletzt

20 Minuten vor Ende des dritten und letzten Trainings crashte Rosberg dann am Samstag beim Versuch eine schnelle Runde abzuspulen. Das kaputte Auto musste an die Box geschleppt werden, der Pilot blieb unverletzt. Im ersten Sektor hatte er davor Bestzeit markiert.

Schnell wurde aber klar, dass das Mercedes-Problem offenbar hausgemacht ist. Schon am Vortag waren beim dominierenden WM-Team extrem hohe Belastungen auf den Aufhängungen registriert worden, wie Motorsportchef Toto Wolff erklärt hatte. Am Samstag stellte Team-Aufsichtsrat Niki Lauda rasch klar, dass der obere Querlenker ("Wishbone") offenbar bei normaler Randstein-Belastung gebrochen sei.

Ob Rosbergs Auto rechtzeitig bis zum Qualifying um 14.00 Uhr repariert werden konnte, war vorerst offen. Fix ist hingegen, dass der Deutsche am Sonntag in der Startaufstellung fünf Plätze nach hinten muss, weil an seinem Auto das gesamte Heck und damit auch das an der Hinterachse hängende Getriebe gewechselt werden muss. Rosberg hat beide Rennen im Aichfeld seit dem Comeback 2014 gewonnen, aber war hier noch nie auf der Pole gestanden.

"Irgendetwas stimmt nicht"

"Das Ganze beunruhigt natürlich", rätselte zunächst auch Wolff. Auffallend war auch, dass die Mercedes bei noch höheren Streckentemperaturen an intensiver Blasenbildung der Hinterreifen litten. Lewis Hamilton beklagte sich über Funk über den Zustand seiner Pneus und verlangte eine zusätzliche Inspektion. "Irgendetwas stimmt nicht", sagte der WM-Titelverteidiger. Am Renn-Sonntag soll es in Spielberg aber zu einem Temperatursturz kommen, dann würde das Spiel ohnehin von vorne beginnen.

Bei Red Bull war Berater Helmut Marko eher dafür, sich die Sache mit den neuen Randsteinen nochmals zu überlegen. "Wenn du vor allem die gelben im falschen Winkel triffst, hat das Folgen für das Auto. Es wäre schade, wenn wir durch so etwas das komplette Rennen verlieren", sagte Marko im ORF-TV. Es gebe freilich auch Fahrer, die für noch höhere Kerbs plädieren würden", fügte Marko süffisant hinzu.

Reifen nach vier Runden komplett weggebrochen

Auch bei Red Bull wären die Hinterreifen bei fast 50 Grad Streckentemperatur schon nach vier Runden komplett weggebrochen, berichtete Marko. Damit kommt es auch in Spielberg zu einem Reifenpoker. Zuletzt in Baku hatte Red Bull komplett daneben gegriffen. Die Renn-Abstimmung war dort wegen der unerwartet hohen Temperaturen viel zu aggressiv gewesen.

"Aber wir haben daraus gelernt", versicherte Marko. Weil es am Sonntag deutlich kühler werden soll, müsse man nun auch die Strategie anpassen, betonte Marko.

Bei Mercedes hoffte man, das Rosberg-Auto bis zum Qualifying reparieren zu können. Der Deutsche führt vor dem neunten Saisonlauf 24 Punkte vor seinem Teamkollegen Hamilton. "Wir müssen alles genau überprüfen", machte Lauda klar, dass man keines der beiden "filigranen" (Wolff) Autos ohne Check wieder auf die Piste schicken würde.