Wortbildersturmwarnung

Der armenische Fußballspieler Henrich Mchitarjan wechselt dieser Tage um die stolze Ablösesumme von 42 Millionen Euro zu Manchester United, und das nötigt uns wieder einmal zur dringlichen Warnung vor dem leichtsinnigen Hantieren mit Metaphern.

Liebe Leute, hütet euch! Mehrfach vernahmen wir, Mchitarjan lasse kraft der lukrativen Ablösesumme bei seinem bisherigen Arbeitgeber, Borussia Dortmund, „die Kassen klingeln“. Ist dem so? Bezahlen die Krösusse aus Manchester also mit Geldmünzen und Banknoten, die vom Finanzvorstand der börsenotierten Borussen sorgsam in die Lade einer Registrierkasse geschlichtet werden, Kassenbon und „Dingding“ inklusive? Dieses Wortbild ist abgeschliffen, ein anderes ähnlich beliebtes hingegen wird fast stets falsch verwendet. „Das Handtuch werfen“ tut im Boxsport nie der angeschlagene Kämpfer selbst (der hat ja beide Fäuste voll zu tun, seine Visage vor der Demolierung zu bewahren), sondern stets sein besorgter Coach. Wenn wir also dieser Tage vielerorts lesen, Boris Johnson habe das Handtuch geworfen und wolle nicht britischer Premierminister werden, so müssen wir betrübt feststellen: Auch diese Metapher ist ihren Bändigern entglitten. Johnson konnte das Handtuch nicht selbst werfen – selbst dann nicht, wenn er sich den Knock-out-Punch nicht selbst versetzt hätte. (go)

Reaktionen an:oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2016)

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