Damenduell um Tory-Vorsitz

t, Theresa May (l.) und Andrea Leadsom
t, Theresa May (l.) und Andrea LeadsomREUTERS
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Im Rennen um die Nachfolge des britischen Premier David Cameron sind Innenministerin Theresa May und Energiestaatssekretärin Andrea Leadsom.

London. Die Turbulenzen der vergangenen Tage scheinen die britischen Konservativen nicht übermäßig beeindruckt zu haben. Die Auseinandersetzung, wer neben der hoch favorisierten Innenministerin, Theresa May, in die Stichwahl um die Parteiführung einziehen durfte, wurde im altbewährten Stil mit Intrigen, Leaks und Verleumdungen ausgetragen.

Um den zweiten Platz hinter May kämpften Energiestaatssekretärin Andrea Leadsom und Justizminister Michael Gove. Die 330 Tory-Abgeordneten entschieden sich gestern erwartungsgemäß für Leadsom: Damit wird Großbritannien künftig jedenfalls von einer Frau regiert – der zweiten nach Margaret Thatcher. Auf May entfielen 199 Stimmen, auf Leadsom 84, auf Gove 46.

Bis zuletzt hat Gove den Einzug von Leadsom in die Stichwahl scheinbar unverdrossen zu verhindern versucht. In einer Nachricht an Unterstützer von Innenministerin May, die bereits im ersten Durchgang mit 165 Abgeordneten eine große Mehrheit gewonnen hatte, warb Goves Wahlkampfleiter Mittwochabend um die Verhinderung der Energiestaatssekretärin durch taktisches Wählen: „Was, wenn Theresa stolpert?“

Lebenslauf geschönt

Sicherlich nicht zufällig tauchten seit Tagen auch Berichte auf, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit von Leadsom schürten. Warb die 53-jährige Politikerin mit „25 Jahre Erfahrung im Finanzsektor“, stellte sich heraus, dass sie ihren Lebenslauf zumindest geschönt zu haben scheint: In einer Position hatte sie praktischerweise das Wort Deputy vor ihrem Jobtitel vergessen, in einer anderen bezeichnete sie sich „aus Versehen“ als Managing Director, wo sie korrekterweise Marketing Director war.

Während sich Leadsom als Spitzenbankerin präsentierte, die „Hunderte Menschen und Milliarden Pfund gemanagt“ habe, hieß es von City-Insidern: „Sie ist hier vollkommen unbekannt.“ Während die Konkurrenten um den Tory-Vorsitz ihre Steuererklärung offenlegten, lehnte Leadsom dies ab. Die Aussage ihres Teams, „Andrea hat nichts zu verbergen“, klang nicht gerade überzeugend. In Berichten wurden Gerüchte über die angebliche Nähe zu Steuerparadiesen gestreut.

Dennoch sollte Leadsom trotz des überlegenen Vorsprungs von May nicht völlig abgeschrieben werden. Unter den rund 150.000 Parteimitgliedern, die das letzte Wort über den künftigen Tory- und Regierungschef haben, liegen beide Kandidatinnen, anders als in der Parlamentsfraktion, gleichauf. Versuche der Parteiführung, die für 9. September angesetzte Kür des neuen Vorsitzenden zu beschleunigen, wurden von alteingesessenen Tories als „Schande“ abgeschmettert.

Mays Nachteil im Wahlkampf ist ihre persönliche Unnahbarkeit und Kälte. Der frühere Schatzkanzler, Ken Clarke, bezeichnete sie dieser Tage als „bloody difficult woman“. May dazu am Mittwochabend vor der Parlamentsfraktion der Konservativen: „Damit kann ich leben. Und der Nächste, der das herausfinden wird, ist EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.“

„Erfahrung in höchsten Staatsämtern“

Der den beiden Damen unterlegene Gove hat gestern noch mit einem Beitrag im Massenblatt „The Sun“ für sich geworben und seine „Erfahrung in höchsten Staatsämtern“ für sich ins Treffen geführt. Zudem sei er „der einzige Kandidat mit der Vision und dem Plan, Großbritannien in eine strahlende Zukunft außerhalb der EU führen zu können“.

Seit er in der Vorwoche die Kandidatur von Favorit Boris Johnson als Nachfolger von Premier David Cameron verhindert hat, kann der 48-jährige Gove wohl für sich in Anspruch nehmen, der meistgehasste Mann von Westminister zu sein. Als „machiavellistischer Psychopath“, „politischer Selbstmordattentäter“ oder „süchtig nach Tratsch, besonders nach der Einnahme von Alkohol, wie es häufig der Fall ist“, wurde er in der politischen Machtzentrale London beschrieben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2016)

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