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30 Jahre VIC: Das halbe Herz des Ban Ki-moon

(c) AP (Bernhard J. Holzner)
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Der UNO-Chef streut Österreich Rosen. Er selbst wurde zuletzt stark kritisiert. Unter anderem wird ihm Charakterlosigkeit vorgeworfen.

Wien.Richtig rührselig wurde es, als UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am Freitag anlässlich des 30-Jahre-Jubiläums der Wiener UNO-City ans Rednerpult trat: „Die Hälfte meines Herzens habe ich in Österreich gelassen“, beteuerte der Südkoreaner, der ja zwischen 1998 und 2000 Botschafter in Wien war.

Bundespräsident Heinz Fischer, der nach Ban die Bühne betrat, nahm den Ball gerne auf und versicherte dem UN-Chef, man werde auf dieses halbe Herz gut aufpassen – und der Herr Generalsekretär sei jederzeit gerne willkommen, es in Wien zu besuchen.

Als Verbeugung vor dem Gastgeberland, das der UNO die Y-Türme des österreichischen Architekten Johann Staber 1979 ja für die symbolische Jahresmiete von einem Schilling überließ, wechselte Ban unvermittelt vom Englischen ins Deutsche: „Ich danke Ihnen für Österreichs wichtigen Beitrag zur Arbeit der Vereinten Nationen und dafür, dass Sie ein so großzügiges Gastland sind.“

Dass dahinter auch ein Quantum Eigennutz steht, daran erinnerte Außenminister Michael Spindelegger, der dezent auf die gut 400 Mio. Euro Gewinn hinwies, die durch internationale Organisationen und deren Mitarbeiter Jahr für Jahr in Österreichs Wirtschaft gepumpt werden.

 

Eisiger Gegenwind aus Norwegen

Neben vielen schönen Worten gab es auch einen dringenden Appell Bans, dass die Weltklimakonferenz im Dezember in Kopenhagen zum Erfolg werden müsse: „Das ist äußerst wichtig für die Zukunft der Menschheit und den Planeten Erde“, sagte der UN-Chef bei einer Pressekonferenz im Anschluss an seine Rede. Die Welt sei an einem kritischen Wendepunkt angelangt.

An einem kritischen Wendepunkt – oder einem Punkt mit starkem kritischen Gegenwind – scheint auch Ban Ki-moons Amtszeit an der UN-Spitze angelangt zu sein. Vergangene Woche war der norwegischen Zeitung „Aftenposten“ ein brisantes Papier zugespielt worden, das auch der „Presse“ im Wortlaut vorliegt: Ein Bericht von Mona Juul, Norwegens Botschafterin bei der UNO in New York, an ihre Zentrale in Oslo: Ein „eigenschaftsloser Generalsekretär“ sei Ban, dem jegliches Charisma fehle. Bans Amtsführung bewirke, dass die UNO zu einem „weniger sichtbaren und weniger relevanten“ Akteur geworden sei. Alle Warnungen in den Wind schlagend sei er nach Burma gefahren und sei dort in seiner Schwäche von der Militärjunta regelrecht vorgeführt worden, so der Tenor des Berichts, in dem Ban als halbherziger UNO-Chef dargestellt wird.

 

„Machtloser Beobachter“

Der Krieg in Sri Lanka sei ein „weiteres Beispiel für mangelhaftes Umgehen“ mit einer Krisensituation gewesen: Ban sei ein „machtloser Beobachter“ des Tötens und der Vertreibung tausender Zivilisten gewesen. Am Ende des Berichts geht es ans Eingemachte: Um ein mögliches Ende der Ära Ban nach nur einer Amtszeit. In Washington, schreibt Juul, werde der Koreaner bisweilen schon „one-term SG“, also „Generalsekretär für eine Amtszeit“, genannt.

Sowohl die Büros von Außenministerin Hillary Clinton als auch der amerikanischen UN-Botschafterin Susan Rice seien Ban gegenüber „sehr negativ eingestellt“. Das Kalkül hinter dem „Durchsickern“ des Dokuments dürfte also gewesen sein, eine Debatte über Bans Ablöse loszutreten. Auch wenn dies verfrüht erscheint, denn seine erste fünfjährige Amtszeit endet erst 2011.

 

Ban dankbar für Kritik

Dem stets lächelnden Koreaner, dem man die von Juul geschilderten Wutausbrüche nicht so recht zutrauen mag, blieb vorerst nichts übrig, als sich artig für die Kritik aus Norwegen zu bedanken: „Ich begrüße prinzipiell jegliche Kritik. Wenn sie konstruktiv ist, hilft sie mir, meine Arbeit zu verbessern“, sagte er vor Tagen.

An seinen Reiseplänen hält Ban unverdrossen fest: Nach einem Besuch bei Bundespräsident Fischer geht's weiter zum Forum Alpbach, und dann – nach Norwegen. Dort will er sich ein Bild vom schmelzenden Polareis machen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2009)