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Sommer 2009: Zu nass, zu heiß, zu viele Insekten

(c) AP (Christof Stache)
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Heftige Unwetter und Hitzephasen haben sich in diesem Sommer abgewechselt. Hochwasser, Wespenplage und Hitzetage waren die Folge. Eine Bilanz.

Wien. „Einige Überraschungen“, sagt Meteorologe Stefan Eisenbach, habe der Sommer gebracht, der aus meteorologischer Sicht übermorgen, am 31. August, endet. Laut des Wetterdienstes Ubimet waren diese „Überraschungen“ vor allem: Viel zu viel Regen, der zu einem außerordentlich unwetterreichen Sommer führte, gleichzeitig aber auch viel zu heiße Tage. Lagen die Temperaturen im Juni im langjährigen Schnitt, war der Juli österreichweit etwa um ein Grad, der August um zwei Grad zu warm und damit einer der fünf heißesten der vergangenen 150 Jahre. Der Sommer 2009 – in Zahlen:


-9,1 Grad: Die niedrigste Temperatur dieses Sommers wurde am 21. Juni auf dem Tiroler Brunnenkogel gemessen.


3 Todesopfer sind durch die Unwetter des Sommers in Österreich zu beklagen. Anfang Juli ertrank ein 16-Jähriger in Allhartsberg (NÖ) im Hochwasser, in Spitz/Donau kam ein 81-Jähriger in den Fluten um. Und am vergangenen Wochenende ertrank eine Weststeirerin in ihrem Keller beim Versuch, eine Kühltruhe aus dem überfluteten Keller zu retten.


7 Meter: Die Donau erreichte einen neuen Höchststand. Bei der Messstelle Korneuburg (der letzten, bevor der Fluss die Stadt Wien erreicht), wurde am 25. Juni nach tagelangen Unwettern ein Pegelstand von genau sieben Metern (statt wie sonst 2,5 bis 3 Meter) gemessen. Um Hochwasser zu verhindern, wurde die Neue Donau geflutet. Die Treppelwege auf der Donauinsel standen unter Wasser, das Donauinselfest stand vor der Absage, fand dann aber nach einem Kraftakt der Räumungsdienste doch (fast) planmäßig statt.


23. Juli. Der heißeste Tag des Jahres sorgte auch für die heftigsten Unwetter dieses Sommers (von denen auch die Meteorologen überrascht wurden). Innerhalb weniger Stunden entstand in fast ganz Österreich enormer Sachschaden. Allein in Wien wurde die Hälfte der Weinernte zerstört. An der Alten Donau wurde ein Mann von einem herabfallenden Ast lebensgefährlich verletzt.


37,9 Grad. Für die prognostizierten 38 Grad hat es knapp nicht gereicht: Sehr, sehr heiß war es an dem Tag (23. 7.), an dem die sogenannte Sahara-Hitze Österreich erreichte, trotzdem: Auf 37,9 Grad stiegen die Temperaturen laut Ubimet-Messungen in Waidhofen an der Ybbs, in Bad Goisern wurden 37,3 Grad gemessen. Der drittheißeste Ort war die Stadt Salzburg (36,9 Grad). Tropische Temperaturen zwar, die aber doch noch recht weit vom heimischen Hitzerekord – 39,7 Grad in Dellach (Kärnten) am 27. 7. 1983 – entfernt waren.


137 km/h: Die starken Gewitter wurden oft von orkanartigen Stürmen – und hunderten Blitzen – begleitet. Mit 137 Kilometern pro Stunde fegte der Sturm am 23. Juli durch Langenlebarn (NÖ).


800 Sonnenstunden. Dass die vielen Unwetter stets von hochsommerlichen Phasen abgelöst wurden, zeigt die hohe Zahl an Sonnenstunden vor allem im Osten des Landes. Am längsten, 800 Stunden lang, schien die Sonne in diesem Sommer in Eisenstadt, gefolgt von Neusiedl am See (795) und dem stets hitzegeplagten Andau (778). In Wien-Stammersdorf schien die Sonne in diesem Sommer 754 Stunden lang. Hoch war auch die Zahl der Hitzetage: An 20 Tagen stieg die Temperatur in Wien auf mehr als 30 Grad. Einer der unangenehmen Nebeneffekte: Der milde Winter, der warme Frühling und der heiße Sommer führten dazu, dass es heuer besonders viele Wespen gab. Vier Menschen starben nach Wespenstichen, Rettung und Feuerwehr rückten hunderte Male aus, um Menschen nach Stichen zu behandeln und Wespennester zu entfernen.


984 Liter/m. In allen drei Sommermonaten regnete es deutlich mehr als im langjährigen Schnitt. Allein Ende Juni, als ein Tief aus Osteuropa für Dauerregen sorgte, fiel im Norden und Osten des Landes innerhalb von 48 Stunden mehr Regen als normalerweise im gesamten Monat. Schon nach den ersten Unwettern konnten die Böden kein Wasser mehr aufnehmen, Überflutungen waren die Folge. Einige Orte (St. Pölten etwa) standen mehrmals unter Wasser. Am meisten betroffen war Lunz am See (NÖ): Hier fielen laut Ubimet-Statistik im ganzen Sommer 984 Liter pro Quadratmeter. Als Folge der feuchten Verhältnisse konnte sich die Gelsenpopulation heuer besonders gut vermehren. Ganz so schlimm war die von Experten vorhergesagte Gelseninvasion dann aber doch nicht.

19.000 Schadensmeldungen: Noch nie in der Geschichte der Österreichischen Hagelversicherung wurden derart viele Hagelschäden – fast 19.000 – gemeldet, fast dreimal so viel wie 2005. Insgesamt wurden 180.000 Hektar Fläche zerstört. Die Schäden auf Feldern und Obstplantagen, an Weinstöcken und in Glashäusern dürften laut Hagelversicherung an die 70 Millionen Euro betragen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2009)