Post, die Werner Faymann nie bekommen hat...
Dear Mr. Chancellor and Chairman!*)
Redvally Consulting freut sich, dass nach Heide Schmidt, Viktor Klima, Romano Prodi, Gerhard Schröder und Gordon Brown auch Sie unsere speziellen Dienste in Anspruch nehmen. Wie Sie schon unserer PowerPoint-Präsentation entnehmen konnten, bildet positives Denken die Grundlage jeglichen politischen Erfolgs. Vergessen Sie daher alle Lästermäuler, die behaupten, dass die SPÖ seit Ihrem Amtsantritt dauernd Stimmen verliert. Erstens war das unter Ihrem Vorgänger auch nicht viel anders, und zweitens haben Sie damit nichts zu tun. Es fehlt halt überall an den „richtigen“ Köpfen – von Salzburg gestern bis Oberösterreich morgen.
Dies gilt noch mehr für die Europawahlen, die bekanntlich ein gewisser Herr Swoboda verloren hat. Er war ja nie Ihr Wunschkandidat, nur hat sich bedauerlicherweise in der SPÖ sonst niemand gefunden, der sowohl einer Fremdsprache mächtig ist als auch Ihrer Europapolitik nicht öffentlich widerspricht. Jedenfalls war er ein unsicherer Kantonist, der zu oft in Brüssel und zu selten in der Muthgasse seine Aufwartung gemacht hat, und so hat er nur bekommen, was er verdient hat.
Vergessen Sie bitte nicht, bei allen Hintergrundgesprächen (vom Vordergrund würde ich derzeit eher abraten) darauf hinzuweisen, dass das EP-Wahlergebnis die Richtigkeit Ihres europapolitischen Schwenks bestätigt hat: Das Europäische Parlament ist ebenso unnötig wie die ganze EU; es sei denn, man braucht von ihr Geld (Osteuropa und so). Ihr Onkel Hans ist auch dieser Meinung und schreibt gerade wieder ein paar einschlägige Leserbriefe, der Mann muss es schließlich wissen. Womit wir freilich bei einem echten Problem wären: der Verstimmung von Onkel Hans. Einen ersten Schritt zu seiner Besänftigung haben Sie ja glücklicherweise bereits schon gesetzt – ein paar hunderttausend Steuer-Euro an Inseraten sind schon geflossen. Dennoch sollten Sie ihm noch etwas mehr entgegenkommen.
Also: Schlagen Sie Alfred Gusenbauer für den Posten des EU-Kommissars vor (er ist ja rechtzeitig zur Europapolitik der „Krone“ konvertiert), und Ihren Vize besänftigen Sie dadurch, dass Sie dessen Onkel zum gemeinsamen Bundespräsidentenkandidaten machen. Mit Heinz Fischer kommen Sie schon klar: Drohen Sie ihm einfach an, öffentlich seine Meinung zu allen Fragen einzufordern, zu denen Sie auch keine haben – also alle, deren Lösung unpopulär ist und Fachkenntnisse erfordert. Er wird sich dann gerne auf die Position eines Elder Statesman zurückziehen. Die Sommerresidenz können Sie ihm lassen, sein Nachfolger hat eh eine in Radlbrunn.
Fusionieren Sie „Krone“ und ORF...
Ansonsten nutzen Sie die Chancen, die die Krise bietet; nicht die Wirtschaftskrise – für die ist Ihr Finanzminister zuständig. Außerdem könnte sich ja jemand daran erinnern, dass Sie noch im letzten Herbst das „Krisengerede der ÖVP“ kritisiert haben. Beschränken Sie sich diesbezüglich lieber auf ein paar (linke) Herz(en) erwärmende Sager gegen „Neoliberalismus“ und „Spekulanten“. Ich meine natürlich die ORF-Krise.
Hier ist ein großer Wurf angesagt: Fusionieren Sie den ORF mit der „Krone“ und machen Sie Ihren Onkel Hans zum Generalintendanten. Das sollte erstens wirklich alle Unstimmigkeiten zwischen Ihnen beseitigen, bringt zweitens eine Superquote („Krone“ plus Rest), drittens große Einsparungsmöglichkeiten („Sparkanzler“) und viertens eine Reihe interessanter „fringe benefits“. Sie sollten den Politikteil des „Kronen-ORF“ Claus Pandi und Marga Swoboda übergeben – deren unnachahmliche Verbindung von Diffamierung (Ihrer Gegner), Lobhudelei (Ihnen gegenüber), Verbreitung von Bassenatratsch und Herzschmerz garantiert die längst notwendige emotionale Komponente in den Nachrichten und die Verbreitung der „richtigen“ Stories. Für das Unterhaltungsprogramm wird Maggie Entenfellner zuständig, die sorgt dafür, dass Tiere (und deren BesitzerInnen) weiterhin Faymann wählen, und außerdem hat sie ihre Fernseh(tanz)tauglichkeit schon unter Beweis gestellt.
Dem Koalitionspartner müssen Sie natürlich auch etwas geben – ein paar Landesstudios und die Mitternachts-ZiB. Qualifizierte Journalisten sind teuer; am teuersten und überdies irgendwie unberechenbar die Auslandskorrespondenten. Daher: Arnold Schwarzenegger für die USA (der braucht ohnehin bald einen neuen Job), Hans-Peter Martin für die EU (damit er dortbleibt und zugleich Ihre verbliebenen EP-Abgeordneten mit versteckter Kamera kontrollieren kann), die „Krone“-Kolporteure für den Rest der Welt (kommen von dort und sind schon auf der Payroll). Damit werden Sie als Retter des Öffentlich-Rechtlichen in die Mediengeschichte eingehen. Für die rechtliche Abwicklung und den notwendigen Glamour bei der Fusionsfeier darf ich Ihnen unsere Filiale in Arcore empfehlen (Empfehlungsschreiben von Signore B. liegt bei).
...gleich auch mit der SPÖ!
Supermergers sind überhaupt angesagt (siehe Autoindustrie). Seien Sie daher nicht kleinlich und fusionieren Sie gleich groß, also den Kronen-ORF mit der SPÖ (als politische Partei sowieso ein Auslaufmodell) und einer Fußballmannschaft. Damit können Sie gleich eine neue Marke kreieren: „Hoppauf Österreich“ wäre ein Selbstläufer und kann regionalisiert werden. Lord Mayor Häupl wäre von „Hoppauf Rot Wien“ begeistert und Mr. Strache megaout. Sie brauchen nur die einheimischen Wappler durch ein paar Kicker aus der 3. italienischen Liga zu ersetzen (siehe unsere italienische Filiale), damit sich das nächste Mal ein 1:0 gegen die Färöer-Inseln ausgeht. Im Zuge der Fusion können Sie dann gleich die Alt-SPÖler loswerden – Frau Rudas soll das Casting für allfällige Neubesetzungen besorgen.
Wie gesagt – denken Sie positiv und vertrauen Sie auf Ihr bewährtes Kampflächeln (jedenfalls bei eingeschalteten Kameras)! Ignorieren Sie alle volksfremden Intellektuellen – Professor Adrian Hollaender reicht aus –, und ansonsten gilt „Ist der Ruf einmal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“. Onkel Hans ist auch dieser Meinung, und der muss es ja wissen.
I am sure we are a perfect match!
Ihr Doktor Spin
(Redvally Consultation, A Special Branch of Greenberg Associates, Your Specialist for Abysmal Politics, Desolation Road, Down Under).
PS: Die beiliegende erste Tranche unserer Rechnung leiten Sie am besten an den Finanzminister weiter, dem sollte Ihr Verbleib in der österreichischen Politik mindestens so viel wert sein wie die Unterstützung ein paar österreichischer Banken.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2009)