USA verstärken ihre Militärpräsenz in Ostasien

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Washington stationiert nach Provokationen Chinas und Nordkoreas Flugzeugträgergruppen und Raketenabwehrsysteme.

Washington. Der Zeitpunkt der Übung war ebenso bewusst gewählt wie der Ort: Mitte Juni hielt die US-Marine gemeinsam mit japanischen und indischen Kräften ein großes Flottenmanöver in der Philippinensee ab. Der Operationsraum östlich der philippinischen Hauptinsel Luzon war zwar Hunderte Seemeilen vom im Westen des Inselstaates gelegenen Südchinesischen Meer entfernt, das China als Teil seiner Hoheitsgewässer betrachtet. Doch die Übung, zu der die US-Marine die Flugzeugträger John C. Stennis und Ronald Reagan samt 140 Flugzeugen und Hubschraubern, 12.000 Soldaten und sechs Begleitschiffe beistellte, waren ein klares Zeichen an Peking: Die USA sind bereit, die Souveränität und Sicherheit ihrer ostasiatischen Bündnispartner auch militärisch zu schützen.

Die imperialistischen Anwandlungen des kommunistischen Regimes in Peking stellen die mehr als hundertjährige und seit der Niederschlagung Japans im Zweiten Weltkrieg unangefochtene Rolle der Vereinigten Staaten als maritime Supermacht im Pazifischen Raum und in Ostasien infrage. Erst zu Ende seiner ersten Amtszeit hat Präsident Barack Obama seine Überlegungen über den Umgang mit dem erstarkenden Asien, allen voran China, in politische Form gegossen. Der „Pivot to Asia“, also die Hinwendung Washingtons zum asiatischen Raum, wurde dank eines programmatischen Beitrags von Obamas damaliger Außenministerin, der heutigen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, zum Schlagwort für die Obama-Weltsicht, nach der man Europa und dem Nahen Osten weniger und Ostasien mehr Aufmerksamkeit angedeihen lassen sollte.

Doch Obamas und Clintons Hoffnung, trotz der grundlegenden ideologischen Gegensätze mit China eine beiderseits nützliche, pragmatische Beziehung aufzubauen, wurde großteils nicht erfüllt. Chinas Militärgeheimdienste haben (auch wenn Peking das entrüstet abstreitet) die Personaldaten fast aller US-Bundesbeamten mittels Computerangriffs gestohlen, um Druck auf US-Diplomaten mit chinesischen Familienmitgliedern zu machen. Im Südchinesischen Meer, einem Fleckerlteppich von Territorialansprüchen, drohen chinesische Militäreinheiten US-Aufklärungsflugzeugen via Funk selbst über internationalen Gewässern.

Peking springt Pjöngjang bei

Besonders bedenklich ist Pekings Unterstützung Nordkoreas. Als Reaktion auf die zuletzt wieder verstärkte Raketenforschung des über Atomwaffen verfügenden stalinistischen Regimes in Pjöngjang einigten sich Südkorea und die USA dieser Tage auf die Stationierung eines Raketenabwehrsystems namens Terminal High-Altitude Area Defense. Dessen genauer Standort in Südkorea ist noch Verhandlungssache, der Zweck der Stationierung hingegen ist klar. Nordkoreas ballistische Mittelstreckenrakete des Typs Musudan hat eine Reichweite von bis zu 3500 Kilometern. Nordkorea könnte also praktisch Atomangriffe auf jede ostasiatische Stadt lancieren. Nach Bekanntgabe der US-südkoreanischen Übereinkunft protestierten sowohl Peking als auch Moskau.

Die USA jedenfalls wollen auf jegliche Eventualität einer militärischen Konfrontation mit China vorbereitet sein. Zeitgleich mit dem Flottenmanöver stationierten sie auch vier für die elektronische Kampfführung ausgerüstete F-18-Flugzeuge des Typs Growler auf den Philippinen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2016)

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