Wie man mit Festplatten Geld verdient, warum Allianz bald loslegen könnte und wie viel Luft Wienerberger noch nach oben hat.
Die schon sehr weit gelaufene Aktie des amerikanischen Solid-State-Disk-Herstellers Stec(ISIN US787741011), eine „Presse am Sonntag“-Empfehlung der ersten Stunde, deren Kurs sich seither knapp versechsfacht hat, ist immer wieder für Überraschungen gut: In der Vorwoche hat der ohnehin schon sehr hohe Kurs ohne besondere kurstreibende Nachrichten noch einmal einen kräftigen Satz nach oben gemacht.
Ein Hinweis darauf, dass der Branche eine einigermaßen helle Zukunft zugetraut wird. Solid State Disks (SSD) sind Massenspeicher ohne bewegliche Teile. Sie sind dabei, die mechanischen – und damit defektanfälligen – Festplatten in Computern abzulösen. Ein Multimilliardengeschäft. Das Business dürfte erst in den kommenden Jahren so richtig zu laufen beginnen, denn derzeit sind SSDs noch deutlich teurer als herkömmliche Festplatten. Unternehmen, die sich auf diesem Markt rechtzeitig positionieren, dürften damit noch einige fette Jahre vor sich haben.
Stec konnte in diesem Sektor eine Art Technologieführerschaft erringen und startet damit sozusagen aus der ersten Startreihe. Es ist also zu früh, die fetten Gewinne der vergangenen Monate zu realisieren. Im Stile der vergangenen Wochen wird es mit Stec aber nicht mehr aufwärts gehen. Wenn man in stärkerem Umfang an der Wachstumsbranche mitnaschen will, empfiehlt es sich, einen zweiten starken Spieler aus der SSD-Branche ins Depot zu legen. (Natürlich nur, wenn der Umfang des Portfolios das verträgt, einem Klumpenrisiko wollen wir hier nicht das Wort reden).
Dieser zweite könnte beispielsweise Western Digital(ISIN US9581021055) sein. Der Festplatten-Weltmarktführer hat bei den Solid State Drives länger zugeschaut. Im Frühjahr wurde aber der Flash-Speicher-Hersteller Silicon Systems übernommen. Und seither ist Western Digital auch in der SSD-Branche voll im Geschäft.
Dem Kurs hat es gut getan: Seit Juni sind immerhin 50 Prozent dazugekommen. Das Chartbild sieht sehr gut aus, der technische Indikator MACD hat am Donnerstag ein schönes Kaufsignal generiert. Seit Anfang August hat die Aktie auch ein paar „Buy“- und „Strong Buy“-Empfehlungen eingeheimst. Bis zum Analysten-Kursziel, das bei 39 Dollar liegt, sind es vom derzeitigen Kurs zwar nur rund 15 Prozent. Aber Kursziele sind so eine Sache: Sie werden meistens nachträglich angepasst. Das beste Beispiel: Als die Stec-Aktie im Frühjahr ihren Höhenflug startete, lag das Einjahres-Analysten-Kursziel etwas über sechs Dollar. Jetzt notiert die Aktie bei rund 40 „Bucks“.
In Deutschland hat in der Vorwoche eine Finanzaktie aufgezeigt: Der Versicherungswert Allianz(ISIN DE0008404005) ist charttechnisch aus seinem Seitwärtstrend, in dem er seit Oktober vergangenen Jahres auf- und absprang, nach oben ausgebrochen. Das dürfte dem Wert einiges an Potenzial verleihen. Allerdings könnte es kurzfristig durchaus einen leichten Rücksetzer (der eine Einstiegsgelegenheit bietet) geben. Einige Indikatoren, etwa der Relative Stärke Index RSI, zeigen derzeit nämlich eine stark „überkaufte“ Situation an.
Ähnliches trifft auch auf die vorwöchige Empfehlung Infineon(ISIN DE0006231004) zu, die in den vergangenen Tagen nicht so recht in die Gänge gekommen ist. Das sollte man sich genauer anschauen. Es gibt nämlich Analystenstimmen, die meinen, das sei das Luftholen vor dem nächsten Aufschwung. Man sollte aber nicht zögern, das Ganze als Fehlkauf abzuschreiben, falls nachhaltige technische Verkaufssignale auftreten.
Tipps für österreichische Aktien gibt es am hiesigen Markt wahrlich genug, weshalb heimische Papiere hier nicht im Vordergrund stehen. Der eindrucksvolle Kurs-Sprint der Wienerberger(ISIN AT0000831706) hat aber viele Anleger beeindruckt, die sich jetzt fragen, ob ein Einstieg auf dem derzeitigen Niveau noch sinnvoll ist. Die Antwort: grundsätzlich ja, denn Wienerberger hat drastische Sanierungsschritte gesetzt und wird im kommenden Aufschwung schon sehr früh profitieren. Kurzfristig sieht das Chartbild aber ziemlich überhitzt aus.
Eine Korrektur ist hier auch anzubringen: Die in der Vorwoche empfohlene Aktie des Banco Bilbao Vizcayaist nicht (mehr) unter der deutschen ISIN-Nummer, sondern nur unter der spanischen (ES0113211835) zu haben.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2009)