„Outcast“, produziert vom US-Sender Fox, stammt vom Schöpfer des Welterfolgs „The Walking Dead“. Philip Glenister spielt darin einen Priester, der an Dämonen glaubt.
Dass ein Kind geschlagen wird, sieht man nicht oft in Fernsehserien. Schon gar nicht, dass solche Gewalt ungestraft bleibt und gar als Heldentat wahrgenommen wird. In der ersten Folge der Serie „Outcast“ gibt es eine solche Szene. Der Bub Joshua verhält sich aber auch gar eigenartig. Brüllt, knallt seinen Kopf gegen die Wand, isst eine Kakerlake. Er sei von einem Dämon besessen, glaubt der Pfarrer des Städtchens im Süden der USA, in dem Joshua mit seiner Mutter lebt. Zu Hilfe eilt dem Gottesmann ein Gemeindemitglied, das Erfahrung mit Besessenen hat, Kyle Barnes (Patrick Fugit). Seine Mutter hat den Verstand auf ähnliche Weise verloren, als er noch ein Kind war – und liegt seither im Wachkoma.
Gemeinsam versuchen die beiden Männer, dem Buben den Teufel auszutreiben. Das gelingt aber nicht mit Gebeten, sondern mit etwas Gewalt und vor allem mit dem Blut von Kyle, das er dem Kind in den Mund tropft. Der Dämon schießt wie schwarzes Öl aus dem Buben, wilde Drohungen sind zu hören. Man ahnt, er wird sich sein nächstes Opfer suchen. Ob dem Priester und dem Mann mit dem magischen Blut dann wieder ein Exorzismus gelingt? Und sollte eine Fernsehserie eine solche Teufelsaustreibung als probates Mittel gegen Erregungszustände darstellen? Erst vergangenes Jahr wurde eine Frau in Frankfurt zu Tode gefoltert, auch dabei soll es um einen Exorzismus gegangen sein . . .
„Das ist eine Fernsehserie, und unterm Strich ist es Unterhaltung“, sagt der britische Schauspieler Philip Glenister, der in „Outcast“ den Pfarrer spielt. „Zweitens finde ich nicht, dass sie eine Lösung für Besessenheit zeigt – ganz im Gegenteil. Ich finde, sie zeigt, dass damit Menschen auch großer Schaden zugefügt werden kann.“ Freilich, gerade zu Beginn gebe es „einige harte Szenen“. Es werde aber keinen „Exorzismus der Woche“ geben, wie es in „Akte X“ einen Fall der Woche gab, verspricht Glenister, die Dinge würden in einem größeren Zusammenhang stehen.
Das kann man von „Outcast“ auch erwarten: Die Serie stammt von dem Comicbuch- und Drehbuchautor Robert Kirkman, der mit der schlauen, spannenden Zombie-Serie „The Walking Dead“ einen Welterfolg hatte. Der US-Sender Fox setzt jedenfalls auf „Outcast“ und hat bereits eine zweite Staffel bestellt, die ab Ende des Sommers gedreht wird.
In den ersten beiden Folgen reicht die Serie noch nicht an die Komplexität von „The Walking Dead“ heran. Vielmehr wird religiöser Eifer recht unkritisch gezeigt: Den Teufel gibt es in der Serie wirklich, und der Glaube kann ihn vertreiben. Passend dazu spielt die Serie im „Bible Belt“, dem stark christlich geprägten Südosten der USA. „Religion ist momentan populär im Fernsehen“, sagt Glenister: „Das war immer eine Quelle der Faszination, Drehbuchautoren fanden sie immer unwiderstehlich. Und egal, ob man an die Bibel glaubt oder nicht, in ihr stehen einige erstaunliche Geschichten.“
Der Reverend als Soldat Gottes
Seine Figur wird in der gleichnamigen Comicreihe als „Soldat Gottes“ beschrieben. Doch Glenister selbst findet, der Reverend sei „ein gebrochener Mann“: „Er ist im Widerspruch mit sich selbst und seinen Überzeugungen. Mit Fortschreiten der Serie hinterfragt er seinen Glauben. Das ist sein Dilemma: Was hat er denn ohne das? Wohin soll er sich wenden?“
Wohin sich die Geschichte entwickeln wird, ist noch nicht absehbar – das Drehbuch entsteht zeitgleich zur Comicreihe. „Keiner aus dem Cast weiß, wo seine Figur enden wird. Wir mögen das als Schauspieler: Es macht uns spontaner. Es ist auch irgendwie lustig, das Drehbuch für die nächste Folge zu bekommen und nicht zu wissen, ob man da noch drinsteht.“ Aber es gehe ihm noch nicht wie den Darstellern aus der Mittelalter-Fantasyserie „Game of Thrones“, die sich zum Teil davor fürchten, im Drehbuch umzublättern, weil sie auf der nächsten Seite sterben könnten. „Ich hoffe, das wird nicht zu bald passieren“, sagt Glenister.
„Outcast“: Fox HD, Sky On Demand, Sky Go, Sky Online.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2016)