Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Peter Westenthaler: "Man wollte mich umbringen"

(c) APA (HANS KLAUS TECHT)
  • Drucken

Politischer Heißsporn und sanfter Familienvater. Kantig, frech, laut: Ein Typ wie Peter Westenthaler steht zwangsläufig im Rampenlicht, wenn auch nicht immer freiwillig. Die Karriere in der Spitzenpolitik hält er für beendet.

Peter Westenthaler ist nun so eine Art Peter Pilz des BZÖ: ehemals Parteichef, in der Hierarchie nach unten gerückt, aber vorlaut wie eh und je. Und omnipräsenter als der Rest seines Klubs zusammen. „Politisch haben sie mich eh erwischt und fast ruiniert. Privat haben sie es dann auch noch versucht“, klagt Westenthaler, klingt dabei aber nicht verbittert, sondern kampflustig. Ob er nicht auch selbst zu jähzornig sei, zu schnell heiß laufe? „Überhaupt nicht. Das ist Notwehr.“ Seine Frau denkt ebenso. Sie sei aber froh, dass ihr Mann nicht mehr in der ersten Reihe stehe und mehr Zeit für die Familie habe, sagt Dagmar Westenthaler.

Gemeinsam mit Tochter Conny (12) und Malteser-Hund Jeanny sitzen die beiden beim Buschenschank Frauneder in Oberlaa. Nebenan, entlang des Liesingbachs, ist Peter Westenthalers acht Kilometer lange Laufstrecke. Es ist die nette Seite des 10. Bezirks, eine Heurigengegend, landschaftlich grün, politisch schwarz. Die Westenthalers haben hier ihr Eigenheim. Dagmar ist in Oberlaa aufgewachsen, auch Peter stammt aus Favoriten, allerdings von weiter stadteinwärts. Kennengelernt haben sie sich 1989 im ehemaligen Szenelokal „Oskar“ in der Innenstadt, 1992 wurde geheiratet. „Als wir uns kennenlernten, war der Peter noch gar nicht in der Politik“, erzählt die Ehefrau. Er nickt zustimmend, fügt aber hinzu, dass er wenig später begonnen habe, im FPÖ-Parlamentsklub Zetteln zu kopieren – unter den Fittichen der „strengen“ Susanne Riess-Passer, damals FPÖ-Bundespressesprecherin.

Vorige Woche ließ Westenthaler dann in eigener Sache kopieren – 189 Seiten. Der Fall Westenthaler ist der Erste, der im U-Ausschuss verhandelt wird. „Das birgt Sprengstoff“, sagt Westenthaler. Auch eine „Bombe“ sei darunter. Sein Fall werde Präzedenzcharakter haben, in Hinkunft werde sich die Staatsanwaltschaft auch vor dem Parlament verantworten müssen.

In den vergangenen Monaten ist der frühere BZÖ-Obmann fast ausschließlich mit Krawallgeschichten in den Medien gewesen: Die Prügelei im Rustikalschuppen „Stadl“, die eine Verurteilung wegen falscher Zeugenaussage nach sich zog. Die „Knie-Affäre“ – Westenthaler soll einen Polizisten angefahren haben. Die mutmaßliche Überwachung seines Handy, nachdem er einem Parteikollegen ein Drogendelikt unterstellt haben soll.

Womit wir bei Westenthalers Lieblingsfeindbildern wären: Staatsanwaltschaft und Büro für Interne Angelegenheiten (BIA). Besonders erbost ist er über jenen Staatsanwalt, der ihm mit den Worten „Wenn seine Freundin eine SMS schickt, wird es wohl kaum eine Polizeiinformation sein“ eine Affäre unterstellt habe. Doch auch die übrigen Vorwürfe seien haltlos: Im „Stadl“ habe er keine Schlägerei bemerkt, sei er doch emotional viel zu sehr mit dem Nationalratseinzug beschäftigt gewesen. Was die „Drogengeschichte“ betrifft, habe er seine Partei nur darauf aufmerksam gemacht, dass da Ungemach wegen einer „Partie“ im BZÖ-Wien drohe.

Knie-Affäre. Und in der „Knie-Affäre“ sei es nur eine Frage der Zeit, bis diese zu den Akten gelegt werde. Da habe, was er ja kaum glauben könne, sogar der Staatsanwalt die Einstellung empfohlen. Der vermeintlich Verletzte sei gar nicht verletzt gewesen, das Ganze die Intrige eines roten Polizisten. Dagmar Westenthaler ist von der Unschuld ihres Mannes überzeugt. Peter Westenthaler natürlich auch: „Alles frei erfundene Geschichten. Da wurde etwas gebastelt, um mich zu erwischen. Man wollte mich umbringen.“ Warum? „Weil ich immer sage, was ich denke. Und das politische Handwerk beherrsche.“

BZÖ-Chef Buchers Kurs trage er mit, so Wesenthaler. „Wobei ich immer für eine Art rechte FDP war: 80 Prozent FDP, 20 Prozent Law and Order.“ Ob die Kärntner das mittragen, wisse er nicht. „Ich hatte oft andere Meinungen als die Scheuchs.“ Allerdings wundere er sich doch sehr, dass BZÖ-Politiker wie Gerhard Dörfler und Uwe Scheuch Wahlempfehlungen für Häupls SPÖ respektive Straches FPÖ abgeben. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Die eigene Karriere in der Spitzenpolitik sei vorbei, gibt sich Westenthaler illusionslos. Er sei zufrieden mit seinen „Schrebergärten“ Sicherheits-, Finanz- und Sportpolitik. Mittelfristig sei für ihn die Privatwirtschaft, eine eigene Firma, die bessere Option. Auf eines sei er aber stolz: „Von mir hat es nie einen braunen Rülpser, Antisemitisches oder ähnlich Anrüchiges gegeben.“

Da wird ihm sogar der Staatsanwalt beipflichten müssen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2009)