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Japans Kennedy gewinnt Parlamentswahlen haushoch

Yukio Hatoyama
(c) AP (David Guttenfelder)
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Als Regierungschef würde Yukio Hatoyama eine Familientradition fortsetzen. Sein Großvater war bereits Premier, sein Vater Außenminister. Mit seinem Wahlsieg löst Hatoyama die seit über 50 Jahren herrschende LDP ab.

Sein Großvater war einst für die Liberaldemokratische Partei (LDP) Regierungschef, nun hat Yukio Hatoyama die Jahrzehnte währende Macht der Konservativen in Japan gebrochen. Bei den Parlamentswahlen am Sonntag errang der 62-jährige Oppositionsführer mit seiner Demokratischen Partei (DPJ) laut Prognosen einen überwältigenden Sieg. Hatoyama wird damit aller Voraussicht nach der neue Regierungschef der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Wie der noch amtierende Ministerpräsident Taro Aso und viele andere japanische Spitzenpolitiker stammt Hatoyama aus einer Familie, in der schon seit Generationen Politik gemacht wird. Mit den berühmten Kennedys in den USA wird der Clan oft verglichen: Nicht nur, dass Hatoyamas Großvater japanischer Regierungschef war - sein Vater war bereits Außenminister, sein Bruder Innenminister.

Die Familie ist zudem sehr reich: Während der eine Großvater Hatoyamas in den 50er Jahren Ministerpräsident war, gründete der andere den Reifenkonzern Bridgestone. Hatoyama selbst absolvierte ein Ingenieurstudium an der Universität Tokio, anschließend promovierte er an der renommierten US-Universität Stanford und lehrte dann Wirtschaftswissenschaften an der Senshu-Universität in Tokio.

Gemäß der Familientradition ging auch Yukio Hatoyama in die Politik: 1986 gewann er erstmals seinen Wahlkreis auf der Insel Hokkaido, seitdem sitzt er als Abgeordneter im japanischen Unterhaus - zunächst für die LDP. 1993 wandte er sich jedoch von der traditionellen Regierungspartei ab und beteiligte sich 1996 an der Gründung der DPJ, die er von 1999 bis 2002 als Parteichef anführte. Danach war Hatoyama als Generalsekretär die rechte Hand seines Vorgängers Ichiro Ozawa, der im Zuge eines Finanzskandals zurücktreten musste. Vor drei Monaten wurde Hatoyama selbst wieder Parteichef.

Unter Hatoyamas Führung brachte die DPJ einen Gesetzentwurf ins Parlament ein, der innerhalb von drei Jahren alle Spenden von Unternehmen und Lobbygruppen an politische Parteien verbieten soll. Im Juni 2009 musste der Oppositionsführer allerdings zugeben, dass sein Büro seit 2005 Spenden falsch abgerechnet hatte. Unter anderem waren Tote als Spender angegeben worden.

Trotzdem überzeugte Japans wohlhabendster Abgeordneter die Wähler. Er gab sich volksnah und betonte stets, kein "Erb-Politiker" zu sein. Außer dem Programmieren von Computern pflegt Hatoyama keine extravaganten Hobbys, spielt Tennis, hört gerne klassische Musik und schaut gern Fußball. In seiner ersten Amtszeit als Parteichef ließ er sich klaglos den Spitznamen "Alien" gefallen. Die Partei verteilte sogar Werbegeschenke, die Hatoyama als glubschäugigen Außerirdischen zeigen - in Anspielung auf seine leicht hervortretenden Augen.

Hatoyama wird nun die Dauerherrschaft der LDP beenden, die mit Ausnahme von zehn Monaten Anfang der 90er Jahre seit 1955 ununterbrochen in Japan regierte. Der Oppositionschef, der mit der ehemaligen Schauspielerin und Kochbuch-Autorin Miyuki verheiratet ist und einen in Russland lebenden Sohn hat, will sich als Ministerpräsident für die einfachen Leute und die Landbevölkerung einsetzen. Er will die staatliche Bürokratie eindämmen und die Verschwendung von Steuergeldern verhindern. Sein Ziel sei eine "brüderliche Gesellschaft" und eine "auf Liebe basierende Politik", sagt Hatoyama.

Ob dies nur Wahlkampfrhetorik war oder ob er tatsächlich aus anderem Holz geschnitzt ist als das konservative Establishment in Japan, muss der "japanische Kennedy" noch unter Beweis stellen.

(Kyoko Hasegawa/AFP)

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