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Wenn der Urlaub mit dem Tod endet

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Gedenken an die Opfer des AnschlagsAPA/AFP/GIUSEPPE CACACE
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Die meisten Opfer der Terrorfahrt in Nizza sind Franzosen, aber es sind auch viele Touristen und Kinder darunter.

Es sollte ein kurzer Urlaub an der Riviera werden. Der 28-jährige Mickaël P. verbrachte gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Großeltern ein paar Tage in Nizza, wo das Wetter gemütlicher ist als in ihrer Heimat im Nordosten des Landes. Den französischen Nationalfeiertag am Abend des 14. Juli verbrachte die Familie an der Promenade in Nizza. Und dort raste jener Lkw-Fahrer, der im Zickzackkurs durch die Menschenmenge fuhr, um so viele Besucher wie möglich zu erfassen, auch in die Familie Mickaëls. Alle vier erlagen ihren Verletzungen.

Am Samstag waren die Ermittlungen noch im Gang: Es war unklar, ob der mutmaßliche Täter, ein 31-jähriger Franko-Tunesier, tatsächlich im Namen des sogenannten Islamischen Staats (IS) handelte und ob er Komplizen hatte (siehe Artikel oben). Fest steht nur: Bei seiner wüsten Fahrt an der Promenade ermordete er 84 Menschen, verletzte über 180, wobei knapp 50 noch immer mit dem Tod ringen. Unter den Opfern befinden sich besonders viele Kinder. Augenzeugen zufolge ist der Attentäter unter anderem in ein Kinderkarussell gefahren.

Aus Rücksicht auf die Opfer hat die Polizei in Nizza zu Vorsicht im Umgang mit Bildern und Informationen aufgerufen. Das zeigte Wirkung. In sozialen Medien zirkulierten vergleichsweise wenige Bilder, die Leichen zeigten. Einzelne Informationen über die Opfer sickerten – ebenfalls über soziale Medien – an die Öffentlichkeit, unter anderem deswegen, weil Freunde und Angehörige ihre Geschichten teilten. Wie etwa die Familie Copeland aus dem US-Bundesstaat Texas: Sie verlor in Nizza den 51-jährigen Sean Copeland und dessen Sohn, den elfjährigen Brodie. „Unsere Herzen sind gebrochen, wir stehen unter Schock“, heißt es in einem Statement der Familie.


Siebenfache Mutter. Auch wenn die meisten Opfer Franzosen sein dürften, traf der Fahrer viele Ausländer, die meist als Touristen in Nizza unterwegs waren. Die Schweizerin Linda S. aus dem Tessin verbrachte gemeinsam mit ihrem französischen Mann den Urlaub an der Côte d'Azur, und auch sie wurde vom Lastwagen erfasst. Im Tessin ist S. wohlbekannt, als erste weibliche Zollbeamtin in der Region. Ebenfalls auf Urlaub waren die russischen Studentinnen Viktoria S. und Polina S. Als der Attentäter beide erfasste, geriet Viktoria unter die Räder und kam ums Leben, während Polina am Fuß verletzt wurde.

„Sie war eine sehr fromme Frau“, sagte der Sohn Hamza über seine Mutter Fatima C. Die 60-jährige siebenfache Mutter war eines der ersten Todesopfer. Mit Blick auf einen möglicherweise islamistischen Hintergrund des Attentats gab der Sohn an, dass seine muslimische Mutter den wahren, toleranten Islam gelebt habe, „nicht den der Terroristen“. Die Familie stammt ursprünglich aus Marokko.

Zwei Maturantinnen und eine Lehrerin aus Berlin sind ebenfalls unter den Todesopfern. Auch Emmanuel G. überlebte die Schreckensnacht von Nizza nicht. G. arbeitete als Kommissar für die Grenzpolizei am örtlichen Flughafen. Einem Medienbericht zufolge war er mit seiner Lebensgefährtin und deren Tochter an der Strandpromenade spazieren. So auch der Verkäufer Timothe F. Als der Lkw auf sie zuraste, konnte er gerade noch seine schwangere Frau zur Seite stoßen, bevor ihn der Wagen traf.

Nizza

Bei der Terrorfahrt durch Nizza ermordete der mutmaßliche Täter Mohammed Lahouaiej Bouhlel mindestens 84 Menschen. Knapp 50 weitere befinden sich in Lebensgefahr, über 180 wurden verletzt. Bei Bouhlel handelt es sich um einen 31-jährigen Franko-Tunesier. Er war den Behörden als Krimineller bekannt, jedoch nicht als radikaler Islamist.

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Die Presse Community-Team (mkf)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2016)