US-Wahl: Warum Trump?

Republican U.S. presidential candidate Donald Trump speaks at a campaign rally in Raleigh.
Republican U.S. presidential candidate Donald Trump speaks at a campaign rally in Raleigh.(c) REUTERS (JOSHUA ROBERTS)
  • Drucken

Das Chaos um den republikanischen Parteitag verdeutlicht die Schwächen des Kandidaten Donald Trump. Er ist das Produkt einer Partei, die sich selbst entglitten ist.

Washington. Donald Trump hat den Republikanern versprochen, dass ihr heuriger Parteitag nicht so langweilig wird wie die bisherigen. Doch der Kandidat für die Wahl zum US-Präsidenten beschert seiner Partei vor dem Beginn der Konferenz am Montag mehr Aufregung, als ihr lieb sein dürfte.

Die beiden lebenden früheren republikanischen Präsidenten, George Bush Vater und Sohn, werden ebenso nicht nach Cleveland reisen wie die eminenten Vertreter der Partei, allen voran die Senatoren und vormaligen Präsidentschaftsanwärter John McCain, Marco Rubio, Rand Paul und Lindsay Graham. Und so mancher Prominente, der von Trumps Kampagnenteam stolz als Redner verkündet wurde, wusste nichts von seinem Glück: „Ich bin heute morgen aufgewacht und habe erfahren, dass ich angeblich auf dem Parteitag sprechen werde“, unkte der American-Football-Spieler Tim Tebow.

Chancen auf das Weiße Haus

Zu allem Überdruss ist das mit 64 Mio. Dollar (58 Mio. Euro) budgetierte, viertägige Parteitreffen knapp vor seinem Beginn noch nicht ausfinanziert. Denn gut zwei Dutzend Sponsoren – von Fedex und Visa bis zu Pepsi, Coca-Cola, Apple und BP – haben angesichts der negativen Schlagzeilen, für die Trump fast täglich sorgt, kalte Füße bekommen. Die Organisatoren der Parteikonferenz mussten dieser Tage einen Bettelbrief an Casinobetreiber Sheldon Adelson schicken, um eine Nothilfe von sechs Mio. Dollar zu erbitten. All das sind keine guten Vorzeichen in einem Wahljahr, das den Republikanern aus mehreren Gründen beste Aussichten auf die Rückeroberung des Weißen Hauses nach acht Jahren eröffnet. Trumps Gegnerin von den Demokraten, Hillary Clinton, ist so unbeliebt wie kein demokratischer Präsidentschaftskandidat seit Anfang der 1980er-Jahre. Ihr Nimbus der amtserfahrenen Kompetenz als Ex-Außenministerin ist spätestens seit der Kritik von FBI-Direktor James Comey an ihrem Umgang mit dienstlichen E-Mails beschädigt.

(C) DiePresse

Die US-Volkswirtschaft wiederum erholte sich zwar vom Bankenkrach und der Großen Rezession einigermaßen. Das ändert jedoch nichts daran, dass viele Amerikaner seit gut zwei Jahrzehnten keine realen Einkommensgewinne spüren. Der islamistische Terror erreicht auch die USA: Man denke an die jüngsten Mordanschläge in San Bernardino und Orlando. Das lässt Präsident Barack Obamas Strategie einer Abwendung vom Nahen Osten fragwürdig erscheinen. Und generell steht den Amerikanern der Sinn nach Abwechslung: Seit dem Zweiten Weltkrieg hielt nur eine Partei das Weiße Haus für drei Amtszeiten (die Republikaner Ronald Reagan und George Bush von 1980 bis 1992).

Doch Trump wirkt nicht im Stande, diese Chance zu ergreifen. Er hat sich mit seinen Angriffen auf Moslems und Mexikaner, mit seinem Spott für Behinderte und Frauen und mit seinem narzisstischen und erratischen Auftreten für die Mehrheit der Amerikaner unter 65 Jahren unwählbar gemacht.

Trump ist der logische Endpunkt einer Entwicklung, der sich die Partei seit einem halben Jahrhundert nicht entziehen konnte, schreibt E. J. Dionne, Professor an der Georgetown University und Forschung an der Brookings Institution, in seinem neuen Buch „Why the Right Went Wrong“. „Seit 1968 konnte keine konservative Regierung der Rhetorik gerecht werden, die konservative Politiker eingesetzt hatten, um ihre Anhänger zu motivieren.“ Oder, um den einflussreichen erzkonservativen Blogger Erick Erickson zu zitieren: „Die Republikanische Partei hat Donald Trump geschaffen, weil sie ihrer Basis gegenüber eine Menge Versprechen machte und sie nie einhielt.“

Ob Trump das ändern kann, ist zweifelhaft. Angesichts verheerender Umfragewerte ist jenes Szenario schlüssiger, das der linksliberale Autor Thomas Friedman neulich in der „New York Times“ skizzierte: „Ein Sieg Clintons im November würde mehr Republikaner dazu zwingen, eine Mitte-rechts-Partei neu aufzubauen, die bereit ist für das Regieren und Eingehen von Kompromissen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2016)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.