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40 Jahre libysche Revolution: Gaddafi lässt sich feiern

(c) REUTERS (ZOHRA BENSEMRA)
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Anlässlich des 40. Jahrestages der libyschen "Al-Fatah-Revolution" beginnt heute ein einwöchiges, pompöses Fest. Was die Feierlichkeiten unter anderem vermitteln sollen: Libyen ist wieder offen für die Welt.

Es soll das größte Massenspektakel aller Zeiten werden: 3500 Tänzer, ein Flammenballett, Laserprojektionen, eine Oper in vier Akten über 12.000 Jahre libysche Geschichte, Blaskapellen aus 18 Ländern und vieles anderes mehr.

Gefeiert wird der 40. Jahrestag der "Al-Fatah-Revolution", des Militärputsches vom 1. September 1969, der Muammar al-Gaddafi an die Macht brachte. Die sechs Tage dauernden Feierlichkeiten sollen aber auch eines vermitteln: Das jahrelang isolierte Land ist wieder offen für die Welt, offen für Geschäfte.

Auf dem Grünen Platz von Tripolis werden mehr als 300.000 Zuseher sowie Hunderte von Ehrengästen und Würdenträgern erwartet. Darunter seien ausländische Botschafter, Industrielle und Stars. Aus libyschen Kreisen verlautete in der vergangenen Woche, die Präsidenten von Frankreich und Russland, Nicolas Sarkozy und Dmitri Medwedew, der russische Ministerpräsident Wladimir Putin, Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi und das spanische Königspaar würden das Jubiläum an Ort und Stelle mitfeiern.

"Libyen öffnet sich der Welt"

"Libyen öffnet sich der Welt - das ist die Botschaft. Es ist das erste Mal, dass Libyen Tausende Ausländer mit offenen Armen empfängt", sagt der gebürtige Kanadier Philippe Skaff, Organisator der Feierlichkeiten und Chef der neugegründeten libanesischen "Grünen Partei". Das Fest sei die "Startrampe" für Libyens weltpolitische Ambitionen. Dass die Welt noch nicht so reagiert habe, wie Libyen erwartete, sei "enttäuschend".

Von den westlichen Politikern, die Libyen eingeladen hatte, blieb keiner übrig. Italiens Premier Silvio Berlusconi sagte in letzter Minute ab, Frankreich schickt bloß den Staatssekretär für Entwicklungshilfe, Alain Joyandet. Sonst hat bisher nur Venezuelas Präsident Hugo Chávez zugesagt; auch die afrikanischen Staatschefs, die sich bereits anlässlich des außerordentlichen Gipfeltreffens der Afrikanischen Union am 31. August in Tripolis befinden, werden wohl teilnehmen.

Internationale Kritik an Gaddafi

Libyens Staatschef Gaddafi, dessen Land lange auf der Liste der Schurkenstaaten stand, musste erst unlängst internationale Kritik einstecken, nachdem er dem aus humanitären Gründen freigelassenen libyschen Lockerbie-Attentäter Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi einen triumphalen Empfang bereitet hatte.

Auch der Konflikt mit der Schweiz schwelt weiter: Die Schweiz wartet immer noch auf die Freilassung zweier Geschäftsleute, die in Libyen inhaftiert worden waren, nachdem zwischen beiden Staaten im vergangenen Jahr ein Streit um die vorübergehende Festnahme eines Gaddafi-Sohnes in Genf eskaliert war.

Exil-Opposition ruft zum Umsturz auf

Libysche Oppositionelle mit Sitz in London nahmen den Jahrestag zum Anlass, um zum Umsturz aufzurufen. Sie erklärten, Gaddafi sei Schuld daran, dass Libyen in seiner Entwicklung "zurückgeblieben" sei. In einer Erklärung der Nationalen Front für die Rettung Libyens hieß es, wer behaupte, die Herrschaft von Muammar al-Gaddafi sei die einzige Garantie für Stabilität und Sicherheit in Libyen, verstehe die innenpolitische Lage nicht. Falls Gaddafi eines Tages gestürzt werde, würde dies keinen Bürgerkrieg zur Folge haben.

(Ag.)