Chaos und Hasstiraden bei Trumps Parteitag

 Donald Trump brach mit der Tradition der Parteitage und erschien – statt zum krönenden Abschluss – schon am Eröffnungstag des Konvents in Cleveland, um seine Frau, Melania, nach deren Rede zu küssen und die republikanischen Delegierten anzufeuern.
Donald Trump brach mit der Tradition der Parteitage und erschien – statt zum krönenden Abschluss – schon am Eröffnungstag des Konvents in Cleveland, um seine Frau, Melania, nach deren Rede zu küssen und die republikanischen Delegierten anzufeuern.(c) REUTERS (CARLO ALLEGRI)
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Das Parteitreffen hätte die Republikaner hinter ihrem Kandidaten, Donald Trump, vereinen sollen. Stattdessen offenbart es sowohl die inneren Brüche als auch die Unversöhnlichkeit gegenüber dem politischen Gegner.

Cleveland. Die Reden des ersten Tages der republikanischen Parteikonferenz in Cleveland, Ohio, lassen sich auf diese Quintessenz verdichten: Hillary Clinton hat das Blut amerikanischer Soldaten an ihren Händen und sollte hinter Gittern landen, am besten in einem Sträflingsanzug. Die Medien lügen und haben keine Ahnung vom Leben der echten, anständigen Amerikaner, die sich ihr eigenes Geld mit harter Arbeit verdienen, statt sich von einem sozialistischen Staat apanagieren zu lassen. Und, falls jemand es vergessen haben sollte: Präsident Barack Obama führt Übles im Schilde, mag illegale Einwanderer lieber als gebürtige Amerikaner und ist ein verkappter Moslem.

Sollte der designierte Präsidentschaftsanwärter Donald Trump beabsichtigt haben, auf diesem Parteitag die Geschlossenheit der Republikaner zu demonstrieren und sich als Kandidat für einen weiteren Kreis von Amerikanern vorzustellen, misslang ihm dies.

Schreiduelle zum Auftakt

Die schlechte Stimmung begann bereits frühmorgens, als Trumps Wahlkampfleiter, Paul Manafort, den Gouverneur von Ohio und vormaligen Vorwahlgegner Trumps, John Kasich, als „peinlich“ bezeichnete. Kasich ist einer von vielen republikanischen Spitzenpolitikern, die der Tagung aus Protest gegen Trumps Übernahme der Partei fernbleiben. Im Gegenzug ätzte Kasich, er sei sich nicht sicher, ob Trump im November in seinem Staat Ohio gewinnen könne. Das kann man als verdeckte Drohung des populären Landespolitikers Kasich verstehen, sich im Wahlkampf nicht für Trump ins Zeug werfen zu wollen.

Das Ungemach setzte sich in der Quicken Loans Arena fort, der Heimstätte des heurigen Basketballchampions Cleveland Cavaliers. Die Delegationen von neun Bundesstaaten begehrten eine namentliche Abstimmung über die Parteiregeln. Ihre Wortführer waren zwar nicht allesamt, aber mehrheitlich Trump-Gegner, und so kam es zu Schreiduellen, Beschimpfungen und somit jenen Fernsehbildern, die Trumps Behauptung, er sei ein großer Versöhner, infrage stellten.

„Demokraten sind der Feind!“

Die Revolte wurde von Trumps Anhängern, die Wachposten mit neongrünen Baseballmützen in der Arena positioniert hatten, um etwaiges neues Aufbegehren im Keim zu ersticken, schnell beendet. Mit dem Beginn der Reden allerdings wurde rasch klar, dass es bei diesem Parteitag nicht darum gehen würde, Brücken zum politischen Gegner und seinen wechselwilligen Wählern zu schlagen. „Der wahre Feind sind die demokratische Partei und Hillary Clinton!“, donnerte Mark Burns, ein schwarzer Fernsehprediger aus South Carolina, in seiner eigentlich als Segnung gedachten Predigt. „Gottvater, im Namen von Jesus dem Herrn, wir sind so dankbar für das Leben von Donald Trump.“

Dann trat Willie Robertson auf, Sohn einer Entenjägerfamilie aus dem ländlichen Louisiana, deren Leben und Werk in der Realityfernsehshow „Duck Dynasty“ seit Jahren ein Millionenpublikum fesselt. „Donald Trump wird euch immer die Wahrheit sagen, wie er sie sieht“, erklärte er und griff unter allgemeinem Johlen die „Medienelite“ an, die „nie selbst für ihr Geld gearbeitet hat“.

Darauf folgten mehrere Mütter, deren Söhne beim Terrorangriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi im Jahr 2012 beziehungsweise in den USA bei Unfällen oder Schießereien mit illegal aufhältigen Ausländern getötet worden waren. „Hillary Clinton ist direkt für den Tod meines Sohnes verantwortlich. Sie sollte im Gefängnis sein“, klagte Pat Smith, deren Sohn in Bengasi starb (allerdings spricht selbst der Untersuchungsbericht des republikanisch geführten US-Abgeordnetenhauses Clinton von der Verantwortung für den Angriff frei).

Putin-freundliche Position

Ein weiterer Redner, das frühere Unterhosenmodel Antonio Sabàto, wiederholte nach seine Ansprache, in der er als gebürtiger Italiener seine Liebe zu den USA bekundete, in einem Fernsehinterview eine der liebsten Verschwörungstheorien der Obama-Hasser. „Wenn Sie seiner Geschichte folgen, wenn Sie sein Buch lesen, wenn Sie Obama verstehen – ich meine, das ist kein christlicher Name, oder?“, sagte er. „Ich glaube, er ist auf der anderen Seite – dem Nahen Osten. Er ist auf Seiten der Bösen.“ Steve King, ein Abgeordneter aus Iowa, erklärte unterdessen, dass nur Weiße etwas zur westlichen Zivilisation beigetragen hätten.

Und ehe Trumps Ehefrau, Melania, ihre großteils von Michelle Obama plagiierte Rede hölzern von einem Teleprompter abzulesen begann, redete sich Rudy Giuliani, New Yorks früherer Bürgermeister, in einen Furor.

Abseits dieses Spektakels trug sich hinter den Kulissen eine Anekdote zu, die Trumps Weltsicht veranschaulichte. Das neue Wahlprogramm der Partei umfasst nach starkem Lobbying von Trumps Delegierten kein Bekenntnis mehr, die Ukraine notfalls mit Waffen in ihrem Kampf gegen prorussische, vom Kreml gesteuerte und ausgerüstete Aufständische zu unterstützen. Stattdessen ist nun von „angemessener Hilfe“ die Rede.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2016)

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