In zehn Jahren ist China die größte Volkswirtschaft der Welt

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Paramilitary policemen stand at attention during an oath-taking rally to ensure the safety of the 60t(c) REUTERS (Joe Chan)
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Europa wird in zehn Jahren im Rennen um den Titel "Größte Volkswirtschaft der Welt" weit hinter China liegen. Europas einzige Chance ist die Bildung. Denn in der Theorie ist Europa China überlegen.

In zehn Jahren wird China wohl die größte Volkswirtschaft der Welt sein, vor der EU und den USA. Das Land investiert 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, doppelt so viel wie die EU, und spart 50 Prozent des BIP - ein Niveau, das es in der Geschichte großer Volkswirtschaften noch nie gegeben hat, sagte Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Think-Tanks CEPS (Centre for European Policy Studies) am Dienstag in Alpbach bei der Eröffnung der Wirtschaftsgespräche.

Europa ist unfähig, seine Masse zu nutzen

Europa könnte dem eigentlich genug Masse entgegensetzen, als derzeit größte Volkswirtschaft der Welt. Aber es fehle der Wille zur Macht - genauer die Fähigkeit, das ganze Gewicht in einem Guss in die Waagschale zu werfen. Das ist auch der Grund, warum der Euro den Dollar nicht als Leitwährung ersetzen konnte. China investiere seine riesigen Überschüsse lieber in den USA - denn in Europa gibt es immer noch nationale Bond-Märkte. Und der größte davon - Deutschland - kommt eben nur auf ein Viertel des US-Volumens.

Ähnlich sieht dies Jürgen Thumann, Präsident der EU-Arbeitgebervereinigung Businesseurope. Er verweist darauf, dass von den 50 Top-Universitäten der Welt nur zehn in Europa sind. Indien und China holen auf, sie stellen bereits zwei Drittel der Ingenieure. "Talent ist keine exklusive Reserve der westlichen Welt", fasst es Thumann zusammen. Und Europa sei leider sehr schlecht dabei, Wissen zu vermarkten und in Geld zu verwandeln.

Letzte Chance: Bildung

Die Chance für Europa liegt, wie seit Jahren von allen gepredigt, in der Bildung. Und in moderner Beschäftigungs- und Sozialpolitik, sagt Arbeitgeber Thumann und wird vom Präsidenten der AK Oberösterreich, Johann Kalliauer, vollinhaltlich unterstützt. Ausbildung auf allen Ebenen sei nötig, sagt Kalliauer. Und der Welt könne Europa die besten sozialen Standards als Referenz bieten.

Auch Wifo-Chef Karl Aiginger glaubt an die theoretische europäische Überlegenheit, nur die Praxis hinke nach. "Europa hat bessere Modelle, ist aber schlechter bei der Durchsetzung", sagte er in der Zusammenfassung seiner zehn Thesen zum Gewicht Europas in der Welt. Dabei wäre das europäische Modell mit wirtschaftlicher Effizienz, sozialer Kohärenz und ökologischer Nachhaltigkeit für alle nachahmenswert. Aber in der Praxis, etwa in der aktuellen Finanzkrise, habe Europa versagt.

Obwohl nur "ambitionierte Mitläufer" bei den Derivaten, landeten mehr spekulative Papiere in Europa als in den USA. Die theoretisch tolle Regulierung erkannte die toxischen Papiere nicht und in der Krise sei dann letztlich das Staatsversagen schlimmer gewesen als das Finanzversagen. Europa fehle der Wille und die Einsicht, neue Wege gehen zu müssen diagnostizierte Aiginger, übereinstimmend mit Gros vor ihm.

(APA)

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