Die Schwächephase in der europäischen Bauwirtschaft scheint vorerst vorüber, so ein Bericht von Deloitte. Bei den Investitionen ist das Vorkrisenniveau aber noch nicht erreicht.
Wien. Die Baubranche wurde von der Finanzkrise seit 2008 hart getroffen. In den Jahren davor verzeichnete der Bau in Europa noch rund 2,5 Prozent Wachstum im Jahr, in einigen Ländern, Irland und Spanien etwa, war die Branche ein bedeutender Treiber des Wirtschaftswachstums. Die Krise leitete eine mehrjährige Schwächephase ein. Die scheint nun erst einmal vorbei zu sein. Europas Baukonzerne erholen sich allmählich von der Finanzkrise, zeigt ein aktueller Bericht der Beratungsfirma Deloitte.
„Die Top-50-Unternehmen der europäischen Baubranche haben mittlerweile im Hinblick auf ihren Markt- bzw. Börsenwert das Niveau von 2007 wieder übertroffen“, sagt Alexander Hohendanner von Deloitte Österreich. Der Bericht „European Powers of Construction“ analysiert die größten börsenotierten Baukonzerne Europas.
Die „sukzessive Erholung“ habe sich 2015 fortgesetzt, wenn auch in moderatem Tempo. Im abgelaufenen Jahr sei der Gesamtumsatz der 50 größten Bauunternehmen in Europa im Vergleich zu 2014 um fünf Prozent und deren Marktkapitalisierung um 21 Prozent gestiegen. Unterdurchschnittlich hätten sich die drei größten europäischen Bauriesen entwickelt: Das sind Vinci (Frankreich), ACS (Spanien) und Bouygues (Frankreich). Ihre Bauleistung ging im abgelaufenen Jahr entgegen dem Trend zurück.
Unter den 50 größten Bauunternehmen Europas finden sich auch zwei österreichische: die Strabag auf Platz sechs und die Porr auf Platz 25. Die Strabag konnte ihren Gewinn im Vorjahr um mehr als ein Fünftel auf 341 Millionen Euro steigern. Der Umsatz erhöhte sich um fünf Prozent auf 14,3 Milliarden Euro. Allerdings setzt der Konzern davon nur knapp zwei Milliarden Euro in Österreich um.
Riesen in China und Frankreich
Nach wie vor kommen, gemessen am Umsatz, überdurchschnittlich viele große Baufirmen aus Frankreich, Spanien und Großbritannien. Nachdem sich die deutsche Bilfinger weitgehend aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, rückte die niederländische BAM Group 2015 von Platz zehn auf Platz neun vor, und die schwedische NCC schaffte den Sprung in die Top Ten.
Global betrachtet sitzen die Giganten der Branche aber nicht in Europa. Die vier größten Konzerne der Welt kommen aus China. In den globalen Top 25 ist China das mit sieben Firmen meistvertretene Land, Frankreich als Zweitplatzierter kommt auf vier Unternehmen.
Für die 20 größten europäischen Baufirmen habe 2015 jedenfalls „mehrheitlich positive finanzielle Entwicklungen gebracht“, so Deloitte. Die Verkaufserlöse der Top 20 erhöhten sich den Angaben zufolge gegenüber dem Jahr davor um vier Prozent, das operative Ergebnis (Ebit) um 17 Prozent und der Nettojahresgewinn um 13 Prozent. Der Verschuldungsgrad habe sich um 14 Prozent verringert.
„Die Baubranche in Europa wird aus jetziger Sicht auch in den kommenden Jahren weiter wachsen“, so Hohendanner. Dafür brauche es eine rege Investitionstätigkeit, gerade von öffentlicher Seite. Bei den anstehenden Investitionen sei das Niveau von vor der Finanzkrise aber „noch lang nicht wieder erreicht“. Nachhaltig gestiegen seien die Investitionen in Bauleistungen zwischen 2007 und 2015 nur in Deutschland, Schweden, Polen und Belgien. Europaweit gab es hier 2015 gegenüber dem Jahr davor einen Zuwachs von fünf Prozent auf 1,4 Billionen Euro. (APA/red.)
Auf einen Blick
Die Finanzkrise 2008 stürzte die Baubranche in Europa in eine mehrjährige Schwächephase. Die dürfte nun vorbei sein. Laut einem Bericht der Beratungsfirma Deloitte habe sich die sukzessive Erholung der Branche im Vorjahr fortgesetzt, wenn auch in moderatem Tempo. Der Gesamtumsatz der Top-50-Konzerne Europas stieg im Vergleich zu 2014 um fünf Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2016)