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Gaddafi kritisiert Israel und entwirft „Auto der Zukunft“

Gaddafi
(c) AP (Andrew Medichini)
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Der Diktator feiert Machtübernahme vor 40 Jahren. Trotz der Misstöne sehen europäische Diplomaten eine "positive Entwicklung" der Beziehungen. Vor 20 Jahren galt Gadhafi als "Terrorist".

Libyens Herrscher weiß, wie man feiert: Er lässt Soldaten aufmarschieren, schickt Reiter in weißen Gewändern los und erbaut sich mit seinen Gästen an den Darbietungen bunt gekleideter Tänzerinnen. Und ganz nebenbei präsentiert Muammar al-Gaddafi „The Rocket“: Das von ihm entworfene „Auto der Zukunft“ sieht aus wie ein Rennboot und kostet pro Stück um die zwei Millionen Euro, inklusive Innenausstattung mit Leder und Teppichen.

Gaddafi wäre nicht Gaddafi, hätte er den Beginn der Jubelfeiern anlässlich seiner Machtübernahme vor 40 Jahren nicht für eine Breitseite gegen seinen „Lieblingsfeind“ genutzt: Israel stecke hinter den Konflikten in Afrika. Deshalb müssten alle israelischen Botschaften auf dem Kontinent geschlossen werden, forderte der Diktator bei einem Sondergipfel der Afrikanischen Union (AU).

 

Klinkenputzen in Tripolis

Um nicht einsam in seiner Fantasieuniform auf der Ehrentribüne zu sitzen, hat Gaddafi Afrikas Staats- und Regierungschefs in die Hauptstadt Tripolis eingeladen. Westliche Staatschefs gaben Gadhafi derweil einen Korb – wenigstens für die „Revolutionsfeiern“. Zwar putzten Europas Spitzenpolitiker in den vergangenen Jahren Klinken in Tripolis, um sich Rohstoffe und andere lukrative Geschäfte im Saharastaat zu sichern. Doch nach Gadhafis demonstrativer Umarmung des aus britischer Haft heimgekehrten Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi war im Westen die Lust zum Gratulieren gering.

Nur Italiens Premier Silvio Berlusconi feierte vergangenen Sonntag in Tripolis einen einjährigen bilateralen Freundschaftspakt mit Libyen und rückte so mit Gaddafi kurz vor Beginn der Revolutionsfeierlichkeiten aufs Foto.

 

Streit um Italiens Kunstflieger

Italien hatte auch versprochen, seine Luftwaffenkunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ an Gaddafis Jubelshow teilnehmen zu lassen. Doch bei der Generalprobe kam es zum Eklat. Die Libyer forderten, dass die Flugzeuge grünen Rauch ausstoßen statt wie üblich Rauch in den Nationalfarben Italiens. Die Italiener weigerten sich, die Jets blieben am Boden.

Auch das Ringen um die Freilassung zweier in Libyen festgehaltenen Schweizer Geschäftsleute trübt die Beziehung zum Westen. Die Festsetzung der Schweizer, deren Heimflug in diesen Tagen greifbar nahe schien, gilt als Rache für die vorübergehende Verhaftung von Gaddafi-Sohn Hannibal in Genf, der dort 2008 in einem Hotel Bedienstete misshandelte.

Trotz der Misstöne sehen europäische Diplomaten eine „positive Entwicklung“ der Beziehungen. Vor 20 Jahren galt Gaddafi als „Terrorist“. Entschädigungszahlungen und das Gelöbnis, Terror und Massenvernichtungswaffen abzuschwören, machten den Weg für eine neue Zusammenarbeit frei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2009)