MQ: Mehr Moderne, mehr Probleme

(c) Die Presse (Teresa Zötl)
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Museumsquartier-Chef Waldner möchte „ein bauliches Signal“, verteidigt Hausverbote und Nachtsperren: "Wir überlegen, die Seite zum siebten Bezirk ab Mitternacht zu schließen."

„Die Presse“: Sie feiern Ihr zehnjähriges Jubiläum an der Spitze des MQ. 1999 haben Sie sicher kaum damit gerechnet, ewig zu bleiben.

Wolfgang Waldner: Nein. Als ich aus dem Kulturinstitut New York nach Wien zurückkehrt bin, kam ich von einer Baustelle zur nächsten. Ich dachte an höchstens fünf Jahre. Jetzt bin ich bis 2014 hier.

Hier ist alles auf Schiene, hier können Sie nicht mehr viel bewegen.

Waldner: Hier ist genug zu tun. Ein neuer großer Wurf gelingt hier vielleicht nicht mehr. Wir können die Zahlen – Besucher und Einnahmen – verbessern, und das gelingt auch. Wir haben höhere Budgets als vor zehn Jahren erwartet, aber die gleichen Abgänge wie geplant.

Da müsste doch auch ausgeglichen bilanziert werden?

Waldner: Das würde auf Kosten der Kultur gehen und Atmosphäre. Mir wurde vorgeworfen, wir würden zu viel Kommerz betreiben. Natürlich könnten wir mehr vermieten, Firmenpräsentationen, Werbung annehmen und den Abgang gegen null bringen. Das würde die künstlerische Atmosphäre stören, das ist eine bewusste Entscheidung.

Jetzt könnte man sagen, dass die nächtliche Enzi-Szenerie nicht unbedingt künstlerische Atmosphäre bringt. Sie könnten Geld sparen, indem Sie das MQ-eigene Programm, das Quartier 21, kürzen.

Waldner: Das Quartier 21 bilanziert ausgeglichen.

Aber man könnte die Räume kommerzieller nutzen.

Waldner: Das könnte man, aber dann würden nicht 250.000 Besucher in das Quartier 21 kommen, dieser Bereich expandiert stärker als die fixen Museen.

Es gibt Kritiker, die meinen, für Zeitgenössisches gebe es das Museum angewandter Kunst und das Moderner Kunst (Mumok) oder die Kunsthalle.

Waldner: Das Quartier 21 ist kein Museum, dort werden digitale Medien, Mode und Design thematisiert und bearbeitet.

Aber für Design gäbe es das Mak.

Waldner: Aber die machen das nicht nach dem Bedarf der Szene.

Was wurde aus dem Plan eines Designforums, das vor dem Quartier errichtet hätte werden sollen?

Waldner: Das ist gestorben, weil der Investor abgesprungen ist. Wenn es Konzept, Finanzierung und Auftrag gibt, machen wir das.

Das klingt nicht sehr euphorisch.

Waldner: Ohne politischen Willen ist so etwas nicht umzusetzen.

In ihrem Büro hängt ein Plan vom Museumsquartier, auf dem der Leseturm zu sehen ist. War der nur eine Fußnote? Oder haben Sie den Plan nie aufgegeben?

Waldner: Das war mehr als eine Fußnote. Ich will mich damit an die Diskussion erinnern. Sinn und Zweck des Leseturms war eine Wegweiserfunktion, weil viele nicht gewusst haben, wo das Quartier ist. Diese Funktion wäre nicht mehr notwendig. Aber was wichtig wäre, ist, ein Signal der Modernität zu schicken, dass sich hinter dieser barocken Fassade ein riesiges zeitgenössisches Kulturzentrum Mitteleuropas verbirgt. Ein Leseturm ist baulich und wegen der Nutzung nicht realistisch, aber es wären andere Signale möglich.

Zum Beispiel?

Waldner: Man könnte vor dem MQ etwas bauen oder auf die bestehenden Strukturen.


Auf den Fischer-von-Erlach-Trakt? Man würde Sie teeren und federn.

Waldner: Nicht unbedingt, man könnte eine Aussichtsplattform auf den Trakt oder den Ovaltrakt setzen. Es gäbe Ideen einer Brücke über die Zweier-Linie. Es gibt viele Vorschläge. Aber solange Bund und Stadt sich nicht begeistern, werde ich nicht initiativ werden. Ich sehe rechts und links, welche Projekte scheitern. Wo Leute baden gehen.


Sie meinen Mumok-Chef Edelbert Köb, der seinen Wunsch nach Ausweitung in die Kunsthalle medial ventilierte? Das gefällt Ihnen doch?

Waldner: Ich schätze Effizienzsteigerungen und kann der Argumentation Köbs einiges abgewinnen. Die Räume der Kunsthalle wären geeignet für das Mumok. Aber ich verstehe Gerald Matt, dass er nicht ohne Alternative das Areal verlassen will.

Es würde Sie doch freuen, wenn Ihr Widersacher Matt das Areal verlässt.

Waldner: Das stimmt nicht, Matt ist kein Widersacher, sondern ein Partner im MQ, mit dem man sich in angeregten Diskussionen zu neuen Höhen emporschwingen kann. Unser Verhältnis war immer besser, als es nach außen ausgesehen hat.

Eine mehr als angeregte Diskussion hat es gegeben, als Sie ein Alkoholverbot auf dem Areal eingeführt haben, das Sie zurücknehmen mussten.

Waldner: Ich habe weder ein Alkoholverbot erlassen noch verkündet. Es gab immer ein Alkoholverbot in der alten Hausordnung auf dem Areal, das gilt auch weiterhin. Ich habe nur auf Tafeln darauf hingewiesen. Wir achten darauf. Bis Mitternacht sind wir eben tolerant, wir unternehmen nichts, wenn Leute ihre mitgebrachte Dose Bier trinken. Lieber ist es uns natürlich, wenn sie Gastgärten und Lokale nutzen. Aber wenn die Restaurants geschlossen werden, kontrollieren wir. Wenn jemand nicht geht, holen wir auch die Polizei und verhängen Hausverbot, das kriegen 99,9 Prozent der Besucher aber nicht mit.

Wie viele haben Hausverbot?

Waldner: Nicht viele, aber doch ein paar. Meistens kommt es gar nicht dazu. Aber noch einmal: Wir kriegen jede Nacht Beschwerden wegen Lärmbelästigungen, weil Leute durch das MQ ziehen. Weil sie randalieren, Flaschen werfen und grölen. Das ist ein echtes Problem.

Wie wäre es mit einer Nachtsperre?

Waldner: Wir haben probeweise den Eingang von der Mariahilfer Straße gesperrt. Seither liegen im Kinder-Hof nicht immer Glasscherben. Wir überlegen, die Seite zum siebten Bezirk ab Mitternacht zu schließen. Ich bin nicht verpflichtet, alle Eingänge offen zu halten, muss nur einen Zugang garantieren. Das ist ein Riesenproblem und nimmt zu.

ZUR PERSON

Wolfgang Waldner (geb. am 6. Oktober 1954 in Villach) studierte Jus und Romanistik. Er war Ministersekretär und leitete elf Jahre lang das österreichische Kulturinstitut in New York. Seit zehn Jahren ist er Geschäftsführer des damals in Bau befindlichen Museumsquartier.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2009)

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