Die Taliban steigen einem Bericht der UNO zufolge immer tiefer ins Drogengeschäft ein. Ein Lichtblick: Der Anbau von Opium ist um ein Viertel zurückgegangen.
Es ist zur Abwechslung eine gute Nachricht, die Antonio Maria Costa am heutigen Donnerstag in Kabul verkünden wird: In Afghanistan ist der Opiumanbau im vergangenen Jahr um 22 Prozent zurückgegangen, auf 123.000 Hektar. Die Produktion ist auch gesunken, jedoch nur um ein Zehntel: Die Bauern gewinnen nun nämlich mehr Opium aus Mohnkapseln als früher.
Doch Costa, der Chef des UN-Büros für Drogenkontrolle und Verbrechensverhütung, hat auch schlechte Nachrichten parat: In Afghanistan entwickeln sich Narko-Kartelle nach kolumbianischem Vorbild. Früher haben sich die Taliban-Milizen darauf beschränkt, Schutzgelder zu erpressen. Jetzt steigen die Radikalislamisten immer stärker in das Geschäft ein, betreiben selbst Labors und schmuggeln.
Opium wächst in Afghanistan dort, wo die Taliban die Kontrolle übernommen haben. Schon bisher haben die Taliban in jedem Glied der Produktionskette mit mindestens zehn Prozent mitgeschnitten: bei der Einfuhr der Vorläufersubstanzen, beim Opiumanbau, bei der Heroinproduktion, bei der Lagerung und beim Export.
sDrogengeld ist das Schmiermittel für den Aufstand in Afghanistan. Wie viel Geld die Taliban damit lukrieren, darüber gibt es verschiedene Schätzungen. Die Journalistin Gretchen Peters behauptet in ihrem Buch „Seeds of Terror“, Drogenhandel bringe den Koranschülern eine halbe Milliarde Dollar pro Jahr. Berechnungen der UNO ergeben 300 Mio. Dollar.
Dabei ist Opium angeblich nicht einmal die einträglichste Quelle: In der aktuellen Ausgabe des „Time Magazine“ vermutet ein Repräsentant der Nato-Einheiten in Afghanistan, dass die Taliban mehr Geld mit Erpressungen und Entführungen machen.
90 Prozent des weltweiten Opiumbedarfs decken Lieferungen aus Afghanistan. Die Hälfte der Ware wird über die iranische Grenze außer Landes geschmuggelt. Von dort finden die Drogen über die Türkei ihren Weg nach Europa. Gewaschen wird das Drogengeld fast überall, vor allem aber von Banken in den Golfstaaten. Doch Costa weist auf einen neuen Trend hin: „Opium wird nicht mehr in Geld gehandelt, sondern in Bartergeschäften, gegen Eigentumsrechte für Appartements oder Hotels etwa.“
Die Nachfrage nach Opiaten liegt weltweit bei rund 5000 Tonnen, das liegt 1900 Tonnen unter Afghanistans Produktionskapazität. Costa vermutet deshalb, dass in Afghanistan und im benachbarten Pakistan riesige Mengen an Opium gelagert werden, um den Preis künstlich hochzuhalten.
Getreideanbau wieder lukrativ
Der aktuelle Rückgang des Opiumanbaus ist übrigens weniger auf den Vormarsch internationaler Streitkräfte zurückzuführen, sondern auf Marktkräfte. Angesichts der Lebensmittelkrise zahlt es sich für die Bauern aus, Getreide anzubauen. Genau da will die UNO ansetzen. Bisher waren viele Opiumbauern auf Darlehen von Drogenhändlern angewiesen. Es fehlt ein System für Mikrokredite. „Die afghanische Agrarentwicklung braucht mindestens einen genauso robusten Schub wie die internationale Militäroffensive gegen die Taliban“, sagt Costa.