Inselschwimmen am Wörthersee: Schneller als die Enten allemal

(c) Robert Orasch/PÖZ

Türkisfarbenes Wasser, geringe Tiefe, ordentliche Länge: Zum dritten Mal findet das Inselschwimmenrund um die Blumeninsel im Wörthersee statt.

Die Bestzeit beim Inselschwimmen 2015 ist ein Anreiz, aber illusorisch für einen mäßig trainierten Laien. 24 Minuten, das geht sich für uns nicht aus. Wir rechnen: Die Runde um die Pörtschacher Blumeninsel misst 1400 Meter. Die mittlere Schwimmgeschwindigkeit beträgt knapp einen Meter pro Sekunde, der Energieaufwand führt dazu, dass sich gegen Ende hin die Tempi ziehen. Unsere kleine Trainingstruppe für das Inselschwimmen am 6. August kann stolz sein, die Strecke unter einer knappen Dreiviertelstunde zu schaffen. Die Pausen (das Wasser bis zum Hals stehend am Rand des dichten Schilfgürtels) sind freilich nicht mitgezählt.

Die Strecke auf der Innenseite des lang gezogenen Eilands, hin zur Westbucht, ist bei diesem Selbstversuch leicht zu bewältigen: Glatt wie ein Spiegel liegt das Wasser da, wenig Bootsverkehr macht kaum Wellen. Die ersten drei-, vierhundert Meter gehen wie geschmiert, schnell sind die hohen Bäume auf der Liegewiese der Insel aus dem Gesichtsfeld. Auch das Kap mit seinem seichten Sockel (etwa nach einer Distanz von rund 600 Metern) ist noch recht locker umrundet. Grundsätzlich ist der Wörthersee ein wenig turbulentes, ziemlich gutmütiges Gewässer. Keine argen Winde legen die Wasseroberfläche in gröbere Falten, mit viel Widerstand ist nicht zu rechnen. Doch diesmal hat's der Parcour auf der Inselaußenseite in sich: Auf der langen Geraden zwischen Klagenfurt und Velden geben Motorboote Gas und erzeugen Seegang. Weht dann noch der Wind von Osten, ergibt diese Kombination Kreuzwellen. Spätestens jetzt bedauert man, sich keinen ökonomischen Schwimmstil angeeignet zu haben. Auch an die Schwimmbrille hätte man denken können. Es verstärkt sich der Eindruck, auf der Stelle zu verharren, während die Enten an einem vorbeizischen. Und auf den letzten Metern macht sich ein leichtes Frösteln im 26 Grad warmen Wasser bemerkbar, die Finger tendieren zu weiß und schrumpelig. Draußen misst es heiße 30 Grad. Ein paar Züge noch, unter der großen Bogenbrücke durch, glücklich trocknet man sich am Steg.

Jetzt also erst recht, da man die Strecke schon kennt. Hier zu schwimmen ist nämlich eine echte Augenweide: Durch die geringe Tiefe nahe dem kompakten Schilfgürtel wirkt das Wasser türkis und changiert weiter draußen je nach Bewölkung ins Smaragd oder Petrol. Mächtige Pyramidenpappeln säumen den vorderen Bereich des Promenadenbades, im hinteren überwuchern Laubbäume und Lianen das Eiland, das ursprünglich etwas kleiner, kahler und oft auch überschwemmter war – allerdings ab 1923 eine legendäre Gastwirtschaft, den Inselwirt, beheimatete. Zudem weiß man nach einer Umrundung auch besser mit den Kräften hauszuhalten und kennt die Stellen, an denen man auf den Zehenspitzen im Schlick notfalls pausieren kann.

Die letzten beiden Male hatten die Veranstalter des Inselschwimmens, die Wasserrettung Pörtschach, mit dem Wetter nicht das große Los gezogen. Dennoch kamen viele, um begeistert mitzuschwimmen. Auch heuer können es an die 160 bis 180 Einheimische und Gäste sein, die im Promenadenbad Pörtschach gleichzeitig an den Start gehen, die Insel umrunden, einen Zielsprint unter der Brücke hinlegen und letztlich mehr für den Spaß kämpfen als für eine exakte Rekordzeit. Dass jeder Teilnehmer heil ans Ziel kommt, darüber wacht die Wasserrettung auf Booten und Surfboards entlang der ganzen Strecke.

Publikumsbewerbe haben auf dem Wörthersee eine lange Tradition, die immer wieder aufgegriffen wird, zuletzt etwa das Schwimmen über die Pörtschacher Ostbucht oder etwa das Vollmondschwimmen in Klagenfurt. Querungen im Alleingang sind auf dem verkehrsreichen See keine gute Idee. Wenn einem das Leben lieb ist, lässt man sich von einem Boot begleiten. Oder findet andere lohnenswerte Strecken – eben am Inselufer entlang.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2016)