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El Baradei: "Atomare Bedrohung durch Iran übertrieben dargestellt"

(c) AP (Markus Schreiber)
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Der Iran wird nach Auffassung des Chefs der UN-Atomenergiebehörde in absehbarer Zukunft keine eigene Atomwaffe bauen. Die Bedrohung sei "in vielerlei Hinsicht aufgebauscht" worden, sagte Mohamed El Baradei.

Die vom Nuklearprogramm der Islamischen Republik ausgehende Bedrohung werde übertrieben dargestellt, sagte IAEO-Generaldirektor Mohamed El Baradei in einem Interview des Fachmagazins "Bulletin of the Atomic Scientists". Es gebe keine konkreten Beweise für ein laufendes Atomwaffenprogramm der Regierung in Teheran. "Aber irgendwie reden viele Leute davon, dass Irans Atomprogramm die größte Bedrohung für die Welt ist. Ich denke, in vielerlei Hinsicht ist diese Bedrohung aufgebauscht worden".

El Baradei sagte, man mache sich mit Blick auf das Atomprogramm Sorgen, was die künftigen Absichten der iranischen Regierung angehe. Er forderte deshalb mehr Transparenz seitens des Iran. "Aber die Vorstellung, dass wir morgen aufwachen und der Iran eine Atomwaffe haben wird - das ist etwas, das von den Fakten, die wir bislang gesehen haben, nicht untermauert wird."

Zurückhaltung bei Sanktionen

Der IAEO-Chef, der im November nach zwölf Jahren aus dem Amt scheidet, mahnte bei der Verschärfung von Strafmaßnahmen gegen den Iran zur Zurückhaltung. Sanktionen dürften nur als letztes Mittel in Betracht gezogen werden, und sie dürften nicht die Bevölkerung treffen, sagte er. "Wie wir im Irak gesehen haben, verhinderten Sanktionen lediglich den Zugang verletzbarer, unschuldiger Zivilisten zu Lebensmitteln und Medizin."

Am heutigen Mittwoch sind im Raum Frankfurt Vertreter der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands zusammengekommt. Sie wollen ihren künftigen Kurs im Umgang mit dem Iran abstecken. US-Präsident Barack Obama hat der Islamischen Republik bis Ende September Zeit gegeben, sich zu neuen Gesprächen bereitzuerklären. Anderenfalls drohe eine vierte Sanktions-Runde. Am Dienstag hatte der Iran überraschend mitgeteilt, er willige in neue Verhandlungen über sein umstrittenes Atomprogramm ein.

Der Iran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms die Entwicklung von Atomwaffen anzustreben. Der Iran bestreitet das, hat aber bisher keine umfassenden internationalen Kontrollen zugelassen.

(APA)