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Münchner Amoklauf: 16-Jähriger als möglicher Mitwisser in Haft

Polizeieinsatz in Folge des Amoklaufs von München
Polizeieinsatz in Folge des Amoklaufs von MünchenAPA/dpa/Tobias Hase
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Der Freund des Täters hatte sich zunächst selbst bei der Polizei gemeldet und sich bei der Vernehmung in Widersprüche verwickelt.

Die bayerische Polizei nahm Sonntagabend einen 16-Jährigen fest, der mit dem Amoklauf von München am vergangenen Freitag in Verbindung stehen soll. Es handelt sich um einen Freund des Täters, er wurde unter unter dem Verdacht der Mitwisserschaft festgenommen. Am Freitag hatte ein 18-jähriger Deutsch-Iraner in einem Einkaufszentrum in München neun Menschen erschossen und über 30 verletzt, drei davon sind weiter in Lebensgefahr. Er hat sich wenig später einen Kilometer vom Tatort entfernt selbst getötet.

Es bestehe die Möglichkeit, dass der Afghane gewusst habe, das sein 18-jähriger Freund einen Amoklauf plante, sagte ein Polizeisprecher am Sonntagabend. "Wir wollen abklären, ob er das wusste." Gegen den 16-Jährigen werde wegen Nichtanzeigens einer Straftat ermittelt. Der Jugendliche habe sich nach der Tat bei der Polizei gemeldet. Bei einer erneuten Vernehmung habe er sich in Widersprüche verwickelt. Ein Sondereinsatzkommando habe ihn daher gegen 18.15 Uhr in dessen Wohnung im Münchner Stadtteil Laim festgenommen. Es werde ein Haftbefehl beantragt.

Verantwortlich für Facebook-Aufruf?

Geprüft werde auch, ob der 16-Jährige für einen Facebook-Aufruf zu einem Treffen in einem Kinokomplex in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofes verantwortlich sei, ähnlich jenem des Amokläufers in Bezug auf das McDonald's-Restaurant, bei dem die Bluttat begann. Die Polizei warnte vor weiteren Nachahmungstaten. Sie kündigte an, "mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gegen sogenannte Trittbrettfahrer vorzugehen". Bei der Überprüfung des Kinos ergaben sich am Sonntag keine Auffälligkeiten.

Unterdessen wurden immer mehr Details zur Tat bekannt. So reiste der psychisch kranke 18-Jährige auch nach Winnenden bei Stuttgart, den Ort eines früheren Amoklaufs. Seine Opfer, die überwiegend aus Migrantenfamilien stammen, suchte er sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht gezielt aus.

Debatte über schärfere Waffengesetze

Die Bluttat löste am Wochenende eine Debatte über die Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen aus. Unions-Politiker forderten mehr Videoüberwachung, die Stärkung der Sicherheitsbehörden und die Hilfe der Bundeswehr bei Terroranschlägen. Auch schärfere Waffengesetze und Maßnahmen gegen Gewaltverherrlichung in Computerspielen sind wieder im Gespräch. Am Sonntagabend versammelten sich mehr als 1500 Menschen zum stillen Gedenken an die Opfer am Tatort, viele Menschen legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge hat der Täter unter "sozialen Phobien" und Depressionen gelitten, war zwei Monate in stationärer, später in ambulanter Behandlung, zuletzt im Juni. In seiner Wohnung wurden auch Medikamente gefunden. Im Jahr 2012 wurde der Täter von Mitschülern gemobbt. Ob es einen Zusammenhang zur Tat gebe, sei noch unklar, erklärten die Ermittler. Mitschüler seien aber nicht unter den Opfern.

Jahrestag von Breivik-Attentat

Der Amoklauf fand am fünften Jahrestag von Breiviks Massenmord in Oslo und auf der norwegischen Insel Utöya statt, bei dem der Rechtsextremist 77 Menschen tötete. Der Täter von München informierte sich über dessen Tat und hatte in seiner Wohnung auch ein Buch mit dem Titel "Amok im Kopf - Warum Schüler töten".

Nach Angaben der Ermittler spielte der Täter intensiv Videospiele wie "Counter-Strike", die als gewaltverherrlichend kritisiert werden. Mit seiner Pistole gab er bei seinem Amoklauf mindestens 57 Schüsse ab. Die Waffe hat er wahrscheinlich in einem anonymen Bereich des Internets gekauft, dem sogenannten Darknet. Sie sei einst als Theaterwaffe entschärft, dann aber wieder zu einer scharfen Waffe umgebaut worden, sagte der Chef des Landeskriminalamts, Robert Heimberger.

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(APA/DPA)